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Siegfried F. Hübner †

HuebnerDer Stuttgarter Siegfried F. Hübner ist seit vielen Jahren ein international bekannter und angesehener Waffenexperte, Combatschießausbilder, Scharfschützenausbilder sowie Polizeifachmann, Berater, Sachverständiger und Autor. Er wird als derjenige angesehen, der das damals in Europa noch unbekannte Combatschießen aus den USA nach Deutschland mitgebracht und hier eingeführt hat. Seine Beiträge über das Deutschießen bzw. instinktive Schießen brachten ihm in Europa die Bezeichnung “Combatpapst” ein.

Hübner wurde 1923 bei Bodenbach im Sudetenland geboren. Er studierte zuerst Elektrotechnik und wurde später nach Kriegsende Akustiker und ein HF-Ingenieur in diesem Bereich. Im 2. Weltkrieg diente er als Obergefreiter in der Luftwaffe (wo er schnell feststellen mußte, daß das herkömmliche Scheibenschießen auf Ringe während der Gefechtsausbildung mit der Realität eines lebensgefährlichen Feuergefechts, bei dem zurückgeschossen wird, nichts zu tun hat!). Nach dem Krieg und fast vier Jahren Aufenthalt in Frankreich kehrte er zurück nach Deutschland und arbeitete in der UKW-Rundfunk- sowie der Niederfrequenz-Akustik und später in der Fernsehtechnik bei einer Rundfunkanstalt. Durch seine berufliche Tätigkeit in der Akustik kam er wieder mit Schußwaffen in Berührung. 1966 schrieb er seinen ersten Artikel, “Der Mündungsknall”, für das Deutsche Waffen-Journal. Diesem Artikel folgten seit dem weit über 100 weitere Artikel in deutschen und internationalen Fachzeitschriften, u.a. im Deutschen Waffen-Journal, Deutsche Polizei, Der Kriminalist, Waffen-Revue, Internationaler Waffen-Spiegel, IWS France und vielbeachtete Beiträge in der renommierten amerikanischen Zeitschrift Guns & Ammo. Seine Artikel befaßten sich alle mit Waffentechnik, Schalldämpfung, Holstern, Ballistik, Selbstschutz, Selbstverteidigung, Scharfschützen und Schießausbildung. Durch seine Berichte und Bücher wurde er international bekannt.

Im Bereich der Waffentechnik hat Hübner sechs Patente und zwei weitere Patente in der Elektroakustik. In verschiedenen Waffenfabriken und bei Herstellern hat Hübner bei Neuentwicklungen von Waffen, Holstern und Munition geholfen. U.a. war er auch an der Entwicklung der Glock-Pistolen beteiligt. Die von ihm entwickelten “Hübner-Spezial-Holster” wurden bei der österreichischen Firma Sickinger gefertigt. Hübner hat darüberhinaus ausführliche Untersuchungen bei Mauser, Heckler & Koch und an der Erprobungstelle der Bundeswehr angestellt.

Sein erstes Buch erschien 1968: Der erste Treffer zählt. Es beschäftigte sich mit Faustfeuerwaffen, Munition und Schiesstechniken und wurde 1995 nochmals in einer überarbeiteten, aktualisierten Neuauflage veröffentlicht. Nach zahlreichen Besuchen und Aufenthalten in den USA, bei denen er praktisches Wissen und weitere Combat-Schießausbildungen u.a. bei so angesehenen Persönlichkeiten wie Thell Reed, Chuck Taylor, Ray Chapman, Rex Applegate, Jack Weaver, Bill Jordan und Jim Cirillo erhielt sowie seine eigenen praktischen Erfahrungen in der deutschen Luftwaffe nutzte, schrieb er das Buch Combatschießtechnik, das zum Basishandbuch für die damals neue Schießausbildung der deutschen Polizei wurde.

Seine Kenntnisse über Schieß- und Waffentechniken, Selbstschutz und Selbstverteidigung holte Hübner sich immer direkt an den Quellen und Brennpunkten im In- und Ausland. Er lernte beim FBI in Quantico in Virgina und in Washington, bei der Police Academy von Smith & Wesson in Springfield, beim Los Angeles Police Department (LAPD), der Police Academy und dem Sheriffs Department von Los Angeles, den SWAT-Teams (amerikanische Spezialeinsatzkommandos der Polizei) in Atlanta, Miami, New Mexico und Denver, der New York-Police Academy, den Texas Rangers in Austin, El Paso, Laredo, Lobock und San Antonio, bei der mexikanischen Polizei am Instituto Policia in Mexico Ciudad und in Puebla. Er erlernte außerdem neue Ausbildungsverfahren und Schießtechniken bei der Polizei in Pretoria in Südafrika und in Salisbury im damaligen Rhodesien (heutiges Simbabwe).

