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Interview mit Bas Rutten

Hier ist Bas in seinen eigenen Worten:

Als ich ein Kind war, leidete ich unter Asthma (das mit der Zeit noch schlimmer wurde) und einer sehr schlimmen Hauterkrankung, und deswegen hatte ich wenige Freunde. Im Alter von Sechs bekam ich außerdem Rheumatismus. Ich verbrachte meine Zeit damit, auf Bäume zu klettern und Comics von Spiderman und den Fantastischen Vier zu lesen. Spiderman war der Hauptgrund dafür, warum ich immer in Bäumen herumkletterte. Auf der anderen Seite meiner Straße hatte ich ein großes Grasfeld mit einer Reihe von Bäumen darauf, die in einen Wald führten. Wenn ich auf den ersten Baum kletterte, konnte ich von Baum zu Baum gehen und brauchte nicht den Boden zu berühren. Dies kam mir sehr gelegen, wenn ich Typen hinter mir her hatte, die sich mit mir anlegen wollten. Manchmal mußte ich wegen der Hauterkrankung Schutzhandschuhe an meinen Händen tragen. Aus diesem Grund war ich ein leicht auszuwählendes Ziel für die anderen Kinder.

Ein weiteres meiner Lieblingsdinge, die ich tat, war es, auf Dächer von Häusern zu klettern. Jede Nacht lag ich auf dem Dach, beobachtete die Sterne und träumte davon, mich in Spiderman oder Wolverine zu verwandeln.

Im Alter von Zwölf fing ich damit an, Leichtathletik zu machen und war ziemlich gut darin. Meine Lieblingsdinge waren Hochsprung, Weitsprung, Speerwurf und Diskuswurf. Ich mochte Leichtathletik wirklich, aber jedesmal, wenn ich im Hochsprung oder Weitsprung am Wettkampf teilnahm, verletzte ich mir aus irgendeinem Grund immer meine Knie. Dies wurde sehr nervig. Also hörte ich damit auf, Leichtathletik zu betreiben.

In der Zwischenzeit sind meine Familie und ich viel in den Ferien gewesen. Ich erinnere mich daran, daß ich 1976 in Frankreich war, und dort schlich ich mich gemeinsam mit meinem Bruder in ein Kino hinein, um den Film Der Mann mit der Todeskralle zu sehen. Junge, daß veränderte mein Leben vollständig. Als ich zurück nach Holland kam, war die erste Sache, die ich machte, mir aus zwei Stück Holz und einer Kette ein Nunchaku zu bauen. Ich ging sogar in den Lebensmittelladen mit diesen Dingern um meinen Hals hängend. Ich fing auch an, in all die anderen Bruce Lee-Filme zu gehen und begann, ihn zu imitieren: Ich versuchte, so zu treten wie er, so zu schlagen wie er, und selbstverständlich waren da die Nunchakus. Nach dem ich meine Eltern über einen langen Zeitraum darum angebettelt hatte, mich Kampfkünste trainieren zu lassen, gaben sie schließlich nach und ließen mich. Ich trainierte für etwa vier Wochen (dies war übrigens in Taekwondo) und geriet dann mit jemand in einen Straßenkampf, der mich ständig belästigte. Sie beschimpften mich, und diesmal schrie ich zurück. Er kam lachend auf mich zu und wollte mit mir kämpfen. Ich schlug ihn ein einziges Mal und brach ihm seine Nase. Wow, Kampfkünste sind großartig!

Zu dumm nur, daß meine Eltern es herausfanden, und das war das Ende meiner Kampfabenteuer. Ich trainierte trotzdem noch immer weiter und ließ jederman glauben, daß ich ein Schwarzgurt sei, in dem ich mit meinen Tritten herumprotzte. Falls jemand eine Schlägerei mit mir anzetteln wollte, streckte ich mein Bein in einem Seitwärtstritt zum Kopf aus und hielt dann meinen Fuß vor seinem Gesicht hoch. Dies sah wirklich cool aus, und sie glaubten tatsächlich, daß ich ein Schwarzgurt war.

