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Interview mit Richard Dimitri

Frage: Was ist für Dich das größte Hindernis beim Aufbau und der Aufrechterhaltung Deines Geschäfts in Vollzeit gewesen?

Richard: Am Anfang war es mein mangelndes Geschäftswissen. Ich bin hauptsächlich ein Kämpfer und Lehrer, aber definitiv kein Geschäftsmann. Ich hatte keine Ahnung, was zu tun ist, um Leute hinein zu bringen, wie man Werbung macht, wie ich mein System vermarkte usw. Ich wußte nicht, was man mit einem Computer macht, ganz zu schweigen davon, wie man das Ding einschaltet.
Als die Dinge voranschritten, war ich gesegnet mit bestimmten großartigen Menschen in meinem Leben, die an das glaubten, was ich machte und die an mich glaubten. Einer von ihnen war ein bereits extrem erfolgreicher Geschäftsmann, der mir dabei half, meine gesamte Firma umzustrukturieren. Er brachte mir so viel über das Geschäft bei, mehr als es jemals eine Universität oder Schule hätte tun können, weil es auf praktischen Erfahrung basierte und nicht auf Büchern oder den Sichtweisen eines Individuums darüber, was erforderlich ist, um erfolgreich ein Geschäft zu führen.
Ich kam vom nahezu Konkursanmelden 1997 (3 Jahre, nach dem ich geöffnet hatte) dazu, in weniger als zwei Jahren meine Schülerzahlen nahezu zu vervierfachen und meine Schule zu erweitern. Das System oder mein Unterrichten waren niemals das Problem gewesen.
Nach dem mein Freund mich beim Unterrichten eines kostenlosen Seminars mit mehr als 80 Frauen (wegen eines Vergewaltigers, der zu der Zeit die Frauen in Montreal jagte) beobachtet hatte, sah, was ich machte und war verblüfft von meiner Geduld und meinen Fähigkeiten (seine Worte, nicht meine). Er sagte, daß ich auf einer Goldmine sitze und daß wir diese unbezahlbaren Informationen nach da draußen bringen mußten. Zur damaligen Zeit hatte ich keine Webseite, keine Lehrvideos, keine Bücher, nichts auf Papier.
Er setzte sich mit mir hin, Abend für Abend, und durchkramte mein Hirn, brachte alles mit mir zu Papier (wir produzierten wie am Fließband ein halbes Dutzend an dicken Ordnern, gefüllt mit beidseitig beschriebenen Blättern mit Mitschriften). Dann dachten wir uns einen Geschäftsplan aus mit einem 5-Jahres Progressionsdiagramm. Alles, was wir uns bis zum heutigen Tage zu tun vornahmen, taten wir. Wenn er nicht gewesen wäre (und ebenso ein paar andere), würde ich nicht dort sein, wo ich heute bin.

Frage: Erzähle mir etwas über Deine derzeitige Schülerzusammensetzung. Wie viele örtliche Schüler hast Du, wie viele Fernschüler, wie viele Ausbilder usw.?

Richard: Unsere Schülerzusammensetzung ist so verschiedenartig. Vor Ort habe ich über 300 Schüler, die vom Alter her von 13 bis 80 Jahre reichen. Menschen aus allen Lebensbereichen, Studenten von der Universität, Geschäftsleute, Anwälte, Polizisten, Krankenschwestern, Schauspieler, Stuntmänner/-frauen, was auch immer.
Ich würde Fernschüler klassifizieren als Leute, die nicht bloß unser Lehrmaterial gekauft haben, sondern die auch entweder durch eine Reise hierher mit mir persönlich trainiert haben oder die mit mir über Telefon und E-Mail korrespondieren durch Anleitungen auf “virtuellem” oder “Video”-Niveau. Basierend auf dieser Beschreibung würde ich sagen, daß es da draußen vielleicht so um die 50 bis 100 Korrespondenzschüler weltweit gibt (einschließlich in Ländern wie Brasilien, Grönland, China, Kuwait, Dubai, den Vereinigten Staaten, England, Deutschland, Griechenland und Irland – ich mag vielleicht ein oder zwei Länder vergessen haben).
Ich betrachte Leute, die ein paar wenige oder aber auch einen ganzen Haufen meiner DVDs gekauft haben, nicht als Fernschüler. Falls das der Fall wäre, würde ich Tausende von ihnen haben, denn wir verkaufen über 150 bis 200 Lehr-DVDs weltweit pro Monat.
Was die Ausbilder angeht, so haben wir hier bei uns vor Ort in Montreal derzeit 9 zertifizierte Senshido-Ausbilder, die sowohl an der Senshido-Schule als auch rund herum in der Stadt an verschiedenen Universitäten und Colleges unterrichten.

Frage: Falls Du Ratschläge für Kampfkunstlehrer anbieten könntest, die ihnen helfen würden in ihren Geschäftsbeziehungen, welche würden es sein?

Richard: Das ist schwer zu sagen, weil es von der Art ihres Geschäfts abhängt. Ist es eine strikt örtliche Angelegenheit (eine Schule mit Schülern vor Ort), welche Sorte von Schülern haben sie, welche Altersgruppen sind vorherrschend, welchen Stil oder welches System unterrichten sie usw.? Oder ist es ein internationales Geschäft, bei dem sie herumreisen und Seminare abhalten, weltweit Lehrmaterial verkaufen usw.?
Mein bester Ratschlag ist, einfach direkt vom Herzen her zu unterrichten. Tu es, weil Du Dich um Deine Klienten, Schüler und Mitmenschen im allgemeinen kümmerst. Es ist nichts Falsches daran, ein gutes oder vielleicht sogar großartiges Leben daraus zu machen, aber laß das nicht Deine hauptsächliche Motivationsinspiration sein. Laß es vom Herzen kommen. Mach es nicht, um Dein Selbstwertgefühl zu bestätigen, um Dein Ego zu steigern, um Dir einen Namen zu machen. Mach es echt.
Es gibt so viele Leute da draußen, die darüber herummeckern und herumjammern, wer was zuerst angefangen hat, wer mit wem trainiert hat, wer was zuerst unterrichtet hat, wer wen betrogen hat, Hierarchien, Sifus, Gurus usw., daß sie das aus den Augen verloren haben, was wichtig ist: Warum sie dies überhaupt machen.
Am Ende geht es darum, sich zu verbessern und Menschenleben zu retten. Falls Du leidenschaftlich bist, wirst Du erfolgreich sein und gleichartige und ähnlich denkende Leute anziehen, die Deine Leidenschaft mit Dir teilen.