Im Jahre 1970 lernte Hübner durch den amerikanischen Colonel Jeff Cooper, einen der besten Schießausbilder der USA, an dessen Gunsite Training Center nahe Paulden in Arizona die neue Combatschießtechnik mit dem “Weaver Stance” kennen und brachte diese nach Europa, nach dem er von Cooper im Combatschießen ausgebildet worden ist. Auf seinen weiten internationalen Reisen und langen Auslandsaufenthalten lernte er von den besten Schützen Mexikos, u.a. beim mexikanischen FBI und der Leibwache in Mexico Ciudad, und in den Ländern Südamerikas und Südafrikas weitere, bei uns unbekannte Schießtechniken (z.B. den Yaqui-Hüftschuß und die Santiago-Deutschußtechnik). In Mexiko ist er ab 1972 mehrmals gewesen, um dort von den besten Schießausbildern, Commandante Luquin und Coronel Quinn Y Gonzales, zu lernen. Neben der erwähnten Yaqui-Schießtechnik auch den Mexican Defense Parcours, das mexikanische Combatschießen. In Argentinien besuchte er die Academia de Policia in Buenos Aires und in Brasilien die Polizeiakademie in Rio de Janeiro. Dies wurde in seinen nächsten beiden Büchern Verteidigungsschießtechnik und Survival-Schießen veröffentlicht. Später kam noch die neue Cirillo-Combatschießtechnik von Jim Cirillo und Erfahrungen von Colonel Rex Applegate, dem Polizei- und Waffenexperten, aus den USA hinzu.

Auch in Europa ist er weit herumgekommen. So war er beispielsweise in der Polizeischießschule von Raymond Sasia, dem Direktor der französischen Police National in Paris (der 1962 die FBI-Akademie in Quantico in Virgina besuchte und die FBI-Schießtechnik nach Europa gebracht hatte), in der Polizeischule und dem Schießzentrum in Egedem in Belgien, bei der Kantonspolizei in Zürich und in Bern, dem Sicherheitsbüro in Wien sowie dem Scotland Yard in London. Selbstverständlich auch an vielen Ausbildungsstätten von Polizei und Bundesgrenzschutz in Deutschland, z.B. bei der GSG 9 in St. Augustin, dem SEK Baden-Würtemberg in Göppingen und dem LKA in Stuttgart. Noch während er selbst bei Colonel Conway und Oberst Joast beim österreichischen Bundesheer als Scharfschütze ausgebildet wurde und selber Scharfschützen von Armee und Polizei ausbildete, schrieb er das Buch Scharfschützen-Schießtechnik.

Durch seine vielen Reisen hat Hübner die wahrscheinlich umfangreichsten Kenntnisse über internationale Schießausbildungen bei Polizei und Armeen in der westlichen Welt bekommen und dürfte der einzige deutsche Experte mit diesen internationalen Erfahrungen sein.

Die Auswertung seiner Erfahrungen für Polizisten, Sicherheitsdienste und Zivilisten geschah u.a. in seinen Büchern Der erste Treffer zählt, Combatschießtechnik, Verteidigungsschießtechnik, Waffentechnik, Der internationale Polizei-Combat-Parcours (die als schießtechnische Basisbücher für die Combatschießausbildung der deutschen Polizei verwendet wurden), Survival-Schießen, Defenca, Silencers For Hand Firearms, Selbstschutz vor Verbrechen, Sicherheitsprogramm, Radikale Combatschießtechniken, Scharfschützen-Schießtechnik und Selbstschutztechniken bzw. dessen Neuauflage namens Selbstschutz.

Seine Kenntnisse gab Hübner in speziellen Kursen in Deutschland, Österreich und der Schweiz an Waffenscheininhaber und Polizeibeamte in Combat-Schießlehrgängen weiter. In seinen CCC-Combatschießkursen vermittelte Hübner als Combatschießausbilder sein Wissen an die Polizei und an Spezialeinheiten sowie an die Armeen in Deutschland, Schweiz, Österreich, Spanien, Frankreich, Italien und anderen Staaten. Weitere CCC-Combatschießkurse hielt er außerdem in Peru, Mexiko, Südafrika und anderen südlichen Ländern ab. Er schrieb insgesamt über 20 Bücher, von denen das Buch Survival-Schießen und andere auch in die französische, englische, italienische und spanische Sprache übersetzt wurden.

Hübner ist Mitglied und Experte des American Pistol Institute (API), ebenso Mitglied und Experte der von Colonel Jeff Cooper begründeten South West Combat Pistol League (SWCPL), Mitglied der International Police Association (IPA) und als waffentechnischer Berater der Gewerkschaft der Polizei (GdP) in Baden-Würtemberg ständig darum bemüht, daß die Polizei optimale Waffen und Ausbildungen erhält. In den USA ist er als einer der wenigen “schießenden Schriftsteller” bekannt, die nicht nur viel schreiben, sondern die auch wirklich schießen und treffen können! Er ist ständiger Mitarbeiter des Deutschen Waffen-Journals und Berater bei anderen Fachzeitschriften und hat sich in seinen Artikeln immer darum bemüht, ohne Rücksicht auf eventuelle Firmeninteressen oder auf gegenwärtige, aktuelle politische Ansichten und Neigungen so objektiv wie möglich zu schreiben. Dies hat ihm so manche Schwierigkeiten und herbe Kritik eingebracht, von der er sich aber nicht entmutigen ließ.

Siegfried F. Hübner ist am 15. März 2008 nach einem langen und erfüllten Leben im Alter von 84 Jahren verstorben.


von und mit Siegfried F. Hübner bieten wir im Onlineshop an:

Bücher:

Selbstschutz

Radikale Combatschießtechniken: Gestern und Heute

Scharfschützen-Schießtechnik: Die Schießausbildung der Scharfschützen – Gestern und Heute

Der internationale Polizei-Combat-Parcours