In meiner neuen Schule fand ich einige Freunde, die genauso waren wie ich. Ich trug noch immer meine Handschuhe wegen der Hautkrankheit. Also war ich nicht sehr beliebt. Meine neuen Freunde waren ebenfalls Typen, auf denen andere Schüler herumhackten. Gemeinsam bildeten wir eine Gruppe, und später nannten wir uns gegenseitig “Die Champions”. Was für ein Name für einen Haufen von “Möchtegernen”. Aber es funktionierte für uns. Einer dieser Freunde fing mit dem Boxen an und war ziemlich gut darin, und ich lernte aus seinen Erfahrungen. Wenn nun zu dieser Zeit die Leute damit anfingen, sich mit uns anzulegen, fingen wir einfach damit an, mit ihnen zu kämpfen. Dies war etwas, das wir niemals für uns alleine gemacht hätten.

Ich wollte noch immer Kampfkünste machen. “Nicht, so lange Du in meinem Haus bist”, sagte meine Mutter. Als ich 20 war, zog ich aus dem Haus aus, um mit einer Freundin zusammenzuleben, und das war der Punkt, an dem ich wirklich mit den Kampfkünsten anfing. Karate und Taekwondo kamen zuerst, und von da an ging ich weiter über zum Thaiboxen. Alles ging wirklich schnell danach. Bald war ich in Thaibox-Wettkämpfen, die ebenfalls wirklich gut für mich liefen. Ich war unbesiegt und fing an, als Türsteher zu arbeiten. Nun, dies war natürlich das Ende meiner Thaibox-Turnierkämpfe, weil ich bald die ganze Nacht lang und mehrere Nächte in der Woche arbeitete.

Nach vier Jahren des Feierns und der Arbeit an der Tür fragte mich jemand am Silvesterabend, ob ich interessiert daran sei, gegen Frank Lobman zu kämpfen. Frank war zu der Zeit ein sehr gefährlicher Kämpfer, ohne Niederlagen und mit einer K.O.-Quote von 90 Prozent, und er war gerade eben erst aus dem Gefängnis gekommen und wollte wieder kämpfen. Ich war betrunken und sagte: “Okay, kein Problem.” Sie fingen an, für den Kampf zu werben, und etwa vier Wochen vor dem Kampf fragten sie mich, ob alles noch immer nach Plan verlief. Mich nicht mehr an die Unterredung erinnernd, die ich in der Silvesternacht gehabt hatte, frischte es mein Gedächtnis auf, und ich dachte, daß es da keinerlei Möglichkeit gab, daß ich dies jetzt noch ablehnen könnte. “Okay”, sagte ich mir, “laßt es uns versuchen”. Also brauchte ich jetzt eine gute Schule, um zu trainieren. Meine Wahl fiel auf Maeng Ho in Holland. Das ist das Gym, in dem Ramon Dekker trainiert (zu dem ich immer aufgeblickt habe), und ich fing an, dort zu trainieren. In der ersten Trainingseinheit konnte ich noch nicht einmal das Seilspringen beenden. Wie dem auch sei, ich denke, daß ich viel länger für einen solchen Kampf hätte trainieren sollen, aber hey, Du lernst es auf die harte Tour. Ich verlor diesen Kampf.

Als nächstes hatte ich einen Kampf mit einem aufstrebenden Typ namens Renee Roze. Ich hatte eine großartige erste Runde, aber dann biß dieser Kerl tatsächlich ein Loch in mein Ohr. Während er biß, warnte ich ihn, mein Ohr loszulassen, und er tat es nicht. Also war meine Antwort darauf ein Kniestoß zum Unterleib, mit all der Kraft, die ich hatte. Dies verwandelte sich in eine große Saalschlägerei. Ich brachte ungefähr 30 Türsteherfreunde von mir mit, um den Kampf zu sehen, und er tat das selbe. Sie alle fingen zu kämpfen an, und es war eine komische Sache, dies alles zu betrachten.

Nach diesem Kampf nahm ich einen weiteren Kampf an gegen einen französischen Typ. Ich trainierte sehr hart, aber sieben Tage vor dem Kampf bekam ich eine Infektion, und darüber hinaus wurde ich eingeladen, um vier Tage und Nächte bei freier Kost und Unterkunft im “Hotel Polizei” zu verbringen, weil ich mit meinen Freunden in einem Straßenkampf gewesen bin und sie da ein paar Fragen hatten. Zwei Tage vor dem Kampf ließen sie mich gehen, und dumm wie ich war kämpfte ich diesen Kampf. In der ersten Runde schlug ich den Typ dreimal zu Boden, aber sie zählten es nur zweimal, weil der dritte Niederschlag mit einem verbotenen Rückfaustschlag erfolgte, eine neue Regel oder irgend so etwas, das sie sich ausgedacht hatten. Wie auch immer, ich nehme an, daß wegen dem Medikament, das ich gegen die Infektion erhalten hatte, mein Körper wirklich steif wurde und ich den Kampf zu Anfang der zweiten Runde abbrechen mußte. Ich konnte nicht mehr atmen, also war es das.