Frage: Du sagst: “Am Ende geht es darum, sich zu verbessern und Menschenleben zu retten.” Denkst Du, daß das “Menschenlebenretten” in allen Kampfkunstschulen hervorgehoben werden sollte?

Richard: Nein, nicht unbedingt. Meine Beschwerde richtet sich an diejenigen, die es predigen, aber es nicht praktizieren. Falls Du eine Kampfkunst unterrichtest, die Traditionen und derartiges beinhaltest, stelle ihre Nutzen wie Disziplin, geistiger Frieden, Streßabbau, Gesundheit, Meisterung Deiner Selbst usw. dar, aber füge nicht auch noch “Selbstverteidigung” zu dieser Mischung hinzu.
Beispielsweise liegt unser Hauptaugenmerk auf der Erhöhung der Überlebensfähigkeit. Falls jemand in meine Schule hineinspaziert und erklärt, daß er eines Tages in der UFC Wettkämpfe bestreiten möchte, schicke ich ihn zu einer für seine Bedürfnisse besser passenden Schule. Falls jemand nach Tradition, Formen und artistischem Waffenumgang Ausschau hält, schicke ich ihn zur nächstliegenden und am besten passenden Schule dafür. Die örtliche Karate-/Taekwondo-/Mixed Martial Arts-Schule weiter unten entlang der Straße wird allerdings niemanden, der in ihr Geschäft hineinspaziert und nach Selbstschutzfertigkeiten für sich und seine Familie Ausschau hält, in meine Richtung wegschicken. Ihr Ego wird es ihnen einfach nicht erlauben.
Halte Dich an das, was Du weißt. Arbeite an dem, in dem Du gut bist. Vermarkte Dich selbst dementsprechend. Falls das Unterrichten der Selbstverteidigung für jemand eine Angelegenheit ist, dessen System es aber nicht angemessen abdeckt, dann finde jemand, der es tut und lerne von ihm, um diesen neuen Aspekt zu Deinem derzeitigen Lehrplan hinzuzufügen. Lüge nicht so verdammt unverschämt darüber. Du spielst mit den Leben von Menschen. Es ist ganz einfach gesellschaftlich unverantwortlich.

Frage: Im Zusammenhang mit den sogenannten “Reality Based”-Systemen hast Du den Vergleich aufgestellt über den Unterschied darin, zu einem Chirurgen zu gehen, der viele Operationen erfolgreich durchgeführt hat und zu einem zu gehen, der gerade sein Medizinstudium abgeschlossen hat. Mit anderen Worten: Du empfiehlst, zu einem “realitätsbasierenden” Ausbilder zu gehen, der die Fertigkeiten, die er unterrichtet, auch hat anwenden müssen? Könntest Du Deine Gründe dafür erklären?

Richard: Es gibt da eine Redewendung, die geht so: “Frage den Erfahrenen, nicht den Studierten.” Ich neige dazu, dem zuzustimmen.
Jungfrauen, die Sex unterrichten, bringen es meiner Meinung nach nicht. Es gibt da einen großen Unterschied zwischen einem Gummimesser und einem echten Messer. Du möchtest über das Überleben eines Messerkampfes predigen, hattest jedoch selbst noch niemals einen zu überleben? Du möchtest jemand über die Auswirkungen von Adrenalin, Streß und Angst, wenn sie sich drei Pennern gegenübersehen, die entschlossen dazu sind, Dich in Stücke zu reißen, unterrichten, hast jedoch selbst niemals diese Emotionen oder körperlichen Veränderungen im Angesicht der Gewalt erfahren?
Wirklich? Und was qualifiziert Dich dann dazu? Die Bücher, die Du gelesen hast oder die DVDs, die Du studiert hast? Okay, also nach dieser Logik kann jemand einen Doktorabschluß bekommen, in dem er ein paar Lehrbücher liest und ein paar Lehrfilme anschaut und ist nun nicht nur bereit dafür, eine Gehirnchirurgie durchzuführen, sondern er ist auch noch voll in der Lage, jeden dahingehend zu unterrichten, es auch genauso zu tun, richtig?
Falls Du allerdings unter jemandem studierst, der erfolgreich Gehirnchirurgie durchgeführt hat und Du selbst durch den Prozess durchgegangen bist, dann qualifiziert Dich das viel eher dazu als den Typen, der es nicht gemacht hat. Das soll nicht bedeuten, daß ein jeder, der die Selbstverteidigung zu unterrichten wünscht, nach da draußen gehen und in Kämpfe geraten sollte. Ganz und gar nicht. Es gibt jedoch ein paar auf der Realität basierende Typen da draußen, die bereits die Drecksarbeit erledigt haben. Laß Dein Ego außen vor und geh los, um mit ihnen zu trainieren. Sie haben die Arbeit gemacht, sie sind dort gewesen und haben dies und jenes getan, damit Du es nicht zu tun brauchst. Du kannst von ihrer Erfahrung lernen und basierend auf dem unterrichten, was Du von ihnen gelernt hast.
Und noch einmal: Halte Dich an das, was Du weißt. Ein paar No-Holds-Barred-Kämpfe (Kämpfe mit wenigen einschränkenden Regeln) zu gewinnen macht Dich nicht zu einem Fachmann für Selbstverteidigung. Es macht Dich zu einem Fachmann im NHB-Kämpfen. Die Arena ist unterschiedlich. Die Geisteshaltung ist unterschiedlich. Bloß weil ich einen Autoführerschein habe bedeutet das noch lange nicht, daß ich ein Flugzeug fliegen kann.
Es ist äußerst wichtig zu verstehen, daß in einem echten Kampf drei Elemente fehlen, die für immer in einer sportlichen Veranstaltung wie beispielsweise sowohl in einem Mixed Martial Arts-Turnier als auch im Training (Sparring) vorhanden sind. Diese drei Elemente sind:
Übereinstimmung: Das Einverständnis und Loslegen von zwei Parteien darüber, daß sie sich an diesem Tag dazu verpflichtet haben, zu “kämpfen”, zu trainieren, zu sparren usw.
Bewußtheit: Beide Parteien sind dort aus freien Stücken und aufgrund vorheriger Übereinstimmung.
Vorbereitung: Beide Parteien sind aufgrund von Übereinstimmung und Bewußtheit auf das Ereignis vorbereitet und sind es schon seit Stunden, Tagen, Wochen oder sogar Monaten vorher.
Auf der Straße verfügst Du nicht über den Luxus von einem dieser drei Elemente. Falls Du es tust, dann laß uns von Anfang an klar darüber sein, daß es überhaupt keine Selbstschutz- oder Notwehrsituation mehr ist. Du hast irgendwie an der Eskalation der Konfrontation teilgehabt.

