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Interview mit Michael D. Janich

Frage: Du bist für Deine Messerarbeit bekannt, also laß uns anfangen, darüber zu sprechen.

Michael: Ich fing an, Interesse an dem Messer zu finden, als ich meine erste Kampfkunst trainierte, die eine zusammengemischte Kampfkunst namens American Self-Protection war. Sie wurde erfunden von Evan S. Baltazzi und besteht aus Elementen des Judo, Aikido, Boxen und Savate.

Frage: War das in Colorado?

Michael: Es war tatsächlich in Chicago; ich wuchs kurz außerhalb von Chicago auf. Diese bestimmte Kampfkunst war hauptsächlich verbreitet im mittleren Westen, von Ohio bis Illinois, und auch einige Leute unten in Texas trainierten sie. Sie breitete sich niemals so richtig aus. Es gab da einige waffenlose Verteidigungen gegen Messer, die Bestandteil des erforderlichen Lehrplans waren. Wir übten mit Holz- und Gummimessern, aber ganz egal, wie viel Du übtest und wie sehr Du es versuchtest, Du endetest trotzdem immer damit, “geschnitten” zu werden. Ganz der Klugscheißer-Teenager, der ich war, sagte ich meinem Lehrer, daß die Techniken nicht funktionieren. Er sagte mir: “Falls Du wissen möchtest, wie Du Dich gegen eine Waffe verteidigst, mußt Du zuerst lernen, die Waffe zu benutzen.” Also sagte ich: “Okay, unterrichte mich mit dem Messer.” Er war ein ehemaliger U.S. Army Ranger, und er unterrichtete die Grundlagen des militärischen Messerkampfs. Ich fand das nicht besonders hilfreich, also fing ich an, Nachforschungen anzustellen, und auf diese Weise fand ich Paladin Press. Einige ihrer ersten Bücher, die ich von ihnen bestellte, handelten vom Messerkampf.

Frage: Paladin hat noch immer die coolsten Bücher, die es gibt.

Michael: Es gab da ein paar Dinge, die gewissermaßen alle gleichtzeitig passierten. Ein Freund von mir wies mich auf die Zeitschrift Soldier of Fortune hin. David Steele schrieb damals für sie.

Frage: Im welchem Jahr war das?

Michael: Das war so um 1976, 1977. Ich fing an, Soldier of Fortune zu lesen, die David Steele-Artikel über Messer, besorgte mir Bill Cassidys Buch The Complete Art of Knife Fighting und David Steeles Buch Secrets of Modern Knife Fighting und fing an, mir all dieses Zeug anzuschauen. Eine Menge dieser Informationen verwiesen auf Handbücher und Dienstvorschriften aus dem 1. und 2. Weltkrieg. Also fing ich an, diese ebenfalls zu sammeln.
Je mehr ich darüber las und darüber nachdachte, desto mehr wurde ich beeindruckt von den Möglichkeiten des Messers als eine Waffe. Ich fing aktiv mit dem Training mit Messern an, machte eine Menge an Messersparring, einfach bloß mit anderen Leuten in meiner Kampfkunstgruppe arbeitend, Dinge nebenbei zu tun, die es uns erlaubten, durch Ausprobieren unsere Messerfertigkeiten zu entwickeln. Ich begann außerdem, Nachforschungen über die philippinischen Künste anzustellen, aber unglücklicherweise war zu der Zeit nicht all zu viel an Informationen über diese zu finden.

Frage: Was war Dein nächster Schritt von da aus?

Michael: Ich trat in die Army ein, als ich 17 war, in das U.S. Army Intelligence Security Command und ging zum Defense Language Institute, um ein Chinesisch/Mandarin-Linguist zu werden.

Frage: Fingst Du ganz von vorne an oder hattest Du vorher Unterricht gehabt?

Michael: Das war ohne Vorkenntnisse, geradewegs nach der High School. Ich ging zur Schule für Chinesisch, weil ich dachte, ich kann in chinesische und asiatische Kultur einsteigen und daß dies mir auch bei meinem Erlernen der Kampfkünste helfen würde, gewissermaßen so wie Latein zu studieren, und um dies zu benutzen, um meine Ziele weiter zu verfolgen.

Frage: Wie steht es mit Deinem Lesen von Chinesisch?

Michael: Auf dem Höhepunkt meines Lernens konnte ich wahrscheinlich um die fünf- bis sechstausend Schriftzeichen lesen. Um eine Zeitung zu lesen benötigst Du ungefähr dreitausend oder so. Eine Menge von diesem Zeug, das ich machte, war wirklich auf das Zusammentragen von Geheimdienstinformationen ausgerichtet. Wir hatten also ein eingeschränktes Vokabular. Aber das Fortgeschrittenentraining, das ich in Chinesisch erhielt, war ausgerichtet auf eine Menge an politischem und militärischem Zeug.

Frage: Irgendwelche Schätze an Informationen für uns?

Michael: Nach dem ich mein Sprachentraining abgeschlossen hatte, wurde ich der National Security Agency (NSA) zugeteilt und war einer der wenigen Militärangehörigen, die in der Abteilung für chinesische Politik arbeiteten. Die meisten der Leute dort waren Berufsbeamte im Staatsdienst, eine Vielzahl von ihnen hatte Zeit in Taiwan verbracht, so daß ihr Chinesisch also sehr gut war. Ich war in einer Umgebung, in der es eine Menge Druck von Kollegen gab, und ich war in der Lage, mich in der Organisation einzufügen. Und schließlich kam ich mit einigen guten Informationen hervor.

Frage: Wo ist das gewesen?

Michael: Dies war die National Security Agency in Fort Meade in Maryland.

Frage: Als nächstes?

Michael: Ich entschied mich dafür, für Vietnamesisch an die Sprachenschule zurückzukehren.

Frage: War das eine schwierige Sprache?

