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Interview mit Professor Rick Hernandez

Frage: Wie hast Du Professor Vee getroffen?

Rick: Ich traf einen Schüler von einem von Professor Vees fortgeschrittenen Schülern. Nach einiger Zeit war ich in der Lage, eine förmliche Einführung bei Professor Vee zu bekommen. Ich hatte ein privates Treffen mit ihm in seinem Haus, und wir fingen an, uns zu unterhalten. Er fragte mich, ob ich irgendwelche Kampfkunsterfahrung hatte, und ich sagte ja. Er bat mich, einige Techniken vorzuführen, und ich tat es. Ich führte das Kreisgehen des Bagua und einige Handtechniken aus. Seine Augen weiteten sich und er wurde aufgeregt. Er stand auf und begann, mir eine Messerkampfserie zu lehren, und der Rest ist Geschichte.

Frage: Du erwähnst, daß Du als Kind kämpfen mußtest, um zu überleben. In welchem Alter ist ein Kind reif genug, um die Kampfkunstfertigkeiten aus T.A.C.S.A.F.E. zu erlernen?

Rick: Das ist schwierig, weil ein Kind zu aller erst angeleitet werden muß von einem verantwortlichen Erwachsenen, der jeden Schritt dieses Vorgangs intensiv zu überwachen und zu beurteilen haben wird. Dies ist unterschiedlich von einem Kind, das eine Kampfkunst beginnt als Sport oder wegen sozialer Beziehungen. Ich unterrichte Kindern keinerlei der Bestandteile von T.A.C.S.A.F.E., weil dies eine enorme Verantwortung ist, die nicht für ein Kind geeignet ist. In meinem Fall bin ich durch die Erwachsenen, die um mich herum waren, darauf vorbereitet worden, ein Krimineller zu sein.

Frage: Stattdessen entschiedst Du Dich dazu, ein Professor zu werden. Bist Du ein Collegelehrer? Falls nicht, wie hast Du Dir diesen Titel verdient?

Rick: Nach mehreren Jahren des Privatunterrichts mit Professor Vee mußte ich die Fähigkeit demonstrieren, nicht bloß die akademischen Elemente der Künste zu unterrichten, sondern auch darüber hinauszugehen. Ich mußte eine Diplomarbeit schreiben, die mein Verständnis für die Prinzipien bewies, die mir gelehrt wurden. Dies schloß das Entwerfen meines eigenen Lehrplans ein und diesen wiederum an Professor Vee zu unterrichten, der dann methodisch durch das Material mit mir durchging und mir half, es zu verfeinern. Nachdem ich dies vollendet hatte, verlieh mir Professor Vee den Titel eines Professors.

Frage: Für diejenigen, die mit Professor Visitacion nicht vertraut sind, könntest Du uns von ihm erzählen? Wie war es, mit ihm zu trainieren? Was machte ihn zu einer Legende in der philippinischen Kampfkunstgemeinde?

Rick: Professor Florendo Visitacion war eine Legende in den Kampfkünsten, weil er, trotz seiner vielen Jahre des Trainings in zahlreichen Künsten, niemals aufgehört hat zu lernen. Selbst als ein Rentner mit Jahrzehnten an Kampfkunsttraining suchte er noch Training von Lehrern von überall auf der Welt aus. Er lernte japanisches Jujitsu, Judo, Karate, philippinisches Arnis, Escrima, Hindu Varmany, 2. Weltkrieg-Nahkampf, spanisches Fechten, chinesische Innere Künste...und viele weitere. Er war ein Genie, weil er von diesen Künsten etwas übernahm und schließlich seine Mischung entwarf und einen flüssigen, schönen, dennoch wirkungsvollen Ausdruck der Künste schuf. Er gab mir das größte Geschenk, indem er mir erlaubte und mich dazu ermutigte, meine eigene ausdrucksstarke Darbietung auszudrücken und zusammenzustellen von dem, was letztendlich unsere eigene KUNST ist!

Frage: Worin unterscheidet sich philippinisches Kuntao von der ursprünglichen chinesischen Kunst?