Frage: Ich bin froh zu hören, daß Du sagst, daß es nicht bedeutet, daß Du losgehen und in Kämpfe geraten mußt, um Selbstverteidigung zu unterrichten. Du fingst schon an, mich zu beunruhigen.
Es gibt da einen großen Unterschied zwischen Gehirnchirurgie und Selbstverteidigung. Der Chirurg, der tausend Operationen durchgeführt hat, wird als ein Profi angesehen. Der Selbstverteidigungsausbilder, der in tausend Kämpfen gewesen ist, wird als ein Schläger angesehen. D.h. solange es nicht in einer beruflichen Funktion ausgeübt wurde.
In wie vielen Auseinandersetzungen bist Du gewesen, Richard? Und in welcher Funktion? Du kommst mir nicht so wie ein “Schlägertyp” vor.

Richard: Ich kann nicht wirklich sagen, wie viele es genau waren, aber über ein Dutzend. Einige schlossen bewaffnete Angreifer ein, einige schlossen mehrere Angreifer ein und einige schlossen mehrere bewaffnete Angreifer ein.
Ich bin wirklich überhaupt kein Schläger. Die Konfrontationen, in denen ich gewesen bin, entstanden größtenteils auf Grund meines Arbeitsbereichs (verdeckt arbeitender Sicherheitsmitarbeiter, Rausschmeisser, Bodyguard), und diejenigen, die nicht die Arbeit einschlossen, schlossen meine Hilfe für Leute ein, die angegriffen worden sind.
Beispielsweise kam ich vor vier Jahren im Sommer an eine Kreuzung, ungefähr 2 Minuten von meiner Wohnung entfernt, als ich zwei Frauen sah, die die Straße überquerten. Eine der Frauen war ziemlich betrunken, und ihre Freundin half hier gerade hoch und ging mit ihr (nehme ich an) nach Hause.
Als sie die Straße überquerten, kam ein Auto mit zwei Kerlen (ungefähr Mitte 20) vorbeigefahren und bremste ab. Ich sah (meine Fenster waren geschlossen, weil ich die Klimaanlage in meinem Wagen eingeschaltet hatte), wie die Typen den Frauen irgend etwas durchs Fenster zuriefen und zu lachen anfingen. Das betrunkene Mädchen drehte sich um, und ich sah ihren Mund unmißverständlich die Worte “Fickt Euch!” zu den beiden Typen sagen. Die Typen erwiderten etwas zurück, und das betrunkene Mädchen antwortete, in dem sie ihnen den Mittelfinger zeigte.
Der Fahrer des Wagens stieg aus und stürmte auf die zwei Frauen zu. Er ging herüber und schubste die betrunkene Frau.
Das war der Punkt, an dem ich aus meinem Wagen ausstieg. Ich eilte schnell zu ihnen herüber und stellte mich zwischen die beiden. Ich sagte dem Typ, daß es in Ordnung ist und daß das Mädchen zu viel getrunken hatte und sie das, was sie gesagt oder getan hatte, nicht so meinte. Die Freundin der betrunkenen Frau bestätigte meine Worte, als sie begannen, von der Szene wegzugehen.
Der Typ drehte sich zu mir und sagte mir, ich solle mich verpissen und daß es nicht meine Angelegenheit sei. Ich sagte ihm, es täte mir leid, daß dies außer Kontrolle geriet, und das wir beide einfach nach Hause fahren sollten, da es schon spät ist.
Der Typ schubst mich und sagt mir, daß ich nun seine volle Aufmerksamkeit habe. Ich bringe sofort meine Hände nach oben und nehme eine passive Stellung ein. Ich sage ihm, daß es dies nicht wert ist und daß es mir leid tut, was auch immer ich getan habe, und er entschließt sich dazu, ein Messer herauszuziehen. Sein Freund steigt dann aus dem Auto aus und kommt auf uns zu. Die Frauen sind jetzt in sicherem Abstand entfernt und beobachten uns, gemeinsam mit einigen anderen Zuschauern und einem Taxifahrer, der an seinem Taxistand in seinem Taxi sitzt.
Natürlich unternimmt niemand etwas deswegen. Ich bin der einzige Idiot, der sich ausrechnet, daß ich bei jemand anderem, der Ärger hat, einschreiten sollte. Der Typ versucht einen Schnitt, dem ich ausweiche, und er kommt wieder mit einem Rückhandschnitt. Ich blockiere seinen Arm und fange ihn ein, mache dann den “Shredder” bei ihm, der ihn ausreichend desorientiert, damit ich ihn entwaffnen kann und sein Messer ergreife. Von hier aus steche ich dem Typ sein eigenes Messer in seinen Oberschenkel.
Er fällt zu Boden und schreit vor Schmerzen. Sein Freund steht da, vollkommen unsicher darüber, was zu tun ist. Er scheint darüber nachzusinnen, ob er entweder das vollendet, was sein Freund begonnen hat oder sich um ihn zu kümmern. Während er sich in diesem Zustand der Selbstfindung befand, entschloß ich mich dazu, daß es an der Zeit war, mich aus dem Staub zu machen. Ich ging zu meinem Wagen und fuhr heim.
Dinge wie diese ereignen sich regelmäßig. Ich stoppte einen Typ, der ein 11 oder 12 Jahre altes Mädchen in einer U-Bahn belästigte, was ihn dazu brachte, ein Messer gegen mich zu ziehen.
Ich schritt ein, als ein “Verrückter” während eines gewaltigen Handgemenges außerhalb einer Bar ziemlich heftig auf eine Frau einschlug.
Ich bin auch zweimal ausgeraubt worden. Einmal mit vorgehaltener Schußwaffe, und einmal mit vorgehaltenem Messer.
Also nein, ich bin kein Schläger, und ich habe in meinem ganzen Leben noch nie einen einzigen Kampf angefangen.
Demgegenüber habe ich dreimal mehr potentielle Kämpfe entschärft als die tatsächlichen Auseinandersetzungen, in die ich geraten bin.

