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Interview mit Major John L. Plaster

Frage: Die neue Auflage von The Ultimate Sniper deckt einen breiten Bereich an Weiterentwicklungen beim Scharfschießen ab, seit das Originalbuch 1993 veröffentlicht worden ist. Welche Entwicklungen hältst Du für am bedeutendsten?

John: Es ist erstaunlich, wie weit wir in etwas weniger als einem Jahrzehnt gekommen sind. Als ich die erste Auflage von Ultimate Sniper geschrieben habe, kostete der Leica Geovid-Laserentfernungsmesser 7.800 Dollar und war so exotisch, daß ich ihn noch nicht einmal angesprochen habe. Heute kann sich jeder Scharfschütze einen guten Laserentfernungsmesser leisten. Ich habe bereits fünf verschiedene Laser besessen oder verwendet, und die Neuauflage erklärt im Detail, wie Du das meiste aus einem Laser machst.
Vor zehn Jahren fing die Arbeit gerade erst an bei der neusten 7,62 mm-Scharfschützenpatrone, der M118 Long Range, welche herangereift ist zu einer hervorragenden Patrone, die die Genauigkeit bei etwa 200 Metern erhöht. Dank der Hilfe von Picatinny Arsenal deckt die Neuauflage dieses Geschoß in beachtlichen Details ab, einschließlich ballistischer Tabellen. Und wenn wir schon über ballistische Tabellen sprechen: Das Buch enthält vollständige Daten über die .300 Winchester Magnum 190-grain “Navy”-Ladung, neben der .50-Kaliber “Raufoss” und der .338 Lapua Magnum.
Taktisch gesehen sind wir ein ganzes Stück weitergekommen auf Grund der Kampferfahrung aus dem Irak und, zu einem geringeren Ausmaß, aus Afghanistan. Die neue Auflage enthält ein vollständig neues Kapitel über Maßnahmen gegen Heckenschützen im Irak, welche auch Sichtweisen des Feindes miteinbeziehen, die ich von Quellen der Aufständischen und der El Kaida gesammelt habe.
Es hat auf jedem Gebiet der Technologie und der Ausrüstung Fortschritte gegeben, und ich bin sicher, daß einige Schützen überrascht sein werden, den heutigen modernsten Stand der Dinge zu sehen.

Frage: Beim “Squad Designated Marksman” (DM)-Programm der U.S. Army werden ausgewählte Einzelpersonen darauf trainiert, Präzisionsschüsse auf bis zu 600 Meter mit einem speziell getunten M16-Gewehr mit einem darauf montierten, qualitativ hochwertigen Zielfernrohr auszuführen. Glaubst Du, daß diese Entwicklung die Rolle der herkömmlichen Scharfschützenteams verändern wird?

John: Das neuste “Designated Marksman”-Konzept der Army ist eine geschickte Methode, um die Reichweite der Beobachtung und des Feuers in einer Schützengruppe zu erhöhen. Sie gibt der Gruppe die Mittel in die Hand, um mit vielen Situationen fertigzuwerden, die in der Vergangenheit einen richtig ausgebildeten und voll ausgerüsteten Scharfschützen erfordert haben würden – von denen es immer zu wenige gibt. Es ist viel einfacher zu reagieren, wenn man einen DM direkt dort in der Gruppe hat und die Schüsse auf weitere Entfernung und die viel schwierigeren Schüsse den ausgebildeten Scharfschützen mit den M24s überläßt.
Ich denke, zu viel Aufmerksamkeit ist der maximalen Schußreichweite der Gruppen-DMs gewidmet worden, während – wie die gegenwärtige Erfahrung im Irak zeigt – seine optischen Fähigkeiten, Ziele und Bedrohungen aus kürzeren Entfernungen zu entdecken, von viel mehr unmittelbarem Wert sind. Damit meine ich, daß das Zielfernrohr auf dem Gewehr des DM es ihm erlaubt, verborgene oder verdeckte Feinde auf 150, 200 oder 300 Metern ausfindig zu machen, die normale Infanteristen niemals sehen würden. Und er ist nicht nur in der Lage, Ziele zu bekämpfen, sondern er sucht ständig Dächer, Fenster und Häuserecken ab, um alle Arten von Bedrohungen für seine Infanteriekameraden zu entdecken. Das ist eine ziemlich starke Fähigkeit, die gut gelegen kommt, ein bedeutender taktischer Vorteil, wenn die große Mehrheit der Feinde keine Zieloptiken hat.
Das herkömmliche Scharfschützenteam hat seinen Wert so sehr im Irak unter Beweis gestellt, daß es immer bei uns sein wird. Aber viele Situationen auf niedrigerem Niveau und kürzerer Entfernung können jetzt von dem DM der Schützengruppe angegangen werden.

