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Interview mit Laci Szabo

Frage: Du wurdest in Paris geboren und bist dort aufgewachsen, richtig?

Laci: Ja, meine Mutter war Französin, und mein Vater war Ungar.

Frage: Du wolltest immer in die USA kommen. Warum?

Laci: Nun, das war mein Traum, und ich besuchte es und lebte für eine Zeit lang in Los Angeles, Dallas, Oklahoma, Oregon, Miami und San Francisco.

Frage: Dies war noch während Deiner Teenagerzeit?

Laci: Ja. Ich ging nach Frankreich zurück, um mein Abitur zu machen, kehrte aber danach nach Florida zurück.

Frage: Dort lebst Du auch heute noch.

Laci: Ja, aber nachdem ich nach Miami zurückkam, kehrte ich nochmals für ein Jahr lang nach Frankreich zurück, um in der Französischen Armee meinen Wehrdienst abzuleisten.

Frage: Warum hast Du das getan?

Laci: Es war sehr wichtig für meinen Großvater.

Frage: Aber als Du wieder zurückkamst, tratst Du den U.S. Marines bei?

Laci: Ja, der Golfkrieg hatte begonnen, und ich wollte Dienst leisten.

Frage: Wie war das Training? War es so hart, wie man sagt?

Laci: Ich kann sagen, daß, mit Ausnahme von Spezialeinheiten, die U.S. Marines das härteste Training auf der Welt bieten. Ich bin stolz darauf, ein ehemaliger Marine zu sein.

Frage: Hast Du irgendwelche besonderen Auszeichnungen oder Belobigungen erhalten?

Laci: Ja. Ich verließ die Marines als ein Ehrenabsolvent und wurde als zweitbester Schütze in meiner Kompanie eingestuft.

Frage: Begannst Du Dein Kampfkunsttraining bei den Marines oder danach?

Laci: Ja, wir hatten das LINE-Training, und irgendwie wußte ich, daß es da draußen mehr gab. Und ich hatte schon einige Sachen als Junge in Frankreich gemacht.

Frage: Was zum Beispiel?

Laci: Ich trainierte Judo als Kind und Karate als Jugendlicher. Ich mochte es nicht, insbesondere nicht die Katas. Sie sind eine Zeitverschwendung.

Frage: Also erfolgte Dein erster ernsthafter Ausflug in die Kampfkünste in Miami?

Laci: Ja. Ich trainierte zuerst American Kenpo, das ich noch immer für einen wertvollen Stil halte.

Frage: Hast Du zur gleichen Zeit in irgendwelchen anderen Stilen trainiert?

Laci: Oh, natürlich. Ich trainierte mit Russell Watson. Er war ein Weltklasse-Boxer/Kickboxer und brachte mir wirklich bei, wie man Sparring macht. Nach dem ich mit ihm gearbeitet habe, hatte ich keine Angst mehr davor, mit wem auch immer zu sparren! Ich trainierte außerdem Kali mit Dwight Woods (einer von Dan Inosantos Schülern). Und Muay Thai, sowohl in den USA als auch in Frankreich, in den Profi-Gyms, wann immer ich sie besuchte.

Frage: Du warst auch ein Mitglied von Bob Kaspers GHCA (Gung Ho Chuan Association)?

Laci: Ja, ich trainierte für etwa ein Jahr lang mit ihnen. Das war in den frühen 90er-Jahren.

Frage: Hattest Du auch Gelegenheit gehabt, mit Kelly McCann (alias Jim Grover) zu trainieren?

Laci: Oh ja. Ich ging zu dem, was sie “The Assault” nennen. Es ist ein viertägiges Treffen aller Mitglieder, bei dem wir unbewaffneten Kampf, Messer, Stock, Handfeuerwaffe, Gewehre und Scharfschützenfertigkeiten abdecken.

Frage: Kelly haben wir auch schon interviewt.

Laci: Ja, ich weiß. Ich war wirklich beeindruckt von ihm. Was Innovationen angeht, ist Kelly McCann der Bruce Lee unserer Generation.

Frage: Du stellst großartig aussehende Messer her. Bist Du schon immer am Messerdesign interessiert gewesen?

Laci: Ja, und meine erste Gelegenheit kam, als ich Ernest Mayer (von Black Cloud Knives) auf dem Riddle of Steel (James Keatings rauhes Trainingscamp in der Wildnis von Oregon) traf.

