Wappen3
STRATO-SSL_GESICHERT
STRATO_greenIT_logo_small_rgb1
logo
Interview mit Hank Reinhardt

Frage: Welches sind Deiner Meinung nach einige der wichtigsten archäologischen Entdeckungen, die die Einsicht in mittelalterliche Waffen und Rüstungen weiter vertieft haben?

Hank: Falls ich eine archäologische Entdeckung auszuwählen hätte, würden es die Funde aus der Schlacht von Visby (1361 auf der dänischen Insel Gotland) sein. Es wurden an diesem Ort keine Waffen gefunden, und die Rüstungen waren gewissermaßen veraltet, aber die Zustände der Skelette brachten die brutale Natur des mittelalterlichen Kampfes Mann gegen Mann ans Licht. Wir sind an das Töten aus der Entfernung gewöhnt, mit Kugeln und Bomben, aber diese Art des Krieges war Nahkampf. Selbst falls Du unverletzt bliebst, warst Du bedeckt mit dem Blut derjenigen, die Du getötet hattest.

Frage: Welches sind Deine Lieblings-Fechtbücher oder zeitgenössische mittelalterliche Schriften über das Kämpfen aus Westeuropa?

Hank: Mein persönliches Lieblings-Fechtbuch ist dasjenige, das viele andere nicht mögen und in Mißkredit zu bringen versuchen: die Werke von George Silver. Viele seiner Anmerkungen führen mich dazu, zu glauben, daß er in Kämpfen gewesen ist und wußte, wie es ist, mitten im Getümmel zu stehen. Es gibt keinerlei Aufzeichnungen, die dies belegen, aber es ist ein starkes Gefühl, das ich habe. Viele der anderen Fechtbücher sind ebenfalls interessant. Alle enthalten einige gute Dinge, aber sie enthalten ebenfalls einige Bewegungen, die einfach nicht funktionieren, ähnlich denen in einer Menge von Kampfkunstlehrbüchern. Sie können nur bestimmte Dinge abhandeln; sie können Dir nicht sagen, wie die Reaktionszeit Deines Gegners ist oder wie Du vermeidest, daß er Dinge tut, auf die Du nicht vorbereitet bist. Bestenfalls können sie Dir Techniken und Ideen mitgeben, aber sie können Dich nicht zu einem Kämpfer machen.

Frage: SCA, HACA und andere Gruppen erforschen aktiv, wie antike und mittelalterliche Waffen tatsächlich im Kampf eingesetzt wurden. Glaubst Du, daß sie auf dem richtigen Weg sind?

Hank: Ich denke, die HACA ist auf dem rechten Weg, innerhalb bestimmter Grenzen. Die SCA ist wirklich eher beschäftigt mit ihrer Art von Turnierkämpfen, welches nichts mit tatsächlichem Kampf zu tun hat. Das gleiche gilt für die Reenactments. Ganz egal, wie gut sie sind, geht es grundsätzlich darum, eine gute Zeit zu haben und nicht darum, Leute zu töten. Ich möchte dies sicherlich nicht als negativ bezeichnen. Ich habe bei diesen für eine lange Zeit mitgespielt. Aber ich war mir auch bewußt darüber, daß, falls mein Gegner ein echtes Schwert hätte, ich dann nicht irgendeines der bombastisch aussehenden Dinge getan haben würde, die so gut aussehen, aber sehr wahrscheinlich dafür sorgen, daß Du getötet werden wirst, falls sie fehlschlagen.

Frage: Für jemand, der gerade erst in diesem Bereich anfängt, welche Bücher müssen sie unbedingt lesen und welche Museumssammlungen sollten sie besuchen?

Hank: Es gibt eine große Anzahl von Büchern da draußen. Ich habe wahrscheinlich mehr als 400 in meiner Sammlung. Ich würde sagen, die wichtigsten wären The Archeology of Weapons und The Sword in the Age of Chivalry, beide von Ewart Oakeshott, Stones Glossary on the Construction, Decoration and Use of Arms and Armor und Blairs European Armor. Was Museen angeht, so hat The Met in New York eine großartige Sammlung, ebenso die Higgins Armory in Massachusetts. Aber ich würde vorschlagen, so viele zu besuchen, wie Du nur kannst, ganz egal, ob die Sammlung groß oder klein ist und mit so vielen Museumsdirektoren wie nur möglich zu sprechen (Sie werden mich dafür hassen, dies gesagt zu haben, seit es da einen ziemlichen Anstieg an Interesse gibt.).

Frage: Hältst Du das Schwert für eine praktikable Waffe für die Selbstverteidigung in der modernen Zeit? Verwendest Du es als eine solche? Welches sind seine Vorteile/Nachteile?

Hank: Nun, ich liebe Schwerter wirklich, und ich spiele eine Menge mit ihnen herum. Ich mag alt und häßlich sein, aber ich bin nicht dumm. Ich mache eine Menge an Schießen, und ich brachte meinen Töchtern bei, wie man schießt. Ich habe eine hübsche Schrotflinte, mehrere Pistolen und ein paar Gewehre; diese sehe ich als meine Heimverteidigungswaffen an. Was Klingenwaffen zur Heimverteidigung betrifft, so würde ich ein Khukri nehmen oder zumindest ein großes, schweres Messer. Das einzige Schwert, das ich in Betracht ziehen würde, wäre ein kurzes Schwert, mit einer etwa 35 bis 50 cm langen Klinge. Alles andere ist in einem Haus zu lang und zu unhandlich. Moderne Zimmerdecken sind zu niedrig, die Zimmer sind zu klein, um ein Schwert richtig einzusetzen. Rapiere sind großartig, aber eine Untersuchung über Waffen zeigte, daß zu viele Leute mit einer Degenklinge in ihnen steckend, die sie gänzlich durchbohrt hat, weiterkämpfen werden. Ehrlich gesagt erwarte ich von niemandem, daß er in mein Haus einbricht und mich angreift (Meine Nachbarn denken sowieso, daß ich ein Irrer bin). Aber sollte es passieren, dann möchte ich es so schnell wie möglich beenden. Ich bin einfach zu alt, um noch Spielchen zu spielen.

Frage: Machst Du noch immer Deine eigenen Kettenpanzer?

Hank: Ich habe zwei Kettenhemden hergestellt und habe zwei alte repariert. Die Freude, die ich durch das Erreichte bekommen habe, wird für immer mit mir sein. Ich denke nicht, daß ich den Begeisterungstaumel aushalten könnte, ein weiteres herzustellen.


von und mit Hank Reinhardt bieten wir im Onlineshop an:

DVDs:

Hank Reinhardt Sword Set: The Myth of the Sword and Viking Sword DVD Set

The Myth of the Sword

Viking Sword: How to Use the Viking Sword in Real Combat