Dann fingen die Leute an zu reden und zu sagen, daß ich nicht kämpfen konnte. Nach all der Bewunderung, die ich genossen hatte, wendeten mir die Fans den Rücken zu. Ich war geschockt. Ich lernte die böse Seite des Verlierens kennen. Die Leute wenden einem Kämpfer sehr schnell den Rücken zu. Dies war erstaunlich. All die Kämpfe, die ich gewonnen hatte (14 an der Zahl in Folge), hatte ich durch K.O. gewonnen, und nun sagen sie, ich kann nicht kämpfen? “Warum mich darüber aufregen und versuchen, diese dummen Leute zu unterhalten?” ist das, was ich dachte, und ich schwor mir, niemals wieder in Holland zu kämpfen.

Aber ich hatte noch immer das Verlangen, Kampfkünste zu machen und wollte etwas anderes ausprobieren. Ich fing an, mit einem guten Freund von mir Shows zu machen, Kampfkunstdarbietungen in Nachtclubs und Diskos zu Diskomusik. Es war ein Erfolg, wir wurden “entdeckt”, und bald fingen wir an, diese Shows bei größeren Veranstaltungen und sogar im Fernsehen zu machen. Bei einer dieser Shows kam ein Typ namens Chris Dolman zu mir. Chris Dolman ist ein großer Name in Holland und jetzt auch ein guter Freund von mir. Er fragte mich, ob ich für ihn in Japan kämpfen würde. Er sah uns diese Saltos, Spagatsprungtritte usw. machen, und er dachte, daß ich vielleicht ein gutes Gefühl für “Freikämpfe” (so nannten sie es zur damaligen Zeit) hatte. “Komm zu mir in meine Schule in Amsterdam,” sagte er, “damit wir sehen können, was Du kannst.” Ich sagte: “Sicher, ich werde kommen und es ausprobieren.” Und so tat ich es. In der nächsten Woche war ich in seiner Schule.

Während der ersten Unterrichtsklasse würgten die kleinen Typen mich tierisch ab, und ich glaubte tatsächlich, daß ich einen Würgegriff aushalten könnte, nach dem er erst einmal angesetzt war. Dies führte zu einer sehr wunden Kehle, und ich konnte für etwa vier Tage lang nichts essen. In der Nacht nach der ersten Trainingseinheit mußte ich mein Auto neben der Straße abstellen (das Training fand in Amsterdam statt, und ich lebte 130 Kilometer von dort entfernt). Ich rief meine Frau an und sagte ihr, daß ich so müde war, daß ich in meinem Auto am Straßenrand schlafen würde. Am nächsten Tag kam ich nach Hause, und meine Frau lachte. Sie sagte: “Du gehst doch wohl nicht wieder dahin zurück, oder?” Ich sagte, daß ich zurückgehen würde und nicht nur das, sondern daß ich diese Typen, die mich abklatschen ließen, in den nächsten paar Monaten selbst zum Abklatschen bringen würde. Und Gott sei dank fing ich nach einigem Training an, besser darin zu werden. Aber ich sah noch nicht das Licht am Ende des Tunnels, da ich nicht viel trainieren konnte. Ich arbeitete noch immer als Türsteher und unterrichtete, und Amsterdam ist 130 Kilometer von meiner Heimatstadt entfernt (in Holland sind 130 Kilometer eine Menge; das ganze Land ist vielleicht 320 Kilometer breit). Ich hatte außerdem einige Verletzungen, und diese hielten mich vom Training ab.

Eines Tages rief mich dann Chris Dolmann an und sagte mir, daß da zwei japanische Typen kommen würden, um das Training zu beobachten, und daß sie nach Kämpfern für eine neue Organisation namens Pancrase suchten. Diese Typen waren Funaki und Suzuki. Also ging ich in die Schule und traf sie. Sie beobachteten mein Training, und als ich mit einem großen Namen aus Japan sparrte und er versuchte, mich wirklich zu verletzen, trat ich ihm an den Kopf, und er war auf dem Weg ins Krankenhaus, um ein paar Stiche an seiner Augenbraue zu bekommen. Das war es, sie wollten, daß ich für sie in Japan kämpfe!