Frage: Erzähl uns etwas über das Camp.

Laci: Oh, es war cool. Du mußt für mehrere Stunden mit einem Boot fahren, und Du kommst zu diesem Lagerplatz und trainierst den ganzen Tag lang, für vier Tage. Jim Keating ist großartig, ein guter Lehrer und guter Mensch. Ich habe viel gelernt. Tatsächlich bin ich bei zehn Riddle of Steel-Veranstaltungen gewesen.

Frage: Jemand hat mir gesagt, daß Du Hunderte von Messern verkauft hast. Irgendwelche bekannten Kunden darunter?

Laci: Sicher. Besitzer meiner Messer schließen Dan Inosanto, Scott Glenn (der Schauspieler), Mickey Rourke, Duane Johnson (“The Rock”), Tcheky Karyo und meine guten Freunde James Keating, Kelly McCann, Jerry Van Cook und viele weitere ein.

Frage: Du bist auch zur NYU (New York University) gegangen, genauso wie ich. Was hast Du studiert?

Laci: Ich nahm ihr Filmemacher-Programm auf.

Frage: Wann war das?

Laci: Das war in den frühen 90er-Jahren. Ich war auch Mitglied der Wacheinheit-Gruppe der NYU.

Frage: New York ist damals in jenen Tagen nicht sicher gewesen.

Laci: Ja.

Frage: Ich erinnere mich daran, letzten Oktober in Paris angekommen zu sein, um Fred Perrin zu interviewen, und Du verließt ihn am selben Tag. Wie bist Du mit ihm zusammengekommen?

Laci: Oh, ich traf ihn auf der Atlanta Knife Show. Er hatte wirklich großartige Produkte, und wir verstanden uns gut.

Frage: Abgesehen vom Entwerfen von Messern und der Beschäftigung mit den Kampfkünsten bist Du außerdem auch noch ein Taucher, ein Pilot und ein Fallschirmspringer?

Laci: Ja. Seit 1991 bin ich ein Tauchmeister mit einer Spezialisierung in Nachttauchen sowie in Apnoe-Tauchen (Freitauchen mit Luftanhalten) unter der Anleitung von J.J. Mayol. Ich habe einen Flugschein als Geschäfts- und einen als Privatpilot für ein- und mehrmotorige Land- und Seeflugzeuge. Ich arbeite außerdem an meiner Kategorie “D”-Lizenz für das Fallschirmspringen.

Frage: Und Du bist auch ein Wettkämpfer beim Schießen. Was sind Deine erinnerungswürdigsten Leistungen?

Laci: Ich erreichte 2002 den 3. Platz bei den Winston P. Wilson-Meisterschaften in Camp Robinson in Arkansas, und ich plazierte mich als erster (im Einzel und in Mannschaften) beim Combatschießen mit Pistole für den Bundesstaat Florida.

Frage: Du sagtest mir, daß Du noch immer in der Army bist, richtig?

Laci: Nun, ich habe mich nach dem 11. September erneut verpflichtet.

Frage: Du hast eine sehr eigenwillige Reihe von Messern. Welche Philosophie steckt hinter ihnen?

Laci: Seit der Geburt des Messers sind die einzigen Verbesserungen die Materialien gewesen, ohne Zugeständnisse an die menschliche Ergonomie zu machen. Irgendein Messer zu halten und dann einer Linie zu folgen vom Unterarm über das Handgelenk zur Hand, ergibt eine gerade Linie. Aber wenn die Hand geschlossen ist (und nicht nach vorne gebeugt ist), positioniert das Messer sich selbst rechtwinklig zum Arm. Daher hat sich das Messer im allgemeinen ergonomisch nicht weiterentwickelt, weil es nicht notwendig gewesen ist. Selbst das Khukri hat einen geraden Griff und eine abgewinkelte Klinge.

Frage: Also hast Du das UUK entwickelt, um diese offenen ergonomischen Punkte anzusprechen?

Laci: Ja, ich entwickelte in meinem UUK etwas, von dem ich glaube, daß es das erste ergonomische Design ist. Die Inspiration waren der Faustdolch und das Tomahawk. Das erste davon wurde in den frühen 90er-Jahren entwickelt, und seit dieser Zeit habe ich Hunderte davon verkauft. Du kannst mit ihm sowohl Schneiden als auch Stechen. Es ist das einzige Messer auf dem Markt, bei dem Du nichts an Reichweite verlierst, selbst wenn Du es in einem umgekehrten Griff (Eispickelgriff) hältst.