Rick: Obwohl Kuntao vom Ursprung her chinesisch ist, sind viele Chinesen auf die Philippinen, in Indonesien und andere südostasiatische Länder eingewandert und haben ihre Kunst mit ausgewählten Einzelpersonen geteilt. Was wirklich den Unterschied ausmacht ist die Kultur des besonderen Landes. Auf den Philippinen war es eine starke Betonung von Klingen; das bedeutete, daß die Techniken des Kuntao an die Bedrohung angepaßt werden mußten. Wegen dieser Bedrohung mußten die Bewegungen komprimiert werden, und Kampf bedeutete häufig Tod.

Frage: Welches sind die Bewegungen und Techniken, die philippinisches Kuntao definieren, d.h, die sie von anderen Kampfkünsten unterscheiden?

Rick: Ich würde sagen, daß das, was die Kunst definiert und unterscheidet, die Art und Weise ist, in der die Prinzipien zusammengefügt sind. Laß uns zum Beispiel ein Element nehmen wie die Gelenke zu hebeln oder zum Körper zu schlagen. Diese werden häufig als getrennte Elemente gelehrt. Philippinisches Kuntao lehrt, daß diese nahtlos zusammenfließen. Dies fügt eine weitere Dimension zum Empfinden und der Fähigkeit zum Übergehen oder Wechseln in der Bewegung hinzu.

Frage: Was macht die Kunst besonders gut geeignet für die Straßenselbstverteidigung?

Rick: Die Kunst wird vom Gesichtspunkt des Körperzustands und der Absicht aus gelehrt. Dies bedeutet, daß der Schüler vom Anfang an eine Steigerung der Absicht lernt, der er oder sie begegnen wird, wenn er einem Feind gegenübersteht. Es wird vorausgesetzt, daß der Feind da ist, um Dir, mindestens, Schaden zuzufügen, und daß sein Ziel ist, Dich zu töten. Schüler werden sorgfältig durch die verschiedenen Stufen der Absicht steigernd hindurchgeführt, und ihnen werden die unterschiedlichen Elemente gelehrt, wie beispielsweise ihr eigener Körperzustand und Absicht, um gewalttätige Situationen zu kontern oder zu überleben.

Frage: Was würdest Du sagen sind die drei allerwichtigsten Prinzipien, die man im Kopf behalten muß, um zu vermeiden, in einem Messerkampf geschnitten zu werden?

Rick: 1) Mach Dich klein, duck Dich ab und schütze Deine lebenswichtigen Ziele. 2) Setze Beinarbeit ein, um Timing und Distanz zu erschaffen, setze den Körperzustand ein und entwickle die Werkzeuge, und greife mit allem an, was Dir in Deinem Arsenal zur Verfügung steht. 3) Nimm Dir JETZT die Zeit dafür, um realistisch zu trainieren und um die richtige Absicht zu entwickeln – andernfalls entwickle besser die Fähigkeit, entweder jeden auszurechnen, dem Du begegnest und sein Benehmen durch übersinnliche Mittel zu ändern...oder bleib einfach zuhause!

Frage: Ist es angemessen zu glauben, daß Du Kampfkünste wirkungsvoll einsetzen kannst, um zu vermeiden, niedergeschossen zu werden, wenn Du mit einer Schußwaffe bedroht wirst? Und warum?

Rick: Laß uns eingestehen, daß, falls eine Person Dich aus der Entfernung erschießen möchte, Du erledigt bist – vielleicht hast Du noch einen Augenblick, um ein Gebet zu sprechen. Aber falls eine Person nah dran ist, bedeutet dies, daß es da Spielraum für eine Art von Verhandlung gibt. Vielleicht bedeutet diese Verhandlung nur, das Geld zu übergeben, aber dies ist viel vernünftiger, wenn Du trainiert bist und körperlich und geistig bereit dazu bist, es angemessen zu tun. Für mich schließt eine Kampfkunst das Training und die Anwendung von Schußwaffen mit ein. Das in Betracht gezogen, kann jeder, der ein vollständiges Verständnis dafür hat, was Kampfkünste sind, vorausgesetzt, die Umstände treffen zu, vermeiden, erschossen zu werden.

Frage: Könntest Du erklären, wie jemand dafür trainieren kann, basierend auf dem T.A.C.S.A.F.E.-Programm?