Also ungefähr vier oder fünf Wochen später hatte ich meinen ersten Kampf, am 21. September 1993. Ich werde dies niemals vergessen. Du mußt verstehen, daß ich aus dem Thaiboxen komme, und ein 3-Kilo-Unterschied würde jemand in eine andere Gewichtsklasse bringen. Dort fand ich heraus, daß mein Gegner etwa 25 Kilo schwerer war! Darüber hinaus dachte ich, daß es da 5 Runden á 3 Minuten gab. Als ich sie fragte, wie viele Runden es gab, sagten sie: “Eine Runde”. Ich dachte: “Mensch, das ist gut!” “Wieviele Minuten für die Runde?” “Dreißig”, sagten sie. Jetzt versuchte ich zu bluffen: “In Ordnung, sehr gut. Ich bin in einer sehr guten Form, also wird das okay sein.” Aber in meinem Kopf dachte ich: “Oh mein Gott...30 Minuten!!!?” Nun, im Thaiboxen bin ich immer ein ziemlich aggressiver Kämpfer gewesen, und das ist okay, falls Du Runden hast und Du das Tempo ein wenig kontrollieren kannst. Aber ich dachte, was würde passieren, falls ich versuche, ihn zu Anfang der Runde K.O. gehen zu lassen, lege alle meine Energie hinein und hatte noch immer 25 Minuten vor mir. Der Typ würde mich umbringen.

Also malte ich zwei Rs auf meine Handrücken. Das R steht für “rustig” auf Holländisch, aber ist per Zufall auch das selbe wie “relax” auf Englisch oder “ruhig” auf Deutsch. Außerdem hatte ich meinen früheren Manager und guten Freund Clovis Deprets in der Ringecke, und er ist unterrichtet worden, daß ich nicht meine Beherrschung verlieren sollte, wenn ich getroffen werde. Wenn ich also jetzt getroffen wurde, würde ich nicht zum Berserker werden und würde versuchen, meine Ruhe zu bewahren.

Der Kampf dauerte 43 Sekunden, Sieg durch schweren K.O. Ich sprang an allen vier Ecken des Rings mit einem Spagatsprungtritt hoch (ich weiß nicht warum; es mußte wohl vor Freunde gewesen sein), und später wurde dies zu meinem Markenzeichen, zusammen mit dem “R” auf meinen Händen. Sie nannten den Sprung den “Rutten Jump”. Das ist die Geschichte, wie es damit begonnen hat. Und am nächsten Tag war ich überall in den Zeitungen. Ich konnte es nicht glauben! Kampfkünste waren so etwas Großes in Japan, es war unglaublich. Nun, dies war der Anfang meiner Kämpferkarriere.

Am Tag meines zweiten Kampfes weckten sie mich um 8 Uhr am Morgen auf, und ich mußte bis etwa 3 Uhr Nachmittags reisen, bis wir an dem Veranstaltungsort antrafen. Etwa fünf Stunden warten und dann kämpfen? Du mußt außerdem verstehen, daß Du einen schlimmen Jet-Lag hast, wenn Du von Holland nach Japan fliegst. Du schläfst um 7 Uhr morgens ein (7 Uhr morgens dort ist 23 Uhr nachts in Holland). Als sie mich also aufweckten hatte ich nur eine Stunde geschlafen! Ich mußte mich übergeben, und mein Manager mußte mein Zeug tragen. Der Kampf begann, und wenn Du es Dir anschaust, ist es wirklich komisch. Ich wurde mit einem Armhebel erwischt, weil ich zu der Zeit noch immer nicht wirklich wußte, was am Boden zu tun ist. Ich beging einen großen Fehler, von dem ich meinen Schülern immer sage, ihn niemals zu begehen: Wenn Du in der Guard-Position bist, strecke niemals Deine Arme durch! Ich tat es, und ich wurde erwischt.