Frage: Welchen Stahl verwendest Du?

Laci: Der Originalstahl war ATS-34, aber die neueren Modelle werden aus 5160 hergestellt.

Frage: Ziehst Du rostfreien Stahl oder Kohlenstoffstahl vor?

Laci: Meine Überlegungen über Messerstahl sind die, daß Du wirklich keinen rostfreien Stahl benötigst, falls Du in einer Stadt wohnst. Ich ziehe tatsächlich Kohlenstoffstahl vor in Bezug auf Stärke, Aufschlag und Elastizität. Falls Du allerdings eine Menge an Zeit in den Wäldern oder nahe der Küste verbringst, ist rostfreier Stahl die einzige Wahl. In jeder feuchten Umgebung greift Rost zuerst die Schneide an. Dies ist etwas, das Du nicht haben möchtest.

Frage: Deine Messer sehen sehr furchterregend aus. Sie sehen wie Kampfmesser aus.

Laci: Alle meine Messer spiegeln einen sehr speziellen Zweck wider. Der ist das Kämpfen. Vom UUK über das Fugu bis zum militärischen Kerambit, dem Battle Sickle und weiteren spiegeln sie meine Gedanken über Kampfmesser wider.

Frage: Welches sind Deine bevorzugten Serienmesser?

Laci: Cold Steels OSS (das wir auch im Angebot haben), Spydercos Chinook und die von Fred Perrin.

Frage: Ich erinnere mich, daß Du insbesondere die “Tanto”-Klinge nicht magst. Warum ist das so?

Laci: Nun, das Design ist tatsächlich überholt. Es war ursprünglich auf diese Art und Weise entwickelt worden, um Rüstungen zu durchdringen. Wir brauchen keine Rüstungen mehr zu durchstechen. Auch sind die heutigen Stähle um so vieles besser als der japanische Stahl des 16. Jahrhunderts.

Frage: Aus irgendeinem Grund ist die Öffentlichkeit im “Tantofieber” gefangen.

Laci: Ja, weil es cool aussieht. Aber es ist sehr einfach herzustellen, und Du kannst es für viel mehr verkaufen, weil die Öffentlichkeit es nicht weiß. Ich ziehe ihm eine nach oben gebogene Klinge mit einem Clipperbug, wie bei einem Bowie, jederzeit vor.

Frage: Du hast auch erwähnt, daß man sich auf Klappmesser für das Kämpfen im allgemeinen nicht verlassen sollte.

Laci: Ja. Nun, ursprünglich wurden sie als zweckdienliche Arbeitsmesser entworfen, die Du in Deiner Tasche tragen konntest.

Frage: Einige der neueren Klappmesser haben Verriegelungen und Sicherheitssysteme, um ein Schließen unter Belastung zu verhindern.

Laci: Ja, aber es sind da eine ganze Schar an beweglichen Teilen mit einbezogen. Kein Klappmesser wird jemals so sicher und zuverlässig sein wie eine feststehende Klinge.

Frage: Laß uns über den Messerkampf sprechen. Hast Du jemals irgendwelche direkten realen Erfahrungen gesammelt?

Laci: Ja, mehrere Male, während ich aufwuchs, und auf meinen Reisen bin ich mehreren Leuten begegnet, die ein Messer gegen mich gezogen haben und gegen die ich mich selbst zu verteidigen hatte.

Frage: Was bringt Dich beim Messerkampf am meisten auf die Palme?

Laci: Mein größtes Ärgernis ist, wenn Leute unterrichten/zeigen, ihren freien Arm vorne zu halten (um den ersten Schnitt hinzunehmen).

Frage: Das ist nicht all zu schlau.

Laci: Ja, aber die Leute machen es die ganze Zeit!

Frage: Woher stammt dies?

Laci: Das ist ein Überbleibsel von den alten mexikanischen Stilen, bei denen sie ihren freien Arm anboten. Aber in diesem Fall wickelten sie ihren Arm in ihren Poncho ein (der ungefähr so dick ist wie ein Teppich). Das Problem heutzutage ist, daß einige Leute den freien Arm ohne irgendeinen Schutz ausstrecken...das ist lächerlich!

Frage: Ich denke, dieser Stil wurde einstmals in der Army unterrichtet.

