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Zweites Interview mit Mark Hatmaker

Frage: Deine ersten Lehr-DVDs heißen Extreme Boxing. Wie hast Du mit all dem angefangen?

Mark: Nun, wir sind ganz große Boxfans, und wir versuchen, eine Mischung aus all den großartigen Boxtechniken und Trainingsmodalitäten von heute zusammenzustellen und einige der großartigen Techniken und Taktiken von früheren Zeiten hinzuzumischen. Wir fügen ehemals “zulässige” Werkzeuge aus den alten Zeiten hinzu, wie z.B. den Kopfstoß, die Ellenbogen, die Knie, die unzähligen verbotenen Schläge. Es gab da einst auch Beinsteller, Würfe und Stampftritte auf den Fuß. So ziemlich wie ein No-Holds-Barred (NHB)-Kampf, bevor sie anfingen, die Regeln zu ändern. Es ist einfach Standardboxen von heute, bei dem all das gemeine Zeug wieder hineingeworfen wird.

Frage: Bist Du mit den Savate-gegen-Boxen-Kämpfen um die Jahrhundertwende vertraut?

Mark: Ja, es gab da zahlreiche Wettkämpfe, in denen Boxer mit Savate-Kämpfern gekämpft haben. Das meiste davon ist nun allerdings Hörensagen, weil darüber nicht viel an Belegmaterial zur Verfügung steht. Es spielte sich so ziemlich wie folgt ab: Die Wettkämpfe begannen wie ein gewöhnlicher Kampf, bis der Savate-Mann einen Tritt abfeuerte, welcher den Boxer zu Anfangs überraschte. Aber danach ging der Boxer den Savate-Mann an und schlug von da an auf ihn ein. Nochmals: Dies sind anekdotenhafte Berichte und wahrscheinlich Opfer von Verzerrungen, abhängig davon, von welcher Seite des Ärmelkanals die Geschichte stammt.

Frage: Ich habe Berichte gelesen, wonach diese alten Wettkämpfe sich einfach über Stunden hinzogen.

Mark: Oh, absolut. Erinnere Dich daran, daß es da in jenen Tagen keine zeitlich festgelegten Runden gegeben hat; eine Runde endete nach einem Niederschlag. Wann immer Du also Dinge hörst über einen Kampf, der siebzig Runden dauerte, konnte eine Runde eine Minute oder fünfundzwanzig Minuten lang sein.

Frage: Ich bin auch auf Material gestoßen, wonach überhaupt nichts passierte, falls die beiden Kämpfer gleich gut waren.

Mark: Sicherlich konntest Du vor dem Zeitalter der aggressiven Veranstalter zwei gleich gute Kämpfer nehmen, die den anderen für eine Zeitlang abschätzten, ähnlich dem, was wir in dem Severn-Shamrock-Superkampf vor ein paar Jahren gesehen haben. Ohne die Zeitbegrenzungen und ohne die Verpflichtungen dazu, ständig die Austragungsorte zu füllen, konnte es da einige in die Länge gezogene Kämpfe gegeben haben. Das war auch der Fall bei den Wettkämpfen im wissenschaftlichen Ringen. Lange Kämpfe, mit wenig zu schätzender Aktion, führten zu dem Aufkommen der abgesprochenen Wettkämpfe, um das Tor offenzuhalten.

Frage: Laß uns in dem gegenwärtigen Jahr anfangen und zurückkehren in der Zeit und die Regeln entfernen. Was wurde als Allerletztes zum Regelbuch hinzugefügt?

Mark: Unser letztes Herumdoktern an den Regeln ist die Anzahl der Runden gewesen. Wir sind von 15 zu 12 Runden bei Titelkämpfen gekommen. Die meisten der letzten Veränderungen sind Änderungen bei der “Menschlichkeit” gewesen. Damit meine ich die Verringerung der Runden, stehendes Anzählen bis Acht, die 3-Niederschlags-Regel, aggressivere Arbeit des Ringrichters, um die Sicherheit der Kämpfer zu gewährleisten. Um Regelveränderungen bezüglich der Schlagwaffen wurde sich wirklich am frühen Beginn des letzten Jahrhunderts gekümmert, mit der Beseitigung von Hasenschlägen, Drehschlägen und derartigem.

Frage: Nun, was ist eigentlich ein Hasenschlag?

Mark: Ein Hasenschlag ist jede Art von hackender Aktion hinten in den Nacken.

Frage: Und ein Drehschlag?

Mark: Ein Drehschlag ist tatsächlich ein gedrehter Faustrückenschlag oder eine Hammerfaust, die üblicherweise mit dem Unterarm landete.

