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Interview mit Joe Maffei

Frage: Wie hat Deine sportliche Erfahrung Dein Training in den Kampfkünsten beeinflußt?

Joe: Ich denke, daß Sport und Kampfkünste zwei Seiten der selben Medaille sind. Sie halten Dich gesund und fit. Sie erfordern Disziplin und Übung, um darin gut zu sein. Das Training macht Dich stark und entwickelt Eigenschaften wie Koordination, Gleichgewicht und Ausdauer. Und sie bieten die Möglichkeit, einen Wettkampfsgeist zu entwickeln – den Willen zu siegen oder zu überleben...um niemals aufzugeben.

Frage: Welche Sportarten würdest Du als gute “Trainingshilfen” für die Kampfkünste empfehlen und warum?

Joe: Ich glaube, jede Kontaktsportart, bei der man in ständiger Bewegung ist, ist gut – Football, Basketball, Fußball und so weiter. Diese Sportarten machen Dich hart und entwickeln außerdem einen Sinn für Teamarbeit, welcher darin helfen kann, besser soziale Fähigkeiten aufzubauen. Außerdem hilft das Spielen von Mannschaftssportarten, das periphere Sehvermögen zu schulen – die Fähigkeit, viele Spieler zu beobachten, während man sich trotzdem auf seine eigene Aufgabe konzentriert. Diese Fähigkeit zu besitzen ist großartig, wenn man sich mehreren Angreifern gegenübersieht.

Frage: Was würdest Du sagen sind Deine größten Vorteile/Fähigkeiten als ein Kampfkünstler?

Joe: Als Lehrer würde ich sagen sowohl Geduld, Anpassungsfähigkeit und die Offenheit, mit unterschiedlichen Methoden und neuen Ideen zu experimentieren, als auch die Fähigkeit, die Probleme eines Schülers schnell zu erkennen und konventionelle oder unkonventionelle Methoden einzusetzen, um die gewünschten Ergebnisse zu erzielen. Als Kämpfer würde ich sagen, daß meine sportlichen Fähigkeiten ganz oben auf der Liste stehen. Ich bin ziemlich schnell und stark. Ein weiteres Plus ist meine Erscheinung, weil sie bescheiden und unbedrohlich ist. Ich passe gut zu normalen Personen, was ein Überraschungselement hinzufügt.

Frage: Von all Deinen Kampffähigkeiten, welche würdest Du als unentbehrlich ansehen und warum?

Joe: Erfahrung, Aufmerksamkeit und Anpassungsfähigkeit. Zu aller erst Erfahrung. Wenn Du im Musikgeschäft bist und Dein halbes Leben in Kneipen und umgeben von Betrunkenen, Drogenabhängigen und Kriminellen verbracht hast, lernst Du Dinge über die dunkle Seite des Lebens. Du entwickelst ein Auge für kriminelle Aktivitäten – wer macht was, wer ist mit wem zusammen. Was uns zur Aufmerksamkeit führt. Obwohl ich über großartigte Techniken, Tritte, Schläge und andere Dinge verfügen mag, mag ich nicht in der Lage sein, diese tödlichen Schläge oder Tritte loszulassen, falls ich mir nicht meiner Umgebung und der darin lauernden Gefahr bewußt bin. Zur gleichen Zeit geben mir die Merkmale, die ich entwickelt habe, die Anpassungsfähigkeit, um eine Flucht durchzuführen oder eine dominierende Position aufzubauen, die mir den Vorteil in einem Kampf verschafft.

Frage: Wann fingst Du damit an, Tai Chi zu trainieren, und was hat dies zu Deinem Gesamtkönnen als Kampfkünstler beigetragen?

Joe: Ich begann mit dem Tai Chi etwa 1977. Tai Chi konzentriert sich auf volle, tiefe Atmung. Dies hilft dem Kreislauf- und Atmungssystem. Je tiefer die Atmung, desto größer ist die Menge des Sauerstoffs, der zum Gehirn gelangen kann, wodurch ein klares Denken und Aufmerksamkeit gefördert wird. Das Üben des tiefen Atmens kann ebenfalls das Lungenvolumen vergrößern und die Erschöpfung verringern. Dies wird Deinem Körper Freiheit und flüßigere Bewegung geben, was zu Deiner Gesamtleistung beiträgt. Und tiefes Atmen kann Dir helfen, Dich in beängstigenden und stressvollen Situationen zu beruhigen.

Frage: Welches sind Deine Lieblingskampfkünstler und warum?

Joe: Natürlich bewundere ich alle meine Lehrer. Aber meine Favoriten sind meine Schüler, weil ich die Gelegenheit hatte, zu beobachten, wie sie wuchsen und sich als Kämpfer, Lehrer und verantwortungsbewußte Menschen entwickeln.

Frage: Wie war das Training mit Paul Vunak?

Joe: Paul ist ein äußerst talentierter und begabter Mensch. Er hat einen großen Sinn für Humor und ist ein guter Freund. Zur damaligen Zeit meines Lebens hatte ich das Glück, mit Paul zu trainieren, weil er so intensiv und hungrig war. Ich fühlte mich gesegnet, zur rechten Zeit am rechten Ort zu sein. Ich erinnere mich an das Training in seinem Garten in Long Beach in Kalifornien. Es war so verschieden von meinem vorherigen traditionellen Training – formlos und locker, aber sehr aggressiv, mit sehr viel Vorwärtsdruck. Dies waren keine Serien von Weicheier-Drills, sondern eher eine aggressive Methode, um zu erlernen, wie man wirksam kämpft. Diese Zeiten waren AUSUFERND...und manchmal gerieten sie ein wenig außer Kontrolle. Unsere persönlichen Gespräche drehten sich um Bruce Lee und Pauls Training mit Dan Inosanto (mit dem ich später ebenfalls trainieren konnte). Wir sprachen über das Training und die Eskapaden unten in Virginia Beach, die unterschiedlichen Trainingsmethoden, die im Training der Navy SEAL-Teams eingesetzt wurden sowie die Hochtechnologieausrüstung, die vom Militär entwickelt und eingesetzt wurde. Wir unterhielten uns ebenfalls über die Teammitglieder und die unterschiedlichen Taktiken und Szenarien, die für bestimmte Aufträge eingesetzt werden. Ich habe mit Paul seit mehr als 20 Jahren trainiert und baue mein Lehren und Training auf dem auf, was er mir in meinem allerersten Unterricht gesagt hatte: “Finde Deine eigene Wahrheit im Kämpfen heraus.”