Frage: Empfiehlst Du, daß Leute in Situationen, wie Du sie eben beschrieben hast, einschreiten?

Richard: Das ist eine schwierige Frage. Es gibt dabei viel zu viele Variablen, die für mich in Betracht zu ziehen sind, um Dir ein komfortables Ja oder Nein als Antwort zu geben. Das würde unverantwortlich sein.
Es genügt wohl festzustellen, daß es ein Teil meiner Persönlichkeit ist, daß ich mich sehr wohl fühle mit einem Fertigkeitsniveau, daß ich intuitiv handle, basierend auf den Umständen in dem Augenblick und dabei mehrere Dinge schnell in Betracht ziehe. Es liegt an jedem Einzelnen, diese Entscheidung für sich zu treffen. Ignoriere dabei allerdings auch nicht die Situation.
Das Mindeste, was Du tun kannst, ist, einen Anruf zu tätigen, Aufmerksamkeit zu erregen oder Autoritäten herbeizuholen. Aber gar nichts zu tun und einfach wegzugehen ist meiner Meinung nach genauso schlimm als ob Du die Tat selbst begehst.

Frage: Was denkst Du über den Einsatz von Handfeuerwaffen? Bist Du dafür oder dagegen?

Richard: Ich bin ganz für Handfeuerwaffen, solange der Einzelne und seine Familie (diejenigen, die mit ihm zusammenleben) in diesem Thema gut geschult sind.
Es ist meine Überzeugung, daß diejenigen, die eine Genehmigung zum Kauf und Besitz einer Handfeuerwaffe haben, eine solche von Rechts wegen her haben sollten, und alle, die im selben Haushalt leben, sollten an einem Kursus/Lehrgang teilnehmen, der ihnen den richtigen Umgang, Sicherheit und Vorsichtsmaßnahmen, Heimsicherheit usw. mit einer Handfeuerwaffe beibringen wird, um die sinnlosen tödlichen Unfälle zu verringern, die sich in Haushalten quer durch Nordamerika ereignen.
Du kannst einwenden, daß Menschen auch bei Autounfällen usw. sterben, wobei ich zustimme, daß es wahr ist. Warum aber zum Teufel noch mehr dazu hinzufügen, in dem man unausgebildet und unverantwortlich mit einer tödlichen Waffe im Haus ist?

Frage: Gibt es irgendwelche Bücher auf dem Markt – abgesehen von Deinen eigenen –, die Du den Leuten empfiehlst? Wie ist es mit The Gift of Fear oder Strong on Defense?

Richard: Oh ja, viele schließen die beiden ein, die Du gerade erwähntest. Ich empfehle Sammy Francos Bücher aufs höchste; sie sind unter den besten, die es da draußen gibt. Ebenfalls Geoff Thompson. Ein sehr unterschiedlicher Stil von Francos, aber ebenfalls hervorragend.
Ich mag auch Marc MacYoungs Bücher, insbesondere seine frühen Werke. Ich empfehle außerdem James LaFonds Logic of Steel und The Art of Profiling von Dan Korem.
Andere Autoren, die ich mag, die nicht unbedingt mit “Selbstverteidigung” als solches zu tun haben, aber von denen viel, worüber sie predigen, anpaßbar an die realitätsnahe Verteidigung ist, sind Dan Millman, Anthony Robbins und Deepal Chopra.
Inspirierend, gelinde gesagt.

Frage: Behandelst Du die Frauen-Selbstverteidigung irgendwie anders als die für Männer?

Richard: Nicht sehr unterschiedlich. Der einzige Unterschied liegt in dem Grund für die Angriffe und die tatsächlichen Benehmensaspekte des in Frage stehenden Angriffes.
Auf das Verhalten angesprochen, wird ein Mann eine Frau mit viel mehr Selbstbewußtsein und weniger Lustlosigkeit angreifen als wenn er einen anderen Mann angreift. Die Natur des Angriffs wird sich unterscheiden, aber der Gegenschlag wird es nicht.