Michael: Nun, im Chinesischen ist es sehr schwierig, weil es da kein wirkliches phonetisches System gibt. Du kannst also nicht auf ein Schriftzeichen sehen und seine Aussprache bestimmen. Die Vietnamesen verwendeten tatsächlich für eine Zeit lang chinesische Schriftzeichen, bevor sie dann anfingen, ihre eigenen Schriftzeichen zu verwenden. Die Vietnamesen gingen von den chinesischen Schriftzeichen über zu etwas, das sie als “chu Nom” bezeichnen, ihrer Variante der chinesischen Schriftzeichen. Aber als die französischen Missionare ins Land kamen, veränderten sie dies zu lateinischen Buchstaben. Es ist trotzdem noch immer eine tonale Schrift, genauso wie Chinesisch. Mandarin hat vier Töne, und Vietnamesisch hat sechs.

Frage: Als Du Vietnamesisch gelernt hast, war das auf ein bestimmtes Ziel hin ausgerichtet?

Michael: Ich habe zu der Zeit geheiratet. Meine Frau war ebenfalls eine Linguistin, die Koreanisch lernte, und das Ziel für meine Frau war, auf die Universität zu gehen und ihren Abschluß zu bekommen. Ich verlängerte meine Dienstzeit in der Army, grundsätzlich um uns finanziell zu versorgen, während sie auf die Universität ging, und ich wollte eine Sprache aussuchen, die mir einen Auftrag geben würde, der mich dorthin schicken würde, wo es eine Universität gab, die ihren Bedürfnissen entsprach.
Vietnamesisch zu wählen war eher, um einen ausgewählten Dienstposten zu bekommen als irgendeine bestimmte Vorliebe für die Sprache. Ich durchlief den Vietnamesischkurs und, genau wie bei dem Chinesischkurs, schloß mit Auszeichnung ab, erhielt den Commandant’s Award und wurde danach einer Dienststelle auf Hawaii zugeteilt.

Frage: Nun, laß uns dies ein wenig zurückverfolgen. Mit welchen Kampfkünsten hast Du Dich beschäftigt, als Du in Maryland stationiert gewesen bist?

Michael: Eine der großartigsten Sachen darin, in der Army zu sein ist, daß Du zu irgendeinem Militärposten auf der Welt gehen kannst, und wenn Du in das Gym gehst, wirst Du Leute finden, die Kampfkünste machen. Es wird da organisierten Unterricht geben, Dinge werden durch das Freizeitzentrum unterrichtet, und dann wirst Du Leute haben, die einfach bloß trainieren. Während ich dort war, traf ich einen Typ, der ein Schwarzgurt in Taekwondo und Wu Ying Tao war. Wu Ying Tao ist der Stil, den Dan Anderson unter Bruce Terrill trainierte, und dieser Stil war verantwortlich für seinen ungeheuren Erfolg in seiner Turnierlaufbahn. Mein Freund Steve Whittle war ein Stallgefährte von Anderson, und ich übernahm eine Menge von ihm. Er und ich trainierten aktiv, als ich Chinesisch lernte. Ich zeigte ihm einiges von dem Savate, das ich erlernt hatte, so daß es ein guter Austausch an Informationen war.

Frage: Wo hast Du Savate aufgegriffen?

Michael: In dem ersten Stil, den ich trainierte; all das Trittzeug in ihm ist hauptsächlich Savate. Es war eine Menge an niedrigen Tritten, Unterleibstritte und ziemlich praktisches Zeug. Der Erfinder des American Self-Protection trainierte Savate und französische Spazierstock-Kampfmethoden, und das lieferte viel für die Grundlage der Beinarbeit in diesem Stil.

Frage: Hast Du ebenfalls Spazierstockkampf trainiert?

Michael: Der Stockkampf, der in ASP unterrichtet wurde, war eine Kombination aus Aikido-Jo-Arbeit und einiges des Spazierstockkampfzeugs.

Frage: Der Jo ist so wirkungsvoll, daß er eine gute Ergänzung für jedermann ist. Ich habe keine Ahnung, wie er seinen Weg ins Aikido fand. Er war für solch eine lange Zeit ein Stil für sich allein.

Michael: Oh ja, er ist eine großartige Waffe. Er ist ein bißchen länger als ein Spazierstock, und der Spazierstock ist heute sehr beliebt geworden. Jedermann möchte einen Krückstock mit gebogenem Griff benutzen, und jedermann möchte den Haken einsetzen. Mir gefällt das nicht. Ich mag es, einen geraden Stock zu verwenden.

Frage: Warum?

Michael: Weil er eine wahre doppelendige Waffe ist und Du Dir nicht darüber Sorgen zu machen hast, unsymetrisch zu sein. Ich mag es, in der Lage zu sein, ihn herumzudrehen. Er erlaubt es Dir, aus bestimmten Positionen zurückzukommen, die andernfalls beeinträchtigt sind.

Frage: Hast Du zufällig irgendwelche philippinischen Künste in Maryland aufgegriffen?

Michael: Ich hielt nach ihnen Ausschau, aber es gab dort keine zu finden. Das war vor Remy Presas. Mein Lieblingskampfkunstbuch aller Zeiten war Dan Inosantos Filipino Martial Arts, und ich habe buchstäblich meine erste Ausgabe zerschliessen, als ich mich durch sie hindurcharbeitete, und dabei war es, wo ich wirklich eine Leidenschaft für das philippinische Zeug entwickelte.
In Maryland traf ich einen Typ, der sowohl WingTsun mit Leung Ting als auch Nordstil-Kung Fu trainiert hatte. Erneut war es eines dieser formlosen Dinge. Wir gingen hinein in das Gym und fingen an, Informationen auszutauschen. Ich zeigte ihm eine Menge über Waffen und an Tritten, und er brachte mir WingTsun bei. Das ging so weiter über zweieinhalb Jahre.

Frage: In welchem Jahr gingst Du nach Hawaii?

Michael: Ich ging 1985 dorthin.

Frage: Ich nehme an, Du erhieltst einen warmherzigen Empfang von den Einheimischen? “Komm her, Haoles, wir wollen Dein Freund sein.”

