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Interview mit W. Hock Hochheim

Frage: Was hat ursprünglich Deine Entscheidung beeinflusst, den waffenlosen Kampf zu erlernen?

Hock: Ich habe schon immer ein zwanghaftes Interesse an Taktiken gehabt - waffenlosen, Stock-, Messer- und Schusswaffentaktiken, was natürlich bedeutet, mit jeder gegen jede in einer gemischten Waffenmatrix zu kämpfen. Der unbewaffnete Kampf ist ein Teil dieses großen Gesamtbildes.

Frage: Seit wann bist Du in den Kampfkünsten, und in welchen Stilen und Systemen hast Du früher trainiert?

Hock: Sehr bald werden es vierzig Jahre sein. Polizeikurse, Militärkurse, Karate, Jujitsu, Aiki-Jitsu, Kajukenbo, verschiedene philippinische Kampfkünste usw.

Frage: Du hast sowohl beim Militär als auch bei der Polizei gedient. Kannst Du mir ein bisschen über Deine Laufbahn und Erfahrungen in beiden Rollen sagen und darüber, wie es Deine Fertigkeiten und Dein Wissen als ein hoch respektierter Ausbilder beeinflusst hat?

Hock: Ich fing zuerst mit Parker Kenpo an, aber ging dann zur Army, wo ich ein Militärpolizist anfangs im Streifendienst und dann als Ermittler war. Als nächstes war ich Streifenpolizist und Kriminalbeamter in Texas. Dies war der Unterricht, der den wichtigsten Rahmen für mich bildete. Diese Akademien und Lehrgänge versuchen, das Problem “Auf diese Weise werden sie versuchen, Dich zu töten” zu lösen. Diese Kurse brachten nicht immer die richtigen Ratschläge rüber, aber sie gaben mir die Vorraussetzung für meine generelle Unzufriedenheit mit vielen Kampfkünsten, die folgen sollten. Aber was konnte man sonst tun? Ich trainierte viele Dinge und sammelte ein paar Schwarzgurte, während ich nach der “nächstbesseren Sache” Ausschau hielt. In der Zwischenzeit suchte ich immer nach dieser direkten Intensität und wurde statt dessen von dogmatischen Systemen und Großmeisteranbetung abgelenkt. Für einige ist das okay, aber nicht für mich. Schliesslich begann ich mit meiner eigenen Studiengruppe, um auf dieses Ziel hinzuarbeiten.

Frage: Wann hast du den Scientific Fighting Congress (SFC) offiziell eröffnet?

Hock: Ich habe seit etwa 1991 verschiedene Themen unterrichtet. Im Jahr 1996 wählte ich den Namen SFC. 1997 schied ich aus dem Polizeidienst aus und konnte mich endlich in Vollzeit auf diese Themen konzentrieren.

Frage: Warum hast Du Dich dafür entschieden, es als Scientific Fighting Congress zu bezeichnen?

Hock: Ich wählte das Wort “Congress” (Zusammenkunft), weil ich die Idee mochte, verschiedene, unterschiedliche Gruppen und Menschen miteinander zu verbinden. An irgendeinem beliebigen Wochenende kann man mich beim Unterrichten in einer Karateschule, einer Thaiboxschule, einer Krav Maga-Schule, einem Gemeindezentrum, einem Militärstützpunkt oder einer Akademie finden - eben wie ein Kongress. Und ich bevorzuge eine wissenschaftliche Vorgehensweise bei der Psychologie und Ausführung des Kampftrainings. Die Aufgabe des SFC ist es, die Lücke zwischen der Polizei, dem Militär, dem Kampfkünstler und der informierten Bürgerschaft zu überbrücken. Jede dieser Gruppen kennt Dinge über das Kämpfen, die die anderen nicht kennen.

Frage: In welchen Ländern hast Du zur Zeit Instruktoren, und von woher kommt ein bedeutender Einfluss auf den SFC?

Hock: Wir haben Hunderte von Instruktoren auf Basis-, Fortgeschrittenen- und Expertenniveau in mehr als zehn Ländern. Alle sind aktiv, denn ich habe sie in den letzten anderthalb Jahren in Trainingseinheiten gesehen. Momentan würde ich sagen, dass die meisten von ihnen in den USA, Großbritannien und Europa ansässig sind. Sie sind alle auf meiner Webseite aufgelistet.

Frage: Welche Einzelpersonen haben den größten Einfluss auf Dich als Kampfkünstler gehabt?