Frage: Trainiert Deine Frau mit Dir?

Richard: Ja, das tut sie. Tatsächlich habe ich sie vor 7 Jahren auf diese Art kennengelernt, durch den Unterricht.

Frage: Du hast gesagt, daß Dein Grapplingunterricht aus Brazilian Jiu-Jitsu und Catch-as-Catch Can Wrestling besteht. Warum diese beiden Künste?

Richard: Ganz einfach deshalb, weil ich sie gegenüber den anderen Formen des “Grapplings” schlechthin als überlegen finde.
Ich hatte das Glück, mit Profi-Wrestler Ian “Vampiro” Hodgkinson, der ein hervorragender Grappler ist, zu trainieren und von ihm zu lernen.
Ich wurde außerdem durch den ehemaligen Grappling Arts Academy (jetzt Bravado Jiu Jitsu)-Gründer Sylvain Moroney zertifiziert.

Frage: Zertifiziert in was genau? Als Ausbilder für Brazilian Jiu-Jitsu?

Richard: Nein, nicht in Brazilian Jiu-Jitsu. Ich wurde zertifiziert in “Grappling Arts Academy” als Schwarzgurt und Ausbilder, was zur damaligen Zeit ein auf BJJ basierendes Grapplingsystem war.
Der Gründer war ein kanadischer Jiu Jitsu-Goldmedailliengewinner, und ich trainierte privat mit ihm für ein paar Jahre dafür, um meinen Schwarzgurt zu erlangen. Ich trainierte mit ihm, um mein Bodenspiel zu verbessern, weil zur damaligen Zeit (1994) das einzige, über das ich als Grapplinggrundlage verfügte, das Griechisch-Römische Ringen war.

Frage: Warum verwendest Du sportliche Kampfkünste wie BJJ, Ringen, Boxen, MMA usw., um Dir beim Training für die “Realität” zu helfen?

Richard: Großartige Frage. Weil es das Überleben des Einzelnen verbessert. Es gibt 5 Entfernungen, in denen sich ein Kampf ereignen kann, und für gewöhnlich wird es während des Kampfes von einer zur anderen übergehen: Treten, Boxen, Nahkampf, Grappling und Bodenkampf (ich unterteile Grappling und Bodenkampf, weil Du im Stehen Ringen kannst).
So wie ich es sehe, gibt es da zwei Arten von Kämpfern (falls ich mir hier für einen Moment ein Zitat aus Rocky 3 ausleihen darf): Diejenigen, die großartig kämpfen, und diejenigen, die großartige Kämpfer sind.
Du mußt kein “großartiger Kämpfer” sein, um eine möglicherweise gewalttätige Konfrontation zu überleben. Ich habe Frauen gehabt, die nichts anderes als ein 6-stündiges Seminar mit mir gemacht haben und niemals zuvor oder nie wieder nach dem Seminar trainiert haben, und die sich selbst erfolgreich verteidigt haben gegen gewalttätige, bewaffnete Angreifer, noch Monate, nach dem sie an dem Seminar teilgenommen hatten.
Sie brauchten keine “großartigen Kämpfer” zu sein oder an den athletischen oder kämpferischen Aspekten des Systems zu arbeiten.
Diejenigen, die wünschen, ihr Training weiter zu verfolgen und die wünschen, den Übergang zu machen zwischen jemand, der “großartig kämpft” und jemand, der ein “großartiger Kämpfer” ist, werden dann tiefer in das Training eintauchen und die “sportliche” Seite davon kennenlernen. Allerdings unterscheidet sich die sportliche Seite, die wir machen, von der sportlichen Art des MMA, Boxens oder Grapplings, der Du in anderen Schulen begegnen wirst. Sie ist weniger eingeschränkt. Immer eingebunden in das Training sind die grimmigen Realitäten der Straße.
Beispielsweise tragen unsere Schüler in unseren Phase 2-Unterrichten ständig hölzerne Übungsmesser bei sich am Körper und wurden dahingehend angewiesen, unter Einsatz des Messers anzugreifen, jeden und zu jeder Zeit, von dem Augenblick an, in dem jemand in die Schule hineinkommt bis zu dem Augenblick, an dem sie sie verlassen. Dies könnte während eines Grapplingmatches sein, bei dem einer der beiden Teilnehmer ganz plötzlich sein Trainingsmesser herauszieht und schlachtermäßig auf seinen Partner losgeht. Oder es könnte sogar eine dritte Person sein, die zu jeder Zeit, wenn sie sich dazu entschließt, hinzuspringt und auf den Todesstoß ansetzt.
Dies erhöht die Aufmerksamkeit für verborgen getragene Waffen und mehrere Angreifer zu allen Zeiten.
Meine Schüler trainieren außerdem in normaler Straßenkleidung, keine Gis, nicht barfuß und auf Beton, nicht auf Matten.
Obwohl wir Boxen und Grappling u.ä. einbinden, geschieht dies immer mit der Straße im Hintergedanken. Es wird da plötzliche Hinterhalte geben, sie werden “sparren”, falls Du so willst (eigentlich größtenteils Nachstellen von Szenarien), bei ausgeschaltetem Licht, dröhnender Musik und eingeschaltetem Stroboskoplicht, wie in einer Disko, einer Bar, einem Nachtclub oder bei einer Party.
Ich habe sie mit Pfefferspray besprüht, während sie Sparring machten. Sie haben mit vollem Einsatz in solchen Umgebungen wie knietiefem Schnee, in einem Treppenhaus, in einem Fahrstuhl, in einem Auto usw. gekämpft. Ich hatte sie voll loslegen lassen, nach dem sie ein ganzes Glas voll Wodka getrunken haben (um zu sehen, wie sie unter dem Einfluß von Alkohol funktionieren).
Nicht gerade typisch für eine MMA-Umgebung.
Beispielsweise trainiert einer meiner Partner in New York City an einer MMA-Schule, wo er den Unterricht für Vergewaltigungsverhinderung, der dort unterrichtet wird, beobachtete. Frauen waren in Gis, barfuß, auf Matten und arbeiteten an Submissionstechniken aus der Guard-Position. Wie kommt das jemals auch nur annähernd heran an ein Angesprungenwerden in einer Gasse, während Du ein Kleid und hochhackige Schuhe trägst und von einem Soziopathen angegriffen wirst? Gar nicht! Ganz einfach.
Einer meiner Schüler, der jetzt tief im BJJ und MMA ist, weil er an Wettkämpfen teilnehmen möchte, hat in einigen der führenden MMA- und BJJ-Schulen von Montreal trainiert. Er hat mehrere Grapplingwettkämpfe gewonnen und ist, glaube ich, jetzt als Blaugurt in BJJ eingestuft.
Er kam kürzlich zu einem Phase 2-Unterricht von uns, und ich sagte ihm, daß ich gerne etwas ausprobieren würde.
Ich sagte ihm, daß er bei meinen Schülern MMA-mäßig alles machen kann, was er möchte – Ringen, Schlagen, Treten, Würgen, Hebeln, Submissions usw. – und daß er alles geben soll, was er hat und sich nicht zurückhält. Die einzige Sache, die ich meinen anderen Schülern erlaubte gegen ihn zu machen, ist der Shredder, nichts anderes, und es mußte simuliert werden, weil es dafür keine Schützausrüstung gab. Ihnen wurde nicht erlaubt zu boxen, zu treten, zu ringen, Würgegriffe und Hebel einzusetzen. Nichts außer dem Shredder.
Es war ein Massaker. Einer nach dem anderen von meinen Schülern zerfleischte ihn. Er stand sogar auf und sagte, daß es absolut aussichtslos war und daß der Shredder alles, was er zu tun versuchte, komplett neutralisierte. Nach dem erst einmal der Kontakt hergestellt war, übernahm der Shredder die Vorherrschaft (mehr zum Thema Shredder im Onlineshop unter “DVDs: Selbstverteidigung & Strassenkampf”).
Er stand nach ein paar Versuchen auf, und sein Gesicht war rot und ziemlich übel zerkratzt, und dies nur durch Simulation. Das ist der abgefahrene Teil: Es war nur eine Simulation. Er simulierte es allerdings nicht! Ihm wurde die Anweisung gegeben, mit allem, was er hatte, reinzugehen, und dieser Typ ist ein großartiger Grappler und mit großartiger Schlagkraft, die ihresgleichen sucht.