Michael: Nein. Zuerst einmal war ich ein Haole (Weißer), zweitens war ich vom Militär, also hatte ich zwei Punkte, die gegen mich sprachen. Als ich erst einmal dort war, hielt ich aktiv Ausschau nach philippinischen Kampfkünsten. Ich schaute mich um und kontaktierte verschiedene philippinische Gruppen. Sobald sie herausfanden, daß ich kein Filipino war, schlossen sich die Türen.

Frage: Du warst also für vier Jahre in Hawaii?

Michael: Ja. Schließlich traf ich einen Mann namens Raymond Tabosa, und er war einer der alten Großmeister auf Hawaii. Ich trainierte mit seiner Gruppe für etwas weniger als ein Jahr, bis sich mein Dienstplan änderte und ich es nicht mehr zum Unterricht schaffen konnte.

Frage: Was decktest Du mit ihnen ab?

Michael: Nun, ihr Stil behandelte hauptsächlich die Cinco Teros (die fünf Hauptschläge). Das meiste von dem Zeug war sehr stockorientiert. Ich hielt Ausschau nach Messern, aber sie waren sehr widerwillig darin, es zu unterrichten. Am Ende lernte ich etwas, aber ich war nicht sehr beeindruckt. Es war sehr reglementiert, nicht annähernd so flüssig und spontan wie das Zeug, das ich später erlernte.

Frage: Hast Du gesparrt?

Michael: Zum größten Teil nicht. Es waren hauptsächlich Drills, sehr statisch, den Nummern nach u.ä. Und dann geriet mein Arbeitsterminplan in Konflikt damit, zu irgendeinem anderen Unterricht zu gehen. Aber wieder einmal traf ich mich mit anderen Kampfkunstleuten und fuhr damit fort, Informationen auszutauschen. Ich trainierte mit einigen Kenpo-Leuten und mit Kajukenbo-Leuten.

Frage: Wie gefiehl Dir Kajukenbo?

Michael: Es gefiehl mir besser als Kenpo. Kenpo war für mich in vielerlei Hinsicht kompliziert, bloß um eine Sache kompliziert zu machen. Eine Menge der Techniken scheinen nicht natürlich zu fließen. Wenn Du die Kajukenbo-Leute beobachtetest, schien es praktischer zu sein. Es gab da dennoch das Konzept des Kenpo-Overkills. Wir machten immer Witze darüber und sagten: Okay, nach dem ich ihn hier getroffen, dort getreten, seine Augen ausgestochen und ungefähr ein Dutzend anderer Techniken ausgeführt habe, werde ich ihm nun seine Schuhe ausziehen, seine Brille verschmieren und seine Wimpern miteinander verknoten.

Frage: Einige Leute haben mir erzählt, daß einiges an Kajukenbo ziemlich rauh ist, wobei die Leute wirklich ans Extrem gehen.

Michael: Nun, das variiert von Schule zu Schule. Einige Typen sehen mehr nach Kenpo aus und andere wollen einfach nur hart drauflosknallen.

Frage: Hast Du irgendwelche anderen Künste auf Hawaii trainiert?

Michael: Ich habe etwas Aikido gemacht. In dem ersten Stil, den ich ausgeübt habe, ASP, waren alle Anforderungen für den 2. Dan auf Aikido ausgerichtet. Also erlernten wir all die grundlegenden Würfe und Handkantenzeugs. Da ich damit vertraut war, nahm ich an einem Aikido-Unterricht teil, aber endete damit, aus dem Unterricht geschmissen zu werden.

Frage: Warum?

Michael: Nun, sie liebten all diese Aikido-Gauklertricks – der unbeugsame Arm und der nicht anhebbare Körper. Und das ist fein, falls Dir diese Art von Dingen gefällt. Aber in jedem Unterricht wurden diese Tricks fortgesetzt, und es kam zu dem Punkt, an dem ich nicht mehr länger ein Pokerface aufrechterhalten konnte. Ich zeigte gewissermaßen meine Geringschätzung für die Vorgehensweise des Lehrers gegenüber den Dingen, und ich wollte ebenfalls nicht einen teuren Gi von ihm von seinem überteuerten Kampfsportartikelladen kaufen. Ihm gefiel das nicht.
Schließlich kam der Lehrer eines Tages zu mir herüber, um mir die Übung mit dem nicht anhebbaren Körper erneut zu zeigen. Ich sagte ihm: “Wissen Sie, ich bin daran nicht interessiert. Können wir nicht bitte etwas Nützliches lernen?” Er wurde richtig sauer, nannte mich einen respektlosen und schlechten Schüler und sagte mir dann nochmals, ich sollte versuchen, ihn hochzuheben. Anstatt nun nach seinen Regeln zu spielen – ihn unter den Achseln anzuheben – ging ich hinunter, ergriff ihn an der Taille, hob ihn hoch und trug ihn im Raum herum. Er wurde wirklich stinksauer und sagte mir, er würde mich aus dem Unterricht werfen. Ich antwortete ihm, er könne mich nicht rauswerfen, weil ich nämlich aufhöre!

Frage: Dies war zwei Jahre nach Deiner Ankunft auf Hawaii. Wie ging es mit Deiner Sprachentschlüsselung bei der Army voran?

Michael: Ich machte mich sehr gut in Vietnamesisch. Nach einem Jahr an Training hatte ich eine Sprachbewertung zwischen 3 und 3+, was das Gegenstück zu einem an einer High School ausgebildeten Sprecher mit einem ordentlichen einheimischen Akzent sein würde. Dies erlaubte es mir, aufzusteigen von einem einfachen Sprachaufzeichner hin zu einem Aufschreiber, wo Du tatsächlich entweder wortgetreu oder nahezu wörtlich die abgehörten Kommunikationen aufschreibst.