Frage: In dem Buch dokumentierst Du einen Treffer auf 960 Meter mit einem .308-Scharfschützengewehr (durch U.S. Marine Corps Sergeant Herbie Hancock). Die Zeitschrift Soldier of Fortune berichtet von einem 1.100 Meter-Treffer mit einem Kaliber .308 (Staff Sergeant Jim Gilliland). Glaubst Du, daß diese Ereignisse Ausnahmen sind oder spiegeln sie die erweiterten Fähigkeiten der heutigen Scharfschützen wider?

John: Dank der Wirksamkeit und Beständigkeit der hervorragenden M118 Long Range .308-Patrone, die ein 175-grain Match-Geschoß verwendet, werden wir viele Treffer auf 900 bis 1.100 Meter sehen. Die ältere M118 173-grain-Kugel ging bei etwa 820 Metern immer in Unterschallgeschwindigkeit, mit einer feststellbaren Verringerung der Genauigkeit; die M852 168-grain Match litt unter dem selben Problem. Die neuere Patrone hat die maximale Reichweite ausgedehnt, so daß wir wieder mit der uralten Herausforderung, dem Wind, umgehen müssen. Bis zu dem Punkt, an dem unsere Scharfschützen den Wind genau “ausknobeln” oder anderwärtig die Auswirkung des Windes minimieren können. Sie können jetzt Schüsse von gut über 900 Metern mit einiger Beständigkeit machen, obwohl ich nicht glaube, daß es zu etwas Alltäglichem wachsen wird. Warum nicht? Es ist ziemlich schwierig – insbesondere in einer Aufstandssituation mit Feinden zwischen Zivilisten –, eine positive Zielerkennung auf über 900 Metern zu erhalten.

Frage: Du lobst die unglaubliche .408 CheyTac in dem Kapitel über Scharfschießen mit schweren Gewehren. Hast Du eine Gelegenheit gehabt, die sogar noch neueren großkalibrigen Scharfschützenpatronen zu bewerten, solche wie die .416 Barrett, die .460 Steyr oder die französische .50 DTC?

John: Ich bin wirklich beeindruckt von dem Potential, das diese neuen Patronen bieten. Ich habe kürzlich die neue .416 Barrett ausprobiert und werde sie vielleicht später in diesem Jahr bewerten. Diese Familie der Patronen – sie bieten einen hohen ballistischen Wirkungsgrad, niedrigen Luftwiderstand und hohe Geschwindigkeit – ist die Zukunft für das Scharfschießen mit schweren Gewehren. Denn schließlich ist die .50-Kaliber-Patrone niemals für das Präzisionsschießen auf lange Entfernung vorgesehen gewesen. Tatsächlich war sie eine hastig erledigte 1. Weltkrieg-Verbesserung von John Browing, der einfach die .30-06-Patrone vergrößerte, damit sie in sein vergrößertes .30-Kaliber-Maschinengewehr paßte, welches zum .50-Kaliber “MaDeuce” wurde (falls Du meine Aussage anzweifelst, stelle eine .30-06-Patrone neben eine .50-Kaliber, und Du wirst sehen, daß sie größenmäßig perfekt proportioniert sind). Wie ich in dem Buch erkläre, bieten diese topaktuellen Gewehre nie zuvor gesehene Genauigkeit, wenn sie mit einem fortgeschrittenen ballistischen Programm kombiniert werden, um zu helfen, Schüsse auf über 1.370 Meter zu berechnen.