Laci: Ja, aber das bedeutet nicht, daß er korrekt ist.

Frage: Was sind einige der anderen nervenden Punkte beim Messerkampf?

Laci: Zu versuchen, mit Deiner Klinge mit Kraft hineinzudrängen. Es hat noch nie funktioniert. Und das Kämpfen mit dem umgekehrten Griff auf lange Distanz. Es macht einfach keinen Sinn.

Frage: Welcher Anteil beim Messerkampf ist Fertigkeit, und welcher Anteil ist Glück?

Laci: Meiner Meinung nach ist JEDER KAMPF zu 50 Prozent Glück, unabhängig davon, wer Du bist. Es hängt auch von dem Einzelnen ab.

Frage: In New York hast Du das Prinzip der Blase vorgestellt. Kannst Du dies etwas näher ausführen?

Laci: Du bist im Mittelpunkt einer imaginären, schützenden Kugel. Die Grenze dieser Blase ist etwa die Länge Deines ausgestreckten Unterarms (wenn er parallel zum Boden ist). Wenn Du Dich vorwärts bewegst, bewegt sich die Blase mit Dir, genauso wie sie es tut, wenn Du Dich nach hinten bewegst. Das wichtige Konzept, an das Du Dich erinnern mußt, ist, daß Du Nichts erlauben kannst, in Deine Blase hineinzukommen. Mit anderen Worten: Du mußt zu allen Zeiten einen sicheren Abstand zu Deinem Angreifer halten. Du bist sicher innerhalb der Blase, aber verwundbar, wenn Du sie verläßt. Das Messer, die Hände und die Füße können sie zeitweise verlassen, müssen aber nach innen zurückkommen, um zu verteidigen.

Frage: Welches sind einige andere gute Tips zum Messerkampf?

Laci: Bleib im Messerkampf in der Defensive. Laß ihn angreifen, und dann konter. Gehe nicht in die Offensive, falls es möglich ist, solange es keinen guten Grund dafür gibt (falls die Fertigkeiten gleich hoch sind). Falls Du verteidigst, schneidest, reißt mit der Spitze auf und stichst Du. Falls Du verwundet wirst, greife an mit geschnappten Schnitten zu den Fingern und Händen. Durchlöchernde Wunden sind da auch großartig. Der Gegner beginnt, in einen Schockzustand zu geraten, Blut ist schlüpfrig, und er mag seine Waffe verlieren. Verwende Schnitte mit der Rückseite der Klinge beim Zurückziehen. Wellenschliffe und Sägezahnung sind auch gut für geschnappte Schnitte.

Frage: Du magst es also, in einer Situation von Messer gegen Messer die Waffe vorne zu plazieren?

Laci: Ja. Die Waffe beschützt Dich. Bring sie nach vorne. Gegen eine flexible (stumpfe) Waffe setze das Messer aus der hinteren Position heraus ein. Fang die Waffe ab (Du magst dabei einen Schlag einstecken), verringere die Distanz und bring Dein Messer ins Spiel.

Frage: Du hast erwähnt, daß der Fluch der meisten Messerkämpfer das Telegraphieren ist. Wie trainierst Du dafür, um dies zu reduzieren?

Laci: Es gibt spezielle Übungen, die Du machen kannst, um die Tendenz zum Telegraphieren zu verringern. Laß einen Trainingspartner Deinen Arm vorwärts und rückwärts ausstrecken, halte den Arm locker, bis Du dies alleine tun kannst, ohne zu telegraphieren. Denke daran, den Arm zuerst auszustrecken, bevor Du den Rest des Körpers drehst. Eine weitere Methode ist, lange Gummikabel an einem unbeweglichen Gegenstand anzugreifen. Zieh die Kabel aus und erlaube Deinem Arm, dem Kabel zu folgen, wenn es zu seinem zusammengezogenen Zustand zurückkehrt.

Frage: Wie bringst Du einem Schüler bei, sich während des Trainings richtig zu bewegen?

Laci: Nun, falls der Typ ein hoffnungsloser Fall ist, bring ein wenig Scheiße an einem kleinen Stock an und versuch ihn damit zu berühren. Ich garantiere dafür, daß er anfangen wird, sich wie ein Messerkämpfer zu bewegen.

Frage: Letzte Anmerkungen?

Laci: Unterschätze niemals Deinen Gegner. Jemand, der von nichts eine Ahnung hat, kann Dich töten.


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Waffen:

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