Frage: Abgesehen davon, normale Operationen für Geheimdienstinformationen auszuführen: Gab es irgendwelche gesteigerte Bedeutung dahinter, vietnamesische Sendungen während der 80er Jahre abzuhören?

Michael: Grundsätzlich war Vietnam eine der kommunistischen Hardcore-Gesellschaften, genauso wie Nordkorea und Kuba. Die Menge an Geheimdienstinformationen, die von dort kam, war eingeschränkt, weil wir nicht so viel Zugang hatten, wie wir ihn zu anderen geographischen Gebieten hatten. Auch war zu dem damaligen Zeitpunkt der Ermittlungsaufwand über Vermisste und Kriegsgefangene noch immer am Laufen, obwohl der Krieg selbst offiziell 1975 geendet hat. Es gab noch immer viele verbleibende Fragen, was das Schicksal von amerikanischen Kriegsgefangenen und Vermissten anging.

Frage: War das, als Du nach Thailand gingst, um dort zu arbeiten?

Michael: Ja, ich trat dem JCRC (Joint Casualty Resolution Center) bei, für einen zeitlich befristeten Dienst in der amerikanischen Botschaft in Bangkok. Das JCRC trug die Verantwortung über die Ermittlungen der Schicksale von im Vietnamkrieg vermissten Amerikanern. Die Abteilung in Bangkok führte alle Befragungen von vietnamesischen Flüchtlingen und Boat People in all den Flüchtlingslagern überall in Asien durch. Diese Organisation suchte und sprach mit all jenen Flüchtlingen, die Informationen über im Einsatz vermisste Soldaten hatten.
Dies war 1988, und die Vietnamesen sagten schließlich: Ja, wir werden amerikanische Teams nach Vietnam kommen und vor Ort Ermittlungen durchführen lassen. Die Organisation ging buchstäblich zu Absturzstellen und Begräbnisstätten und versuchte aktiv, Überreste von Amerikanern zu bergen. Als ich zum ersten Mal in Thailand arbeitete, wurde ich einem Team zugeteilt und hatte einen Abstecher mit ihnen nach Vietnam zu unternehmen. Ich machte es gut und schuf mir einen Ruf in Kreisen der Kriegsgefangenen-/Vermisstensuche. Als ich aus der Army ausschied, fing ich an, als ein Geheimdienstoffizier und Einsatzauswerter für die Defense Intelligence Agency (DIA) in Hongkong zu arbeiten und kehrte später zurück, um für die JCRC als ein Ermittlungsteamleiter in Vietnam und Laos von Bangkok aus zu arbeiten.

Frage: Unter dem Strich gesehen: Was hast Du über die Vermissten herausgefunden?

Michael: Die größte Verschwörung war, daß die US-Regierung ganz einfach das amerikanische Volk belog über die Art und Weise der Zusammenarbeit mit den Vietnamesen im Zusammenhang mit den Ermittlungsanstrengungen.

Frage: Also war die ganze Geschichte über die vietnamesische Zusammenarbeit mit den USA ein Schwindel?

Michael: Die Vietnamesen hielten uns die ganze Zeit über zum Narren. Sie manipulierten den gesamten Vorgang und logen uns die ganze Zeit über an. Sie wollten die Beziehungen normalisieren für ihren eigenen wirtschaftlichen Nutzen. Sie wollten verzweifelt, daß das Wirtschaftsembargo aufgehoben wird und daß Leute nach Vietnam kommen, um dort Geschäfte zu machen. Sie lernten sehr schnell, daß die USA sich verzweifelt bemühten, den Eindruck von Fortschritt zu erzeugen. Obwohl sie uns also belogen und manipuliert hatten, sagten wir trotzdem, daß wir Fortschritte machten.

Frage: Selbst bei schlechten Ergebnissen?

Michael: Oh ja. Sie berichteten in glühenden Worten und sagten, daß die Dinge großartig verliefen. Das war nicht der Fall, und die Familienangehörigen der Vermissten wußten das. Also war die größte Vertuschung die, daß die US-Regierung sagte, wir machen Fortschritte, während die Vietnamesen uns die ganze Zeit über angelogen hatten. Sie fahren wahrscheinlich noch heute damit fort, uns zu belügen, so weit es die tatsächlichen Dinge angeht von dem, was mit diesen Jungs passiert ist, was sie darüber wissen und welche Art von Unterlagen sie haben.

Frage: Was ist Deine Schlußfolgerung?

Michael: Die Vietnamesen sind Gewohnheitstiere. Ich glaube, daß Amerikaner nach 1973 am Leben gelassen wurden; sie wurden wahrscheinlich am Leben gelassen bis zwischen 1985 und 1987. Und das basiert auf einigen der Befragungen, die ich mit Leuten durchgeführt hatte, die Gründe dafür hatten, von diesen Dingen zu wissen. Um 1988, als die Vietnamesen sich dafür entschieden, daß sie Amerikanern erlauben würden, in das Land zu kommen, wußten sie, daß es da keine Möglichkeit gab, daß sie noch irgend jemand am Leben vorfinden würden, weil es sie nicht mehr gab. Es gab da gut dokumentierte Fälle, in denen wir von den Vietnamesen sterbliche Überreste erhielten, die Anzeichen aufwiesen für langzeitige, oberirdische Lagerung, und die Vietnamesen sagten: Nein, diese sind frisch ausgegraben worden. In einigen Fällen vergruben sie tatsächlich die Überreste erneut und ließen uns sie mit enormem Kostenaufwand ausgraben.
Es war eine sehr ehrenwerte Anstrengung, aber alle unsere Berichte wurden verändert oder umgeschrieben von unseren Vorgesetzten, um den Eindruck zu erwecken, daß etwas anderes passierte.

Frage: Und es gibt da nichts, was Du dagegen tust?