Frage: In dem Vorwort zu Deinem Buch unterstützt Du das “Adopt-a-Sniper”-Programm unter www.americansnipers.org. Du mußt viel von dem Programm halten, um ihm eine solch hohe Beachtung in dem Buch zu schenken.

John: Ich habe Adopt-a-Sniper-Mitbegründer Brian Sain, ein Polizei-Scharfschütze aus Texas, und eine Anzahl von seinen Freiwilligen getroffen und mit ihnen gesprochen. Diese Typen sind von der Art, von der ich wünschte, daß wir sie vor 40 Jahren gehabt haben würden, als wir in Südostasien kämpften. Denke an all die kleinen, schwer zu bekommenden Dinge, die Du benötigst, um Deine Arbeit zu erledigen – schwarzes Klebeband, Linsenreinigungspapier, selbst Laser-Entfernungsmesser –, und das ist es, was sie beschafft und verschifft haben zu unseren U.S. Army- und Marine Corps-Scharfschützen in Irak und Afghanistan. Und sie verdienen nicht einen Cent oder berechnen irgend etwas dafür. Ihre Begeisterung und ihr reiner Patriotismus sind ihre Inspiration. Ich bitte dringend jeden, der daran interessiert ist, unseren Truppen zu helfen, auf ihre Webseite zu gehen und, in jeder möglichen Art und Weise, in der Du es Dir leisten kannst, unseren Scharfschützen zu helfen.

Frage: An welchen anderen Projekten arbeitest Du jetzt, da Du die überarbeitete und erweiterte Auflage von Ultimate Sniper vollendet hast?

John: Nach 10 Jahren des Herumprobierens habe ich kürzlich eine Gewehr-Schießabstützung namens “The Rifle Stabilizer” perfektioniert. Es funktioniert wie ein Zweibein, ist aber einfach ein ausziehbares Einbein, das an Deinen Gürtel geklemmt wird. Es schwingt herauf, unter den Unterarm, und verbessert dadurch die Kippsicherheit so, daß es Deine Schußgruppenbilder garantiert um die Hälfte verkleinert. Wenn es nicht im Gebrauch ist, hängt es einfach an Deiner Seite.
Ein weiteres Projekt, das seit mehr als 10 Jahren läuft, ist ein neues, bahnbrechendes Gewehr-Zielfernrohr, von dem ich hoffe, daß es das Gewehrschießen mit Zielfernrohren revolutionieren wird (das ist alles, was ich im Moment darüber sagen kann).
Mein Lieblingsprojekt ist die detaillierte Geschichte über Heckenschützen und das Scharfschießen, an der ich schreibe, von dem Französisch-Indianischen Krieg bis heute. Während ich darüber nachforschte, habe ich Museen in den Vereinigten Staaten und in Europa besucht, habe die Schlachtfelder des amerikanischen Bürgerkriegs und des Revolutionskriegs abgeschritten (mit einem Laser-Entfernungsmesser!) und habe von der in Vergessenheit geratenen Vergangenheit die Namen von so manchem feinen Gewehrschützen und Scharfschützen losgeeist, deren Leistungen anzuerkennen sein werden. Dieses Buch erzählt nicht nur die Geschichte, sondern es folgt der Entwicklung von Zieloptiken, Gewehren, Munition und Taktiken nach. Ich denke, daß jeder, der an der Militärgeschichte und an Feuerwaffen interessiert ist, es wirklich lieben wird (das Buch ist inzwischen unter dem Titel The History of Sniping and Sharpshooting veröffentlicht worden).


von und mit Major John L. Plaster bieten wir im Onlineshop an:

DVDs:

Ultimate Guide to Precision Shooting

Ultimate Guide to Deer Hunting

Ultimate Sniper III: The Video

Advanced Ultimate Sniper: State-of-the-Art Tactics, Techniques, and Equipment for Military and Police Snipers

The Ultimate Sniper: The Video

Marine Sniper Legend Carlos Hathcock: His Own Words