Hock: Ich würde sagen müssen, dass im Allgemeinen meine Polizei- und Militärausbilder den größten beständigen Einfluss auf mich gehabt haben, und zwar wegen dem Bewertungsfilter, den sie mir eingeflösst haben. Weißt Du, ich bin mir nicht sicher, ob ich der wahren Definition nach ein Kampfkünstler bin oder ob ich überhaupt ein Künstler in irgendetwas bin. Ich bin bloß ein Typ, der Tricks dafür sammelt, um Kriminelle und Soldaten zu bekämpfen.

Frage: Es ist wohldokumentiert, dass Du spezielles Training für Polizei- und Militäreinheiten rund um die Welt durchgeführt hast. Für welche Einheiten/Behörden hast Du Training durchgeführt?

Hock: Ich bin bezahlter Berater für die vier Hauptteilstreitkräfte des US-Militärs gewesen: Army, Navy, Air Force und Marine Corps, wobei ich hauptsächlich mit den Marines gearbeitet habe. Ich habe an vielen Polizeiakademien überall auf der Welt unterrichtet, z.B. in England und Deutschland und so weit entfernt wie die Hauptakademie von Südafrika. Wie viele Beamte und Behörden? Die meisten Beamten, genauso wie Soldaten, nehmen an meinen Gruppenseminaren teil, und ich könnte noch nicht einmal anfangen zu zählen, wie viele ich über die Jahre hinweg gesehen habe. Ich würde schätzen, es waren Tausende.

Frage: In den letzten zehn Jahren hat es eine wahre Explosion bei den verschiedenen Arten der “realitätsbasierenden Systeme” und der Systeme der Verteidigungstaktiken gegeben, die den Markt überflutet haben. Was ist Deine Meinung in Bezug auf diese Systeme und warum?

Hock: Ich habe den Begriff “realitätsbasierende Selbstverteidigung” nie gemocht. Es ist so als ob man sagt: “Ich möchte eine Pizza mit meiner Pizza haben.” Aber ich denke, es ist eine natürliche Evolution in allgemeinem Interesse und Training. Was mich irritiert ist der Kleiderwechsel! Da ist ein Kampfkünstler, der ganz einfach seine traditionelle Kleidung gegen einen Tarnanzug getauscht hat, und ganz plötzlich ist er ein Lehrer für praktische/taktische Kurse? Ebenso irritierend ist: Viele haben vorgegeben, U.S. Navy SEALs zu sein oder behaupten, seit Jahren die exklusiven Ausbilder des SEAL Team 6 oder israelische Ex-Kommandosoldaten zu sein. Lügen! Käufer, seit auf der Hut, wenn ihr dieses Gerede hört! Seid versichert, dass dies in 99 Prozent aller Fälle nicht stimmt. Dann gibt es da die Leute, die vorgeben, ehemalige SWAT-Team-Beamte oder Superduper-Antiterror-Agenten zu sein. Es gab da einen Kerl mit einer Schule in Deutschland, der doch tatsächlich vorgab und damit warb, dass er im SWAT-Team von Los Angeles in Kalifornien war. Was das wohl für ein täglicher Weg zur Arbeit war!

Frage: Du hast seit mehr als zwanzig Jahren realistische Verteidigungstaktiken unterrichtet und wirst weltweit als einer der Gründer des realitätsbasierenden Trainings angesehen. Dennoch hat es mehrere Ausbilder gegeben, die in den letzten Jahren den Markt in den USA betreten haben und sagen, dass sie die ersten realitätsbasierenden Ausbilder waren. Was hältst Du von dieser Art von Behauptungen, und hat es Dein eigenes System beeinträchtigt?

Hock: In einigen wenigen Worten: Marketingquatsch und Verkaufsmasche für die Dummen und die Naiven. Ich weiß nicht, ob es mich direkt auf irgendeine Art und Weise beeinflusst hat. Wirklich, ich bin so wie die Schildkröte in der alten Fabel Die Schildkröte und der Hase. Diese neuen Typen platzen in die Szene mit ausgearbeiteten Marketingkampagnen wie “Ich bin der Größte”. Während ich seit Jahrzehnten dahertrotte, komme ich an ihren ausgebrannten Kadavern am Wegesrand vorbei. Und ich bin nicht der Größte. Oder der Erste. Ich möchte Dir dabei helfen, der Größte zu sein, der Du sein kannst. Es dreht sich alles um Dich, nicht um mich. Du kommst zuerst!

Frage: Was ist Deine Meinung zur Debatte zwischen sportbasierenden und kampforientierten Trainingssystemen?