Michael: Nun, letztendlich tat ich es. Als ich diese Stellung verließ, wurde ich vom Kongressmitglied Bob Dornan aus Kalifornien gebeten, gegen die Regierung auszusagen. Er leitete einen Kongressausschuß, um die Normalisierung der Beziehungen zu Vietnam zu blockieren. Sie riefen all die Kriegsgefangen-/Vermissten-Experten zur Aussage vor dem Kongress auf bezüglich der Art und Weise der vietnamesischen Zusammenarbeit – um zu sehen, ob die Vietnamesen es Wert waren, die Beziehungen zu normalisieren. All die Leute, die noch immer aktiv beschäftigt waren von der Regierung, insbesondere all jene in einer Machtposition, traten auf und gaben die Richtung der Partei wieder, lobten die Vietnamesen und logen über die Situation. Ein paar wenige Leute wie ich selbst, die nicht mehr für die Regierung arbeiteten und frei das aussprechen konnten, was sie dachten, traten dort nach vorne und erzählten ihnen, was wirklich vor sich ging.

Frage: Was war das Ergebnis?

Michael: Wozu ich mit Unterlagen, die ich gesichert hatte, im Stande war, war grundsätzlich zu zeigen, daß der General, für den ich arbeitete, die Wahrheit untergrub und einen schlampigen Job bei einigen der Ermittlungen machte, um den Eindruck von Fortschritt zu erwecken.

Frage: Wie ist sein Name?

Michael: Thomas Needham. Er erwies den Familien der Vermissten einen schlechten Dienst.

Frage: Warum kehrte er einfach alles unter den Teppich?

Michael: Er wollte bloß Fälle erledigen. Es war für ihn einfach nur eine Sache von Zahlen. Falls es da also zweitausend ungelöste Fälle gab und er eintausend von diesen zur Lösung vorschlagen konnte, war das eine Menge an Fortschritt. Aber sie machten alles unmoralisch und illegal. Und ich rettete einige der Berichte, die sehr offensichtliche Beispiele für diese Arten von Fehlverhalten waren. Diese wurden in die Kongressakten aufgenommen und ließen jedermann für einen kurzen Zeitraum rotieren, dann ebbte es ab.

Frage: Wie lange hast Du in Hongkong gearbeitet?

Michael: Ich arbeitete in Hongkong für etwas weniger als zwei Jahre und zog dann nach Bangkok.

Frage: Du mußt bestimmt jede Kung Fu-Schule dort besucht haben?

Michael: Das Problem während meines Aufenthalts in Hongkong war, daß ich sehr regelmäßig viel herumreiste und eine Menge an Zeit in Thailand, Macao und auf den Philippinen verbrachte. Obwohl ich in Hongkong lebte, erlaubte es mir mein Arbeitsplan unglücklicherweise nicht, aktiv zu trainieren. Wieder einmal war es eine dieser Sachen, in der ich hauptsächlich durch Freunde in den Konsulaten meine Übung erhielt.

Frage: Irgendwelche interessanten Dinge auf den Philippinen aufgeschnappt?

Michael: Auf den Philippinen konnte ich wirklich meine Waffensammlungen erweitern und war in der Lage, ein wenig authentische philippinische Kampfkünste zu sehen. Aber die Abstecher auf die Philippinen fanden zu einer Zeit statt, in der die NPA (New People’s Army; kommunistische Rebellen) sehr aktiv darin war, amerikanische Soldaten zu töten; es gab eine Menge an Einschränkungen für meine Reisen. Es lief praktisch so ab: Flieg ein, geh dorthin, wo Du hingehen mußtest, flieg aus und verhalte Dich unauffällig.

Frage: Was war mit Bangkok? Hast Du irgendwelches Muay Thai oder Krabi Krabong gemacht?

Michael: Ich habe etwas Muay Thai gemacht. Es gab da einen Typ, Jim Webb. Er war der 1. Special Forces Group zugeteilt, und ich traf ihn, als er zeitweilig in Bangkok Dienst tat. Wir unterhielten uns über Kampfkünste, als ich in Hongkong war, und als ich nach Bangkok zog, war er dort. Sein Sohn Tony trainierte aktiv Muay Thai in einem der Gyms dort. Also kamen wir drei zusammen, und Tony trainierte uns.

Frage: Du gingst für einige Zeit nach Pattaya?

Michael: Ja, das tat ich, weil alle unserer Einsätze von Thailand aus über die Utaphao Air Base liefen, welche etwa eine halbe Stunde außerhalb von Pattaya liegt.

Frage: Wie lange bliebst Du in Thailand?

Michael: Ungefähr zweieinhalb Jahre.

Frage: Und dann?

Michael: Während ich in Thailand war, wurde ich praktisch von der vietnamesischen Regierung aus Vietnam herausgeworfen. Es gibt da ein Buch namens Inside The Hanoi Archives, in dem sie über einen Zwischenfall sprechen, der sich in Vietnam erreignete und der die vietnamesische Regierung bloßstellte. Sie entschieden, wie du mir, so ich dir und wollten sich an einem Amerikaner rächen. Da ich ihnen auf die Zehen trat, so weit es sich um das Berichten über ihre Verletzungen von bestimmten, vorhergeplanten Vereinbarungen handelte, war ich ein guter Kandidat. Also vertrieben sie mich aus dem Land, und ich bin seit dem nicht mehr zurückgekehrt.

Frage: Du bist auch in Laos gewesen. Wie gefiel es Dir dort?

Michael: Vientiane ist eine wundervolle kleine Kolonialstadt – wirklich gute Restaurants, ein sehr reizvoller Ort. Abgesehen davon ist Laos sehr rückständig. Es ist nicht annähernd so dicht bevölkert wie Vietnam, und es gibt da einfach nicht sehr viel. Wundervolle Landschaft, gelegentlich sehr ekliges Wetter. Wir bewegten uns überall per Hubschrauber hin, weil das Straßennetz furchtbar ist.

Frage: Hast Du noch immer den französischen Einfluß gespürt?

Michael: Nicht wirklich. Grundsätzlich gingen die Laoten einher mit den Vietnamesen am Ende von 1975, so weit es den Kommunismus betrifft. Den durchschnittlichen Laoten kümmert es wenig, wie seine Regierung aufgebaut ist.