Rick: Als erstes einmal ist es lebenswichtig (falls es sich um eine Zivilperson handelt), zu erlernen, wie Schußwaffen funktionieren und eine grundlegende Einweisung über die unterschiedlichen Arten und ihre Verwendung zu bekommen. Nichtsdestoweniger sollte die Person, wenn sie es körperlich mit einem bewaffneten Angreifer zu tun hat, nicht versuchen, die Waffe zu ergreifen, in einem Versuch, ihn zu entwaffnen oder ihm die Waffe abzunehmen. Dies ist die Methode, die von vielen gelehrt wird, aber dabei gibt es zu viel Spielraum für Fehler! Die bewaffnete Person wird Widerstand leisten, es wird einen Kampf geben, und die Person, die sich gegen den Angriff verteidigt (als auch irgendwelche anderen in der Schußlinie) könnten damit enden, angeschossen zu werden. Das T.A.C.S.A.F.E.-Programm bietet eine Operationsreihenfolge an, der einfach zu folgen ist: 1) Geh aus der Schußlinie. 2) Dringe ein und schockiere. 3) Greif das Gliedmaß der Person in einer Art und Weise an, die eher den ganzen Körperbau kontrolliert als nur zu versuchen, die Waffe zu ergreifen (Die Schußwaffe sollte sich eher in einer senkrechten Linie bewegen als von Seite zu Seite, um sicherzustellen, daß keine unschuldigen Passanten ins Schußfeld geraten und angeschossen werden). Der Angreifer muß sofort geschockt werden, um sicherzustellen, daß Du die Kontrolle hast. 4) Ist die Schußwaffe erst einmal losgelassen worden, treffe den Angreifer sofort, um Distanz zu schaffen zwischen ihm und der Schußwaffe. An diesem Punkt, abhängig von der Situation, kannst Du die Waffe kontrollieren oder schnell Deine eigene ziehen. Dies hängt selbstverständlich zum Teil davon ab, ob Du Zivilist, Sicherheitspersonal, Soldat oder Polizeibeamter bist. Diese Schritte müssen wieder und wieder trainiert werden, um sicherzustellen, daß der ganze Vorgang in einer flüssigen Art und Weise ausgeführt wird.

Frage: Bist Du jemals mit einem Messer angegriffen oder mit einer Schußwaffe bedroht worden? Falls ja, was ist passiert?

Rick: Als Kind wurde ich Zeuge von entsetzlichen Gewalttaten zuhause und auf den Straßen. Ich habe gesehen, wie Menschen zusammengeschlagen, erstochen, erschossen, lebendig verbrannt, zerhackt und ihnen anderes angetan wurde. Auf mich ist mehrmals eingestochen worden und, glücklicherweise, wurde mir nur einmal mein Arm an der Innenseite durchstochen. Ich bin mit einer Schußwaffe auf meine linke Augenbraue geschlagen worden, und auf mich ist mehrere Male geschossen worden, aber Gott sei dank wurde ich nie getroffen. Als Kind erlitt ich brutales Zusammenschlagen, aber ich finde, daß ich sehr viel Glück gehabt habe, weil es viele andere gibt, die viel, viel mehr als ich gelitten haben.

Frage: Was meinst Du mit dem Hinweis auf “Free Spirit”-Kämpfen in Deiner ersten DVD-Serie Filipino Kuntao?

Rick: Der Bezug “Free Spirit” stammt von der Idee, daß nichts und niemand jemals Deinen Geist kontrollieren oder eingrenzen kann. Diese stammt von dem chinesischen Boxeraufstand. Obwohl Du körperlich eingesperrt worden sein magst, kann der Geist niemals von irgend jemand anderem als Dir selbst eingeschränkt werden.

Frage: Wie wichtig ist die geistige Einstellung, wenn man sich einem bewaffneten Angreifer gegenübersieht?

Rick: Die Geisteshaltung ist das, was alles antreibt! Es ist gesagt worden, daß das, woran Du im Augenblick einer Krise glaubst, das ist, worin Du all Deine Anstrengung hineinlegst. Die Geisteshaltung ist etwas, das Du ständig trainieren mußt! Es ist sehr wichtig zu verstehen, daß ein bewaffneter Angreifer sich bereits dazu entschlossen hat, Dir Schaden zuzufügen. Geisteshaltung ist das Rezept für die Krankheit namens Verleugnen!


von und mit Professor Rick Hernandez bieten wir im Onlineshop an:

DVDs:

Filipino Kuntao: The Art of Jing Shen Jie Fang “Free Spirit” Fighting

T.A.C.S.A.F.E.: Practical Filipino Kuntao Defenses Against Firearms and Edged Weapons