Ich fühlte mich so schlecht wegen des Reisens und ohne Schlaf, daß ich abklatschen wollte. Aber dann, als ich die Leute rufen hörte, entschied ich mich dazu, nicht aufzugeben. Gott sei dank gab es im Pancrase “Seilentkommen”. Wenn jemand Dich in einem Griff zum Aufgeben zwingen will und Du nah genug an den Ringseilen bist und Du Seile mit Deinen Händen oder Füßen berühren kannst, müssen sie Dich loslassen. Dies wird Dir einen “Punktabzug” kosten, und wenn der Kampf über die gesamten 30 Minuten geht, werden sie entscheiden, wer der Gewinner ist, in dem sie diese “Seilfluchten” zusammenzählen. Also zog ich ihn quer durch den Ring und berührte das Seil. Der Kampf begann von neuem, und dann gab ich ihm einen Kniestoß zum Kopf und einen weiteren in seine Leber. Ich gewann durch K.O.! Das war der Augenblick, in dem ich mir sagte, NIEMALS in einem Kampf aufzugeben, weil es da immer eine Möglichkeit gibt, daß Du trotzdem noch gewinnen kannst. Es erfordert bloß einen guten Treffer und das reicht dann.

Für meinen dritten Kampf wußten sie jetzt, daß ich ein Schläger war und nicht viel über den Bodenkampf wußte. Also setzten sie mich gegen Funaki an, Japans Nummer 1-Kämpfer. Uups, er erwischte mich in einem Zehenhaltegriff, von dem ich noch niemals zuvor etwas gehört hatte! Sehr schmerzhaft. Und er gewann den Kampf.

Ich wußte, daß ich mehr an Submissions arbeiten mußte, hatte aber niemanden in der Nähe, um zu trainieren (in Amsterdam hatte ich es, aber das war so weit entfernt, daß ich dort nur einmal pro Woche trainierte). Ich kämpfte weiter und hielt mich trotzdem gut, obwohl ich nicht genug in Hebeln und Würgegriffen trainierte. Ich verlor gegen Ken Shamrock, und danach ließen sie mich gegen Frank Shamrock verlieren und danach noch einmal gegen Ken. In der Zwischenzeit trainierte ich einen Typ namens Leon van Dijk, der jung und sehr stark war! Wir fingen an, zusammen zu trainieren, und jedes Mal, wenn ich ihn erwischte oder er mich, schrieben wir auf, was wir getan hatten und versuchten, dem zu entkommen, es besser zu machen usw. Nun, nach meiner letzten Niederlage gegen Ken entschlossen wir uns dazu, das Tritt- und Schlagtraining zu stoppen (wir konnten das bereits) und fingen einfach an, zweimal pro Tag Grappling zu trainieren. Auch ging ich für Kämpfe in Japan früher dorthin, damit ich in dem Pancrase-Dojo trainieren konnte. Als ich erst einmal dort war, hielt ich meine Augen offen und schrieb alles, was ich sah, auf, damit Leon und ich es zuhause trainieren konnten. Ich habe danach niemals wieder einen Kampf verloren. Dies veränderte mein Leben total, und ich fing tatsächlich an, Kämpfe mit Submissions zu gewinnen!

Ich wurde der King of Pancrase, in dem ich Suzuki mit einem Würgegriff von vorne besiegte. Danach verteidigte ich meinen Titel erfolgreich gegen Frank Shamrock, in dem ich ihn zweimal zu Boden schlug und der Ringrichter den Kampf beendete. Beim dritten Mal kämpfte ich mit Funaki, was sehr wichtig für mich war, weil er mich in unserem ersten Aufeinandertreffen besiegt hatte. Es endete damit, daß ich ihn viermal zu Boden schlug! Er zeigte eine Menge an Herz, in dem er beständig wieder zurückkam. Viele sagen, daß das mein bester Pancrase-Kampf gewesen ist, aber es war auch Funakis bester Pancrase-Kampf, bei dem er den Leuten zeigte, was für ein unglaubliches Kämpferherz er hat. Zwischen diesen Titelverteidigungen kämpfte ich in regulären Wettkämpfen.