Frage: In welchem Jahr kehrtest Du in die USA zurück?

Michael: 1988. Dem General, für den ich arbeitete, gefiel die Idee nicht, Zivilisten für ihn arbeiten zu lassen, und weil ich des Landes verwiesen worden war, hegte er einen besonderen Groll gegen mich. Zwei Zivilisten, einem anderer Typ vom Militär und mir wurden vordatierte Befehle gegeben, die besagten, daß wir schnellstens in Hawaii sein müßten oder wir unsere Jobs verlieren würden. Er versuchte uns sauer zu machen und uns zum Kündigen zu bringen. Da ich zu dem Zeitpunkt keinerlei berufliche Perspektiven hatte, ging ich mit meiner Frau und meinem Kind nach Hawaii. Und 361 Tage später verließ ich es.

Frage: Hattest Du Gelegenheit, Kampfkünste zu trainieren, bevor Du Hawaii verließt?

Michael: Oh ja. Ich fand einen großartigen Lehrer, der Serrada Eskrima unterrichtete, in einem buddhistischen Jugendzentrum. Er war tatsächlich ein chinesisch-vietnamesischer Typ, und er war phantastisch. Also nahm ich das voll auf und beendete praktisch ein Zweijahresprogramm an Unterricht in etwa acht Monaten und erhielt meinen Trainergrundschein in Serrada, während ich auf Hawaii war.

Frage: Machten sie Sparring?

Michael: Ja, wir machten Sparring. Serrada stammt von Angel Cabales – er eröffnete 1965 die erste öffentliche Eskrima-Akademie in Stockton. Es ist ein Nahkampf-Stil, verwendet einen kurzen Stock, in mancherlei Hinsicht dem Pekiti ähnlich. Aber ihre Trainingsmethodik ist eine der Sachen, die ein Können wirklich schnell entwickelt. Sie machen eine Menge an Flow Drill-Sparring, einfach gute Nahkampf-Stockarbeit, und sie machen auch eine Menge an Espada y Daga.

Frage: Und wo gingst Du als nächstes hin?

Michael: Direkt hier nach Colorado.

Frage: Warum ausgerechnet nach Colorado, bei all den möglichen Orten in den Vereinigten Staaten?

Michael: Ich habe Colorado während der High School besucht und mochte es, aber hauptsächlich war ich beeindruckt von der in Colorado ansäßigen Firma Paladin Press – der Firma, für die ich jetzt arbeite. Als ich noch in Vietnam arbeitete, schrieb ich mein erstes Buch über Blasrohre und ließ es durch Paladin Press verlegen. Dann schrieb ich ein Buch über Messerkampf, das sie ebenfalls veröffentlichten. Ich bin schon immer von der Firma beeindruckt gewesen, seit ich anfing, ihre Bücher zu kaufen, als ich 12 oder 13 war, und als Autor mit ihnen umzugehen beeindruckte mich noch viel mehr durch ihre Professionalität. Ich schickte Bewerbungsunterlagen aus an jede Abteilung in der Regierung, um von Hawaii wegzukommen, und gewissermaßen skurillerweise schickte ich ihnen ebenfalls einen Lebenslauf und ein Bewerbungsschreiben zu. Es gab da einen Satz in meinem Bewerbungsschreiben, der sich wie folgt las: “Ich habe Werke geschrieben für Leserkreise, die von Mitarbeitern bis zu Mitgliedern des National Security Council reichten, in Stilen, die von akribisch detailiert bis zu verächtlich zweideutig reichten.” Das weckte das Interesse des Bosses. Also brachten sie mich zu einem Vorstellungsgespräch herein. Dies war 1994. Zu der Zeit wollten sie ihre Videoproduktionsarbeiten im eigenen Haus machen. Ich hatte eine Anzahl von Videos vor der Kamera mit Panther Productions gemacht und hatte Filme und Videos als Hobby gehabt, seit ich ein Kind war. Wir sprachen darüber und eine Sache führte zur nächsten, sie boten mir einen Job an, ich nahm an, gab mein Kündigungsschreiben ab. Und ich bin seit damals hier geblieben.

Frage: Nun, Du hast großartige Titel produziert; ich bin ein Fan von Paladin Press seit den 80ern gewesen. Ich weiß, daß die Regierung Beschränkungen erlassen hat für einige Arten von Büchern, die verkauft werden.

Michael: Wir verkaufen noch immer eine Menge an Hardcore-Nahkampfzeug. So weit es die Regierungseinschränkungen betrifft, handelt es sich dabei hauptsächlich um Massenvernichtungsmittel. Das würde jede Art von Sprengvorrichtung, Flammenwerfer, Bomben usw. einschließen. Das Wissen ist bereits vorhanden, also ist es kein großes Geheimnis. Informationen sind bloß Informationen. Wenn es um die Absicht geht, bestimmt es, was Gut und was Böse ist.

Frage: Womit hast Du zu trainieren angefangen, nach dem Du in Colorado angekommen bist?

Michael: Ich ging einmal mit Peyton Quinn in die Stadt, und er gab mir ein Kompliment weiter von Bill Kipp, der mein Messerkampfbuch gesehen hatte. Peyton erwähnte, daß Bill für ein paar Jahre auf den Philippinen gelebt hatte und erwähnte, daß es das beste Messerkampfbuch war, das er jemals gesehen hat.

Frage: Welches Buch ist das?

Michael: Knife Fighting: A Practical Course.

Frage: Machte Peyton zu der Zeit seine RMCAT-Sache?