Hock: Nun, ich liebe die derzeitige Evolution der UFC: ground and pound. Und es ist ein großartiges Labor, um Techniken in Hardcoreaktion zu sehen. Und kampforientierte Sportarten haben viel Nutzen. Aber ein wahrer Verbrechens- und Kriegs-Überlebenskünstler muss ein Experte in all den Dingen werden, die in diesen Sportarten verboten sind. Betrüge, um zu gewinnen. Und ganz nebenbei: “Gewinnen” bedeutet für jeden etwas Unterschiedliches. Dies ist ein wichtiger Punkt. Es existiert in einem Kontinuum der Gewaltanwendung, einer Umgebung mit “Einsatzregeln”. Situationsbezogen. Wer, was, wo, wann, wie und warum?

Frage: Was ist Deine Meinung zur Grapplingverrücktheit, die die Kampfkunstgemeinde in den letzten Jahren ergriffen hat, und welche Art von Grappling wird im SFC unterrichtet?

Hock: “Erfolgreiches Grappling”. Aber im Ernst, Taktiken, die basierend auf Deinem Auftrag funktionieren. Bist Du ein Bürger, ein Polizist oder ein Soldat? In der vergangenen Evolution der Kampfkünste und der Verrücktheiten mussten Standkämpfer den Bodenkampf kennen. Bodenkämpfer mussten den Standkampf kennen. In den 1980er Jahren steckte ich tief in den Dan Inosanto-Systemen (übrigens einer der Typen, der wirklich den Begriff “Mixed Martial Arts” erfunden hat), und wir machten Shoot Fighting. All die Jahre vor der Gracie/UFC-Verrücktheit. Aber als Cop wusste ich, dass ich mich bei meiner Arbeit nicht auf dieses sportartige Vorgehen mit Abklopfen verlassen konnte. Alle Kämpfe sind äußerst situationsabhängig und sehr auftragsorientiert. Ich glaube an die nahtlos Anwendung aller Taktiken im Stehen, Knien, Sitzen und am Boden mit Hand, Stock, Messer und Schusswaffe. Gleichwertig und übergangslos. Du kämpfst da, wo Du kämpfst, mit dem, was Du hast. Das ist der Grund dafür, warum ich “erfolgreiches Grappling” sage, weil es so wie alles andere aussieht, mit nichts Besonderem.

Frage: Welche Qualitäten musst Du Deiner Erfahrung nach in einer Person sehen, bevor Du weißt, dass sie bereit dazu ist, als Ausbilder im SFC qualifiziert zu sein?

Hock: Das ist eine vielschichtige Frage. Ich meine, technisch könntest Du einen schlauen Kerl in einem Rollstuhl haben, der ein exzellenter Ausbilder ist. Bloß weil jemand ein Champion ist bedeutet es nicht, dass er ein guter Ausbilder ist - es gibt viele Fälle davon. Aber ich achte darauf, dass sie das Material von jedem Level meistern. Dann halte ich Ausschau nach Leuten mit Aufgeklärtheit. Die Sache ist die: Ich werde niemals irgendjemand sagen, wie er zu kämpfen hat. Dies sind persönliche Wahlmöglichkeiten, basierend auf ihrer Größe, Form, Alter und Kondition. Es ist ihr Job, sich diese Dinge durch Experimentieren herauszusuchen. Aber ein guter Ausbilder muss viele Dinge kennen, um sie seinen Schülern zu präsentieren. Diese Schüler bilden sich weiter und/oder werden selbst zu Ausbildern. Ein Ausbilder muss dieses Prinzip verstehen. Sie müssen vom Dogma befreit werden. Doktrin ja, aber kein Dogma. Wir haben Leben zu retten. Du unterrichtest das, was Du lernst, und um Patente und Einschränkungen kümmere ich mich nicht. Beim SFC gibt es keinen Gebietsschutz oder Abgaben oder Frachisegebühren (Dies sind die Dinge, die für gewöhnlich all die verbrannten Hasen, die ich auf der Straße passiere, zerstören.).

Frage: Wie sehen Deine gegenwärtigen und zukünftigen Pläne für den SFC aus?

Hock: Oh, ich werde solange mit dem Unterrichten fortfahren, wie die Leute mich darum bitten. Ich habe niemals den Wunsch danach gehabt, die Welt zu dominieren und Geschäftsdynastien zu erschaffen oder derartige Dinge. Ich bin besessen von Taktiken und Trainingsmethodiken.


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