Als meine Frau schwanger war und sie sehr krank wurde und es da die Möglichkeit gab, das Baby zu verlieren, ging ich nicht zum Pancrase, um meinen Titel zu verteidigen. Dies war der Punkt, an dem Pancrase mich bat, zurückzutreten, falls ich meinen Titel nicht verteidige. Also tat ich das. Gott sei dank, denn an dem Tag, an dem ich hätte abfliegen sollen, wurde meine kleine Tochter Sabine geboren und wog nur ein Kilo. Sie mußte für sieben weitere Wochen in einem Brutkasten bleiben, bevor wir sie nach Hause mitnehmen konnten. Meine Frau mußte ebenfalls zwei weitere Wochen dort bleiben, und darüber hinaus brach ich mir auch noch meine Hand bei den Dreharbeiten für eine Fersehsendung.

Bevor meine Tochter geboren wurde, kam ich einmal für einen Besuch nach Los Angeles, und als ich für einen Tag hier war, rief ich meine Frau an und sagte ihr, sie solle sich bereit machen, weil dies der richtige Platz für uns ist. Nach dem das Baby geboren war, warteten wir sechs Monate und kamen dann in die USA. Mein Plan war, hierher zu kommen, um eine Schauspielerkarriere zu starten; zumindest war dies mein Plan. Als ich erst einmal hier war, fand ich heraus, daß nicht all zu viele Leute mich hier kannten (nur die Kampfkünstler), und ich entschied mich, wenn mein Vertrag mit Pancrase beendet war, nicht mehr bei ihnen zu unterzeichnen, damit ich für die Ultimate Fighting Championship (UFC) kämpfen konnte, denn dies war die bekannteste Organisation. Ich dachte, daß auf diesem Weg die Leute mich kennenlernen würden und daß das mir hoffentlich helfen würde bei meinem Versuch, mit etwas Schauspielern anzufangen.

Nun, von diesem Moment an ging alles sehr schnell. Ich kämpfte gegen Kohsaka in meinem ersten Kampf und gewann, und im zweiten Kampf kämpfte ich um den Titel gegen Kevin Randleman und wurde der UFC-Schwergewichts-Champion. Ich legte diesen Titel nieder, weil ich im Mittelgewicht kämpfen wollte (welches mein natürliches Gewicht ist) und versuchte, der erste zu sein, der einen Schwergewichts- und einen Mittelgewichtstitel hatte. Dann hatte ich einige Verletzungen – ein Schulterproblem, ich verdrehte mir mein Knie und als letztes riß ich mir meinen Bizeps ein. Ich fing außerdem an, in Filmen und Fernsehserien mitzuspielen. Ich war Gaststar in Martial Law, in Highway to Hell – 18 Räder aus Stahl, ich hatte eine kleine Rolle in King of Queens, arbeitete sechs Monate in Kanada an einer Fernsehserie namens Freedom als Kampfchoreograph für den Hauptdarsteller in dieser Serie, Holt Mc Calleny. Ich spielte auch in einer Episode davon mit, und ich machte zwei Filme: Behind the Story und einen mit Funaki namens Shadow Fury. Wir kämpfen dort miteinander für ein drittes Mal, diesmal als Superkämpfer-Klone. Das letzte Projekt, das ich machte, war Varley’s Game, und ich bin Varley. Der Hauptbösewicht ist Michael Rooker.

Zum Schluss etwas über die Leute, die ich gerne kennenlerne: Jeder, der in einen Ring, einen Käfig oder auf die Matte geht. Jeder, der in Wettkämpfen antritt. Falls Du niemals selbst gegen andere in Wettkämpfen angetreten bist und Du immer darüber redest, wie Kämpfer dies oder das tun sollten, weißt Du nicht, wovon Du sprichst! Sie sagen häufig “Dieser Typ ist gut, er hat einen Schwarzgurt” oder “Er hatte eine Menge an Strassenkämpfen gemacht” oder “Er ist wirklich gut im Dojo”. Dies alles bedeutet einen Scheiss im Vergleich zum Kämpfen vor Zuschauern, Freunden, Familie, vielleicht im Fernsehen und mit einem echten Kämpfer als Gegner. Nicht mit irgendeinem Typ auf der Strasse, der von nichts eine Ahnung hat. Was hörst Du? Dieser Typ ist unbesiegt in 500 Straßenkämpfen. Na und? Er kämpfte gegen untrainierte Leute. Ich kann in einer einzigen Nacht einen Rekord von 50 zu 0 aufstellen, falls ich möchte. Kämpfe gegen richtige Kämpfer und DANN bist Du der Mann. Egal, ob Du gewinnst oder verlierst, lege einfach nur einen guten Kampf hin.


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