Frage: Wie ergänzen diese “sportlichen” Künste Dein Training?

Richard: Grappling ergänzt das Training, weil es notwendig und wichtig ist, es zu verstehen, um zu erlernen, wie Du einen Grappler besiegst. Falls Du nicht Submissions (die Hebel-, Festhalte- und Würgegriffe, um zur Aufgabe zu zwingen) verstehst, wie kannst Du Dich dann gegen sie verteidigen? Falls Du nicht die Positionen verstehst, wie kannst Du dann verstehen, was Dein Gegner tut, nach dem er sich erst einmal auf Dir in Position gebracht hat? Wie kannst Du wissen, wie man daraus entkommt? Grappling ist das Übertragungssystem auf dem Boden. Ohne es mögen die Werkzeuge nicht ihr Ziel finden.

Frage: Was sind die Fallstricke dieses Trainings für “Realität” oder für “Überlebensfertigkeiten”?

Richard: Die Fallstricke? Es gibt dabei keine wirklichen Fallstricke. Das ist so, als ob man fragt, was sind die Fallstricke beim Erlernen der Ersten Hilfe oder einer Feueralarmübung. Die einzige Sache ist die, daß es für einige Leute zu einer Besessenheit wird. Sie essen, leben und atmen “realitätsbasierendes Training”. Ich habe es gesehen, und es ist ungesund.

Frage: Richard, ich glaube, Du hast mich mißverstanden. Was ich meinte war, was sind die Fallstricke des Trainings in einer auf Sport basierenden Kunst? Selbst wenn es als Ergänzung zum “Realitätstraining” ist.