Frage: Mit dem Unterarm? Das ist ziemlich verheerend. Wie lange ist das schon verboten?

Mark: Nun, das ist umstritten. Es wurde in den 1930er Jahren verwendet, und sie konnten nichts in dem Regelbuch finden, das besagte: “Nein, du kannst das nicht tun”. Also sagten sie schließlich, laßt uns dies einfach rausnehmen.

Frage: Wann wurde das Boxen in der Art und Weise, in der es heute zusammengestellt ist, systematisiert?

Mark: 1867. Der Marquis of Queensbury schrieb viel von dem fest, was wir heute erkennen können: die Verwendung von zeitlich begrenzten Runden, Ruhepausen und, am wichtigsten von allem, die Verwendung von Handschuhen oder “Muffler”.

Frage: Nun, was haben sie damals rausgenommen?

Mark: Diese Regeln sollten dafür sorgen, den Sport von seinen rauhbeinigen und durcheinandergehenden Ursprüngen, bei denen praktisch alles erlaubt war, zu einem regulierten Unterfangen zu führen, das für den Adel anziehender war. Ein bißchen von der kontinentalen Einstellung im Zusammenhang mit dem Schwert begann den Vorrang zu erhalten, wohingegen vor Queensbury, in den Tagen von Figg und Broughton, der Hüftwurf, der Ellenbogen, der Stampftritt, das Gesichtkratzen usw. alle faires Spiel waren.

Frage: Wurden die Ellenbogen ähnlich den Muay Thai-Ellenbogen eingesetzt? Du weißt schon, in einem kleinen Bogen herunter in das Gesicht kommend?

Mark: Faustkämpferische Ellenbogen sind eher eine Gelegenheitssache. Diese Ellenbogen wurden trainiert, um den Bahnen eines verfehlten Hakens zu folgen, entweder bei dem vorwärtsführenden Bogen des Vorbeigehens oder beim rückkehrenden Bogen.

Frage: Wenn Du über den Stampftritt sprichst: Wie wurde der angewandt?

Mark: Es war mit dem Fuß auf den Spann. Er wurde im Clinch eingesetzt. Er war niemals dazu gedacht, ein freier Tritt zu sein. Die selbe Sache gilt für den Schienbeintritt mit nach außen gedrehtem Fuß, der verwendet wurde, bei dem im Clinch das Fußgewölbe bzw. die Fußsohle eingesetzt wird. Wenn die Leute heutzutage in den Clinch gehen, unterbrechen sie es. Falls Du nach den ursprünglichen Regeln zum Clinchen übergehst, war es trotzdem erlaubt, den Typ zu werfen, Du konntest Stampftritte machen, den Schienbeintritt mit gedrehtem Fuß einsetzen usw. Sehr so wie das heutige NHB.

Frage: Nun, wie ist es mit den Ringern der damaligen Zeit, den Catch-as-catch-can-Leuten, also den Freistilringern? Haben sie mit den Boxern gekämpft?

Mark: Ringen und Boxen wurden als zwei verschiedene Kampfbeschäftigungen respektiert. Es gab das gelegentliche Scharmützel, und die beiden Lager waren sich auf jeden Fall über das andere bewußt, da viele von ihnen an beiden Sportarten teilnahmen.

Frage: Haben Kämpfer in den Anfangstagen des Boxens Waffen mit hineingeschmuggelt?

Mark: Nein, davon habe ich nichts gehört. Auch wenn es in den frühen Tage rauh und drunter und drüber zuging, gab es da einen Respekt für die heilige Unverletzlichkeit der unbewaffneten Konfrontation von Mann gegen Mann. Keine Waffen, sondern bloß schmutzige Tricks.

Frage: Bist Du vertraut mit dem Boxen an seinen Wurzeln des Pankration? Es gab da zwei Stile, nicht wahr?

Mark: Nun, es wird im allgemeinen so gedacht, daß das hellenische Griechenland die Wiege des modernen Boxens ist. Im Pankration hattest Du zwei Stile: Den Boxstil, welcher hauptsächlich mit bloßen Fäusten war. Bei seltenen Gelegenheiten verwendeten sie den Sextus, eine Form von Handumwicklungen, die Dornen oder zerbrochene Scherben enthielten. Aber das war nicht üblich. Und der zweite Stil, welches der “Alles ist erlaubt”-Stil war, war eine Mischung aus Boxen und Ringen.

Frage: Was war während der römischen Zeiten? Sie verwendeten die Stacheln?

Mark: Oh, absolut. Die Gladiatoren setzten diese zum Vergnügen des Kaisers ein.

Frage: Also können wir sagen, daß das Boxen während der frühen Bronzezeit entwickelt worden ist?