Frage: Wie ist das mit den Gracies?

Joe: Ich kann nur über die Gracies sprechen, mir denen ich zusammengearbeitet habe, Rickson und Renzo. Obwohl sich ihre Persönlichkeiten unterscheiden mögen, tut dies ihre Einstellung zur Kunst ihrer Familie nicht. Sie sind perfekte Gentlemen und erbitterte Kämpfer. Ihr Trainingsprogramm und ihre Trainingsmoral sind unglaublich, und ihre Lebensfreude inspirierend. Ich bin stolz darauf, in der Lage zu sein, sie als meine Freunde und Lehrer zu bezeichnen.

Frage: Was denkst Du über das Ultimate Fighting und die Bemühungen, es zu verbieten? Wie hat es die Kampfkünste in einem positiven Sinn beeinflußt?

Joe: Ich denke, die UFC machte Anfangs den großen Fehler auf die Langlebigkeit des Sports bezogen. Ihre Marketingstrategie war es, diesen barbarischen, blutigen Sport ohne Regeln zu fördern, um einen Streit zu schüren. Kurzfristig gesehen war das großartig. Das Turnier wurde sehr populär, verschaffte vielen Leuten Geld und erzeugte eine Menge an Aufregung. Aber auf lange Sicht betrachtet wirkte es sich für das Wachstum und die Entwicklung des Sports schädlich aus. Und genau das ist es – ein Sport! Mit strengen Regeln und Vorschriften. Ich denke, das No Holds Barred (NHB) oder Mixed Martial Arts (MMA)-Kämpfen ist großartig. Es hat viele Kampfkünstler in einem positiven Sinn beeinflußt, in dem es ihnen die Augen geöffnet hat über die Realitäten des unbewaffneten Kämpfens. Es ist ein Schlüsselbaustein in meinem Training und Unterricht.

Frage: Was kannst Du uns über Dein Messer-Ringkampfprogramm sagen?

Joe: Nun, das erste, was ich Dir sagen kann, ist, daß das allerletzte, was Du haben möchtest, ein Ringkampf ist – egal, ob am Boden oder stehend –, wenn ein Messer dabei miteinbezogen ist. Ringen und Messer vertragen sich nicht. Unglücklicherweise passiert dies, und wir müssen uns damit auseinandersetzen. Messerkampf kann in verschiedene Distanzen unterteilt werden – lang, mittel, nah, die Umklammerung und Bodenkampf –, und sie vermischen sich schnell. Die meisten Praktiker trainieren nur in einer oder zwei dieser Distanzen, so daß sie eingeschränkt sind, wenn es dazu kommt, in all diesen Distanzen zu kämpfen. Meine Schüler trainieren in allen von ihnen. Aber was ich zuerst trainiere ist die Aufmerksamkeit auf die Klinge. Wenn die meisten Leute heutzutage Ringen, Grappling oder Bodenkampf lernen, lernen sie es als einen Sport. Selbst NHB-Kämpfen ist ein Sport. Ein NHB-Kämpfer ist trainiert in Schlägen, Gelenkhebeln, Würgegriffen und so weiter. Er entwickelt eine Muskelerinnerung speziell für eine bestimmte Art des Kämpfens. Aber diese Art und Weise beinhaltet keine Messer oder mehrere Angreifer, wodurch sie dem Schüler ein falsches Sicherheitsgefühl vermittelt, wenn er einem Gegner in einer lebensbedrohlichen Situation gegenübersteht. Mein Fortgeschrittenentraining beinhaltet immer Messer und mehrere Angreifer, damit der Schüler gleich weiß, was funktionieren wird und was nicht. Dennoch trainiere ich alle Schüler darin, gut im unbewaffneten NHB-Kämpfen zu werden, und das Messerprogramm ist eine Erweiterung des unbewaffneten Kämpfens. Mein Messerprogramm kann angepaßt werden an Polizei- oder Zivilgebrauch oder für den militärischen Einsatz, kann mehrere Messer und Pistolen einbauen, die an bestimmten Bereichen des Körpers getragen werden für einen leichten Zugriff in ungünstigen und unbequemen Positionen.

Frage: Was ist heutzutage der größte Mangel in der Kampfkunstausbildung?

Joe: Ganz einfach. 1) Der Einsatz von unrealistischen Techniken und Trainingsmethoden. 2) Lehrer, die übermäßig kontrollierend sind und den Schülern nicht erlauben, für sich selbst zu denken und Erfahrung mit anderen Stilen und Ausbildern zu sammeln. 3) Lehrer, die nicht qualifiziert sind und nur des Geldes wegen unterrichten, was ihre Schüler und andere gefährden mag.

Frage: Wo befindet sich Deine Schule, und werden Deine Trainer Schulen in anderen Teilen des Landes öffnen?

Joe: Die Haupttrainingseinrichtung ist in Waltham in Massachusetts. Und ja, wir bilden Trainer sowohl in den Vereinigtren Staaten als auch auf weltweiter Basis aus.


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