Richard: Die Sache ist die: Falls jemand analytisch genug ist, gibt es da keine Fallstricke. Es hängt von den Gründen für das Training ab.
Die Fallstricke des Sportkämpfens entstehen größtenteils aus dem Glauben, daß man sich nicht gegen ein Messer verteidigen kann, daß man sich nicht gegen mehrere Angreifer verteidigen kann. Dieser Glaube entspringt größtenteils den Einschränkungen des Sportkämpfens für die “Straße”.
Ihr System geht nicht damit um, also kann es daher nicht gemacht werden.
Einer der sechs menschlichen Fehler ist laut Cicero: “Darauf bestehen, daß etwas unmöglich ist, weil Du es selbst nicht ausführen kannst.”
Es ärgert mich wirklich, wenn Leute ihre Fehler und Einschränkungen anderen aufdrängen. “Wenn ich es nicht tun kann, kann es auch kein anderer tun.” Dies ist die Aussage eines Verlierers, ganz klar und einfach ausgedrückt. Falls jeder Entdecker, Erfinder, Wissenschaftler usw. diesen Verlierern geglaubt hätte, dann würden wir heute noch immer im finstersten Mittelalter stecken.
Gott sei Dank übernehmen einige Leute nicht die Fehlschläge anderer als ihre eigenen.
Ich sage damit nicht, daß MMA unwirksam ist. Tatsächlich eher das Gegenteil davon. Jeder Sportkämpfer, der in MMA versiert ist, ist viel gefährlicher als das durchschnittliche Individuum ohne Training und wird in der Lage sein, auf der Straße ohne Probleme mit der Mehrzahl der Arten von Angriffen da draußen selbst umzugehen – aber eben nicht mit allen.
MMA ist ein essentieller Bestandteil eines jeden realitätsbasierenden Systems, denn falls Du nicht da drin bist und schwitzt, blutest und im Handgemenge mit Vollkontakt steckst, dann “kämpfst” Du nur theoretisch.
Sparrings, unabhängig davon, in welcher Distanz (Kickboxen, Grappling, MMA usw.), sind ein hervorragendes Werkzeug und Entwickler für das Zielen. Die nächste Stufe sind allerdings Szenarionachstellungen.
Du kannst nicht wirklich ein Szenario machen und es körperlich losgehen lassen, falls Du nicht Fertigkeiten im Grappling, Boxen, Treten und Nahkampf besitzt. Was ist, falls es in dem Szenario zu Boden geht? Was ist, falls es auseinandergeht und Distanz geschaffen wird, aber die Möglichkeit zum Weglaufen nicht zur Verfügung steht?
MMA sind allerdings kein komplettes Überlebenssystem, weil ihnen die dem Kontakt vorausgehenden Gesichtspunkte und die Gesichtspunkte des Nachspiels fehlen. MMA sind die Mitte ohne Anfang und ohne Ende. Dies bedeutet selbstverständlich nicht, daß ich denke, MMA funktionieren nicht für jeden. Ganz und gar nicht.
Falls sie für Dich funktionieren, dann ist das großartig. Bleibe bei ihnen. Um so besser für Dich. Ich bin nicht hier, um Deine Meinung zu ändern oder Dich dazu zu bringen, mit allem aufzuhören und meine DVDs zu kaufen oder mit mir zu trainieren. Falls das, was ich sage, für Dich Sinn macht, dann ist das toll. Falls nicht, dann hör einfach nicht zu.

Frage: Einige Leute sagen, daß das Denken in strikten Distanzen Deine reaktiven Aktionen einschränkt. Falls Du beispielsweise in Begriffen wie “Schlagdistanz” denkst, magst Du in diesem Modus feststecken und nicht einen kurzen, knappen Tritt, der Dir zur Verfügung steht, einsetzen.
Diese Leute ziehen es vor, eine allgemeine Richtlinie für Distanzen zu verwenden, wie z.B. Langdistanz, Mitteldistanz, Nahdistanz.
Was denkst Du darüber?

Richard: Wortbedeutungslehre, ganz klar und deutlich. Wir alle sagen die selbe Sache, es ist nur so, daß einige wünschen, sich selbst zu unterscheiden, in dem sie einen unterschiedlichen Fachjargon oder eine unterschiedliche Vorgehensweise verwenden, und ich tadele sie nicht dafür.
Ein Vorwartstritt, ganz gleich, ob Du ihn als einen Vorwärtsfußstoß, einen Schrägtritt oder einen geraden Fußtritt bezeichnest, bleibt trotzdem noch immer ein Vorwärtstritt.
Falls es den Schülern von jemand hilft, die Dinge besser zu verstehen, in dem man sie andersartig bezeichnet, dann nur zu. Wir machen genau das gleiche bei bestimmten Dingen. Es hilft einigen einfach, Dinge besser zu beschreiben. Am Ende ist es wirklich alles nur eine Sache der Auffassung.
Ein Name ist einfach nur ein Name. Es ist das Endergebnis, das zählt, und falls Du das erreichen kannst, was Du zu erreichen beabsichtigst, in dem Du es als 4 Distanzen, 3 Distanzen, Schlagreichweite, Boxdistanz, Nahkampfbereich, Trappingdistanz, was auch immer bezeichnest, dann ist es das, was am Ende wichtig ist.
Andere dafür zu kritisieren, weil sie es anders machen, ist meiner Meinung nach falsch.
Schau es Dir auf diese Art und Weise an: Falls wir alle genau die selbe Sache machen würden, die exakt gleichen Methoden, Ausführungssysteme, Bewegungen, Taktiken usw. hätten, dann würde es da keine Neuerungen, keinen gesunden Wettbewerb, kein Bedürfnis für so viele “Experten” usw. geben.
Wir alle sind da draußen, um unsere eigene Sache zu machen, um unseren eigenen Dreh den Dingen, die bereits existieren, hinzuzufügen. Dies ist, was uns unterscheidet und Kreativität erlaubt und der Öffentlichkeit eine Wahlmöglichkeit gibt. Etwas, das die Leute anzieht und zu etwas neigen läßt, das ihre Persönlichkeiten, ihre Ansichten, ihre Glauben mehr anspricht.
Einfach ausgedrückt: Jeder ist verschieden, und es gibt da draußen für jeden etwas passendes.

Frage: Was treibt Richard Dimitri an? Warum die Leidenschaft für diese Branche des Trainings?