Michael: Ja, er unterrichtete sie, aber er hatte damals noch nicht seine Einrichtung aufgebaut. Wie dem auch sein, Peyton stellte mich Bill vor, ich sprach mit ihm, und Bill unterrichtete damals Arnis. Ich arbeitete für etwa ein Jahr lang mit ihm, bevor er aufhörte, Unterrichte zu geben und anfing, sich auf anderes Zeug zu konzentrieren. Es war an diesem Punkt, als ich anfing, mit einem Freund zu trainieren und begann, all das, was ich bis dahin gelernt hatte, nach einem Kode einzuordnen und zu modifizieren. Durch Paladin hatte ich die Möglichkeit, mit Leuten wie Kelly Worden und James Keating zu arbeiten, und eines der großartigen Dinge über das Aufnehmen von Videos mit ihnen ist, daß Du auch zusammenkommst und herumspielst. Ich bin in der Lage gewesen, eine Menge an ergänzendem Training zu machen mit einigen wirklich talentierten Leuten, die mir geholfen haben, meine Fertigkeiten zu vervollständigen.

Frage: Was hast Du von James Keating aufgegriffen?

Michael: Ich kaufte seine ersten Videos, seine Knifecraft-Videos, als ich damals in Bangkok war. Er und ich fingen an, um 1992 miteinander zu kommunizieren, und ich traf ihn schließlich 1994. Ich fing an, mit ihm an einigen Paladin-Videos und anderen Projekten zu arbeiten, und ich bin wirklich in der Lage gewesen, meine Messertechniken abzurunden, insbesondere die Eispickelgriff-Seite meines Messerzeugs. Falls Du Dir mein Buch Knife Fighting: A Practical Course anschaust, siehst Du, daß ich nicht auf den Eispickelgriff eingehe. Ich schätzte ihn nicht besonders. Aber durch seine Videos und als ich am Riddle of Steel teilnahm, wo sie ein intensives Eispickelgriff-Training hatten, das großartig war, änderte sich das.

Frage: Hast Du außerdem irgendwelche Ergänzungen in Boxen, Bodenkampf oder irgendwelchen anderen Stilen gemacht?

Michael: Oh, nun, bevor ich überhaupt mit meiner ersten Kampfkunst angefangen hatte, boxte ich für ein Jahr lang mit einem früheren Golden Gloves-Boxer, weil ich mir keinen Kampfkunst-Unterricht leisten konnte. Und als ich meine erste Kampfkunst trainierte, bestand viel von der Handarbeit sowieso aus Boxen. So weit es die Grappling-Seite der Dinge betrifft, habe ich nicht all zu viel gemacht. Ich bin kein guter Bodenkämpfer, aber die wenigen Dinge, die ich mache, funktionieren.

Frage: Mir fällt auf, daß M.O.D. (Masters of Defense) ein Messer mit Deinem Namen drauf herstellt – es sieht James Keatings Hornet ähnlich.

Michael: Nun, James Keating war so freundlich, mich für das Projekt zu empfehlen. Die Firma hielt Ausschau nach Designern. Ich schrieb für die Zeitschrift Fighting Knives, als es sie noch gab, und ich bin ein Redakteur für Tactical Knives gewesen, und M.O.D. gefiel die Art und Weise, in der ich Messer betrachtete. Das Projekt war so, daß Du Dein ultimatives Verteidigungsmesser entwirfst und sie es dann bauen. Es ist ein gut hergestelltes Messer.

Frage: Hat Dich irgend jemand sonst angesprochen darüber, Dein eigenes Messer zu entwerfen?

Michael: Interessanterweise drückte Spyderco ein Interesse an einem neuen Messer, das ich entworfen habe und Ronin nenne, aus. Ich erwarte, daß sie in ein paar Monaten auf dem Markt sein werden.

Frage: Was ist während der letzten Jahre passiert?

Michael: Nach dem ich nach Colorado gekommen bin, war eine Menge meines Trainings hauptsächlich auf das Messer ausgerichtet. Während ich in Asien lebte, war es mir nicht erlaubt gewesen, eine Schußwaffe zu besitzen oder zu tragen. Also wurde das Messer zu meiner Hauptwaffe, und ich widmete eine Menge an Zeit und Anstrengung dem Verfeinern meines persönlichen Stils des Messerkampfes.

Frage: Hat Dein Lieblingsmesser eine feststehende oder eine einklappbare Klinge?

Michael: Funktionsmäßig weiß ich, daß eine feststehende Klinge der besser Weg ist, aber praktischerweise weiß ich, daß Klappmesser in den meisten Fällen zweckmäßiger für das alltägliche Tragen sind. Ich habe mir außerdem meinen Ruf in der Messergemeinde geschaffen darin, der Messereinsatztyp zu sein. Wenn es also darum geht, in der Lage zu sein, Messer schnell zu ziehen und zu öffnen, gibt es da einige Dinge, die ich besser mache als eine Menge anderer Messerausbilder.

Frage: Was ist Deine Lieblingsziehmethode?

Michael: Mein Lieblingsziehen würde das Tragen mit der Spitze nach oben, mit einem Taschenclip, der am hinteren Ende des Messers befestigt ist, sein. Du greifst hinein, Du ziehst, Du machst das anfängliche Öffnen, und Du bist fertig. Ich habe es tatsächlich mit einem Zeitmesser gemacht und bis zu dem Punkt, an dem ich ein Messer in einer Neunzehntelsekunde öffnen kann.
Eine Menge von dem, was ich mit dem Messer tue, fällt in die Kategorie des hinterhältigen Ziehens. Falls Du also Deine Daumen in Deine Hosentaschen steckst, sind Deine Hände bereits an Deinem Messer. Es ist wichtig, in der Lage zu sein, Dein Messer beiläufig zu ziehen und Dein Messer zu öffnen, ohne irgendwelchen Lärm zu machen. Von da an kannst Du zu einer Haltung mit verschränkten Armen übergehen und darin enden, das geöffnete Messer unter Deinem Arm zu verbergen.

Frage: Du hast doch auch für Spyderco unterrichtet, oder nicht?