Richard: Eine sehr schwierig zu beantwortende Frage, weil es sehr, sehr persönlich für mich ist und nicht etwas ist, daß ich normalerweise offen oder in der Öffentlichkeit mitteile.
Laß uns einfach sagen, daß sich ein unglückliches und traumatisches Ereignis früh in meinem Leben ereignete, das Wut und Zorn auslöste, der mich fast zerstörte (dies führte dazu, daß ich mich selbst in hochgefährliche Beschäftigungen begab, neben anderen Dingen, über die ich nicht sprechen möchte). Als ich älter wurde, bin ich in der Lage gewesen, diese Wut (obwohl sie heute noch immer präsent ist) in einen Antrieb umzulenken, der sich in Hingabe verwandelte.
Ich hasse Ungerechtigkeit, ich kann sie nicht schlucken. Ich hasse es, zu sehen, wie Menschen zu Opfern gemacht werden, wie sie übervorteilt werden, aus Boshaftigkeit und Böswilligkeit verletzt werden...es verbrennt mich buchstäblich im Inneren. Dies ist der Grund dafür, warum ich das tue, was ich tue, weil bis zu einem gewissen Grad ein jedes Individuum, das Gewalt überlebt, sich selbst erfolgreich verteidigt, eine möglicherweise gewalttätige Konfrontation entschärft hat oder einer möglichen Bedrohung entkommen ist wegen dem, was es von mir gelernt hat, mir hilft, mich zu heilen. Es ist ein unsichtbares Band, das ich mit Menschen teile, von dem sie noch nicht einmal wissen, daß es existiert.

Frage: Richard, Du hast vor einigen Monaten eine Kolumne für die Zeitschrift Black Belt geschrieben. Was ist damit passiert? Wirst Du wieder für sie schreiben?

Richard: Nun, es half mir dabei, mich ein wenig mehr zu etablieren und um meinen Namen da draußen bekannter zu machen. Einen schlechten Ruf, nehme ich an (lacht).
Ich bin gebeten worden, wieder für sie zu schreiben, allerdings nicht als regelmäßiger Beitragsschreiber, sondern nur als ein freier Mitarbeiter. Ich schickte vor einer Weile einen Artikel ein, der zu der Zeit nicht ihren gegenwärtigen Anforderungen entsprach. Ich werde auf jeden Fall ein paar mehr zu einem späteren Zeitpunkt einsenden.

Frage: Wo liegt im Augenblick der Schwerpunkt Deines eigenen Trainings? Irgend etwas spezielles?

Richard: Kraftmäßig konzentriere ich mich stark auf Rumpfkraft und funktionelles Krafttraining.
Ich verbinde freie Gewichte mit Übungen auf dem Gymnastikball und mit Körpergewichtsübungen. Mein Kampftraining besteht aus einer Menge an Sparring, Grappling, Boxen, Kickboxen, Messerverteidigungen mit vollem Einsatz und Szenarien.

Frage: Gibt es irgendeinen speziellen Bereich, in dem Du Dich zur Zeit zu verbessern versuchst? Etwas, von dem Du fühlst, daß zum derzeitigen Zeitpunkt mehr Aufmerksamkeit gerechtfertigt ist?

Richard: Messerabwehr. Egal, für wie gut Du Dich bei der Messerabwehr hältst, es ist niemals gut genug. Ich arbeite ernsthaft an Overkill-Übungen. Zwei gegen einen, voller Einsatz, ohne abgesprochene Angriffe. Dies ist eine der Sachen, auf die ich mich am meisten konzentriere.

Frage: Was machst Du außer Kampfkünsten und Unterrichten noch?

Richard: Ich mag es, mit meiner Frau und Freunden abzuschalten, einfach nur zu lachen und eine gute Zeit zu haben. Ich nehme die Dinge nicht zu ernst. Ich habe sowohl in der Filmindustrie als auch als Stuntman, Kampfchoreograph und unwichtiger Schauspieler gearbeitet, aber falls Du dachtest, die Kampfkunstindustrie ist mit Egos und Politik gefüllt, dann hast Du noch niemals die Filmindustrie kennengelernt. Ich stieg dort aus, weil ich mich weigerte, meine Seele zu verkaufen und mich selbst zu prostituieren oder mich für irgend jemand zu erniedrigen.

Frage: Hast Du überhaupt irgendein Interesse an traditionellen Künsten?

Richard: Ja, ich liebe die chinesischen Künste, Wushu, bestimmte Stile des Kung Fu.
Die Beherrschung, die diese Leute über ihre Körper haben und die Kunststücke, die sie vollbringen können, sind immer wieder verblüffend anzuschauen. Der artistische Ausdruck dieser Künste hat mich schon immer angezogen.

Frage: Irgendwelche Worte zum Abschluß, die Du unseren Lesern gerne mitteilen möchtest?

Richard: Ja. Mach Deine Hausaufgaben. Stelle Fragen. Teste Dinge aus. Lege fest, was es ist, das Du erreichen möchtest und mach Dich daran, es zu erreichen. Behalte im Kopf, daß Meinungen nichts anderes als das sind. Sie sind nicht mehr als die Auffassungen eines Individuums, und obwohl sie sich von Deinen unterscheiden mögen, macht dies sie nicht unbedingt falsch oder nicht gut.
Es kann etwas von Wert in nahezu allem gefunden werden, falls Du es Dir nur hart genug anschaust.
Jemand schrieb mir kürzlich eine E-Mail und entschuldigte sich bei mir, weil sein Sohn einen Wert in einer traditionellen Kampfkunst gefunden hat. Dies störte mich wirklich, denn ich leitete daraus ab, daß, falls er das Bedürfnis verspürte, sich dafür zu entschuldigen, es bedeutete, daß ihn irgendwo jemand früher dafür herabgesetzt hat, und das ist einfach falsch. Ich sagte ihm, er solle sich niemals dafür entschuldigen, etwas Wertvolles woanders zu lernen, unabhängig davon, wo es herkommt.
Falls etwas für Dich funktioniert, dann scheiß auf jeden anderen, der sagt, daß es das nicht tut.

Frage: Richard, ich weiß es wirklich zu schätzen, daß Du Dir die Zeit für dieses Interview genommen hast.

Richard: Das Vergnügen ist ganz auf meiner Seite. Ich bin es, der Dir für diese Gelegenheit dankt. Gott segne Dich und alles Gute.


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