Michael: Ja, ich habe einige Messerseminare gegeben, und schließlich hat Spyderco Wind davon bekommen. Wir kamen zusammen, ihnen gefiel, was ich unterrichtete, und sie entschlossen sich dazu, mein System zu übernehmen als ihr offizielles Messerprogramm und mich als ihren Chefausbilder. Ich bin seit bereits zwei Jahren mit ihnen zusammen. Es ist ein vierstufiger Lehrplan, der sich Martial Blade Concepts-Programm nennt. Er basiert hauptsächlich auf dem Philippinischen, aber ohne irgendwelche stilistischen Elemente von irgendeiner bestimmten Schule – er übernimmt etwas von allem. Er hat Elemente mit normalem Griff und mit Eispickelgriff; er konzentriert sich auf die praktischen Gesichtspunkte des Tragens von Messern heutzutage, nicht bloß auf Messerkämpfen, wie man von der waffenlosen Hand übergeht zum Ziehen des Messers, wie man das Messer als eine Aufschlagswaffe einsetzt, wie man das Messer in nachteiligen Positionen einsetzt und außerdem, wie man Messerfertigkeiten als eine Grundlage für waffenlose Handfertigkeiten und für improvisierte Waffen verwendet.

Frage: Welches sind Deine Lieblingsmesser?

Michael: Mein Lieblingsmesser wird wahrscheinlich das Ronin sein, welches bald herauskommen wird. So weit es Einhand-Klappmesser angeht, existiert es noch nicht; es wird eine Klappversion des Ronin sein, die sich Yojimbo nennt, welche ich versuche, in die Produktion zu bringen. Ein weiteres Messer, das ich mag, ist bloß ein einfaches Spyderco Delica. Es ist ein gut gemachtes, kleines Messer, das leicht und bequem zu tragen ist.

Michael: Das gefällt mir auch. Welches ist Dein bevorzugtes großes Messer?

Frage: Eines meiner bevorzugten großen Messer ist das philippinische Barong. Das ist eine der am meist unterschätzten Heimverteidigungswaffen, die Du besitzen kannst. Es ist sowohl eine Aufschlagswaffe als auch eine höllische Klingenwaffe.

Frage: Ich habe viele Male gehört, daß jemand ein Dutzendmal gestochen worden ist, ohne es zu bemerken. Ziehst Du das in Betracht, falls Du Dein Messer einzusetzen hast?

Michael: Ich setzte etwas ein, das ich als “Schnellstopper” bezeichne. Nach was Du in jeder Selbstverteidigungssituation Ausschau hältst, ist Aufhaltewirkung. Selbst beim Schußwaffeneinsatz sprechen sie nicht über Tötungswirkung, sondern von Mannstoppwirkung. Jemand einfach so zu stechen, was verursachen mag, daß er später stirbt, ist nicht gut genug. Was Du zu tun hast ist, ihm seine Fähigkeit wegzunehmen, die Waffe wirkungsvoll einzusetzen. In den philippinischen Künsten sagen sie: Okay, zieh der Schlange die Zähne. Falls jemand mit einem Stock angreift, ziele ich auf den Knochen – ich versuche, den Knochen zu zerschmettern, wodurch ich die Skelettstruktur wegnehme, so daß er die Waffe nicht herummanövrieren kann. Falls ich eine Waffe mit Schneide habe, werde ich versuchen, die Innenseite des Unterarms zu schneiden, um die Beugesehnen zu zerschneiden und seine Fähigkeit zum Festhalten der Waffe wegzunehmen. Das Problem ist, daß Du in den Winkeln 2 und 4 keinen Zugang zu den Beugesehnen hast. Es gibt da außerdem niemals irgendeine Garantie, daß Du einen guten Sehnenschnitt erzielen wirst. Im MBC gehst Du von einem “Defanging the Snake”-Schnitt – Handgelenk, Unterarm, Finger – unmittelbar zu Bizeps und Trizeps. Das ganze System ist um diese Steigerung der Ziele herum entworfen worden. Wir konzentrieren uns tatsächlich mehr auf die Gliedmaßen als darauf, auf irgendwelche lebenswichtigen Teile loszugehen. Ein weiteres meiner Lieblingsziele liegt kurz oberhalb des Knies. Den Quadrizeps ausschalten und dadurch die Fähigkeit des Beines wegnehmen, Gewicht zu tragen.

Frage: Geht das quer über die Vorderseite?

Michael: Ja. Ich versuche nicht, irgendwelche wichtigen Blutgefäße zu treffen; ich ziele auf die Muskelstruktur. Hast Du erst einmal den Quadrizeps durchtrennt, kannst Du nicht mehr länger Dein Bein ausstrecken. Ist eine Person erst einmal dort geschnitten worden, fällt sie auf ihr Knie und kann nicht mehr weitergehen. Dies erlaubt es Dir, wirkungsvoll zu entkommen. Und das ist immer das ultimative Ziel.


von und mit Michael D. Janich bieten wir im Onlineshop an:

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Practical Defense Set

Martial Blade Concepts - The Set

Practical Unarmed Combatives Set

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Focused Impact Volume 1

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Martial Blade Concepts - Volume 2

Martial Blade Concepts - Volume 3: Reflex Training Drills

Martial Blade Concepts - Volume 4: Speed Stops

Martial Blade Concepts - Volume 5: Reverse-Grip Knife Fighting - The MBC Approach

Martial Blade Concepts - Volume 6: A Complete Guide to Carrying and Drawing Tactical Folding Knives

Junkyard Aikido: A Practical Guide to Joint Locks, Breaks, and Manipulations

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Practical Unarmed Combatives Vol. 1: Critcal Skills of Damithurt Silat

Practical Unarmed Combatives Vol. 2: Critcal Skills of Damithurt Silat

Practical Unarmed Combatives Vol. 3: Low-Line Destructions and Secrets of the Silat Triangle

Fighting Folders: The Definitive Guide to Personal Defense with Tactical Folding Knives

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Defensive Use of Tactical Folding Knives

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and Advanced Folding Knife Tactics

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Mastering the Balisong Knife: Revised and Updated

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Martial Marksmanship: A Fighter’s Guide to Close-Quarters Handgunning