Mark: So weit wir es heute sagen können.

Frage: Ich habe etliche Amphoren gesehen, die Darstellungen von Ring- und Boxtechniken zeigen, die über dreitausend Jahre zurückgehen und sehr wiedererkennbar aussehen.

Mark: Oh, absolut. Das gesamte Mittelmeerbecken war eine gewaltige Brutstätte für Kampfstile. Schau Dir allein die russischen Stile an. Du hast da über dreißig Stile des Volksringens, und einige von ihnen spezialisieren sich nur auf einen bestimmten Gesichtspunkt des Sports. Dieses Zeug hat es seit einer langen Zeit gegeben, seit ca. 1.100 vor Christus. Homer schrieb über Preiskämpfe in der Ilias. Der Hauptkampf war Epeus gegen Euryalus.

Frage: Geht man vom antiken Griechenland nach Rom, dann hat Rom einen aggressiveren Stil.

Mark: Nun, es würde großartig sein zu sagen, daß Rom eine Menge an waffenlosem Kampf hatte, weil wir für eine unserer Trainings-DVDs den Namen Gladiator Conditoning gewählt haben. Aber unbewaffneter Kampf war in Rom extrem selten. Unbewaffnete Wettstreite fanden normalerweise zwischen Mensch und Tier statt. Das nächstliegendste, was Du sehen wirst, ist, daß Du gelegentlich Centurions und Legionäre außerhalb des Rahmens der römischen Spiele hattest, die einfach private Ringkampf- oder Pankrationwettkämpfe machten.

Frage: Wie ist es von den römischen Zeiten aus weitergegangen?

Mark: Von da aus müssen wir den Zerfall des römischen Imperiums betrachten und den Weg der Kultur nachverfolgen, wie sie quer durch Europa zersplitterte. Ringen und Boxen kehrten gewissermaßen danach dahin zurück, eine Beschäftigung des Volkes zu sein. Und hier ist es, wo wir eine große Anzahl von Stilen sehen, die in isolierten Nischen blieben. Paladin hat einen sehr guten Nachdruck des Codex Wallerstein, der eine rudimentäre Ringkampfanleitung aus diesen Zeiten enthält. Es verfügt tatsächlich über einige Holzschnitzereien mit Ringkampfpositionen, und falls Du es durch die Übersetzungen aus dem Hochdeutsch schaffst, kannst Du sehen, daß einige ernsthafte Gedanken in diese Techniken eingeflossen sind. Genauso sehr, wie die Leute es heute tun.

Frage: Nachdem die germanischen Stämme die römischen Gebiete in Gallien, England und Spanien übernommen hatten, gab es da irgendwelche Entwicklungen in diesen Gebieten?

Mark: Es war eher so wie Volkswettkämpfe. Wir hatten Dinge, die bei Festen, zum Vergnügen innerhalb der Lager und derartigem vor sich gingen, aber nicht viel darüber hinaus.

Frage: Wie also tauchten Boxen und Ringen wieder auf?

Mark: Ich denke, sie waren niemals verschwunden. Sie blieben die ganze Zeit hindurch eine Volkskunst. Genauso wie wir in der Kunst die griechische Kunst und die römische Kunst haben, die ziemlich einflußreich waren, es dann für eine Weile lang nichts gab und Du dann die Renaissance hast. Aber durchaus hat sich die Kunst während dieser Zwischenzeiten beständig weiterentwickelt. Ich denke, die gleiche Sache geschah mit den Kampfkünsten. Zivilisationen zerfielen; diese Sachen wurden weniger formal und kehrten zurück zu den Volksstilen. Und plötzlich platzt es zurück in die Szene, weil Jack Broughton den Unterschied machte, an einem Volkssport interessiert zu sein. Und er war in der Lage, ihm einiges an Glaubwürdigkeit zu verleihen.

Frage: Wann war das?

Mark: Gegen Ende des 17. Jahrhunderts.

Frage: Dies war also die Zeit, in der die Leute kurze Schwerter trugen und einige Gesetze über das Duellieren anfingen, in Kraft zu treten.

Mark: Boxen und Ringen sind schon immer eine eher akzeptierte Kampfbeschäftigung gewesen, weil Du Dich selbst testen konntest, ohne eine große Chance zu haben, dabei zu sterben. Es war ein Spiel, bei dem die Menschen des Volkes sagten: “Oh, wir haben dies schon immer gemacht.” Und es war unterhaltsam, daß Leute zu ihnen kamen und Seite an Seite mit ihnen trainierten. Ich denke, das Hineinkommen des Adels hierin war seine Chance, eine Kriegsführung zu spielen, ohne tatsächlich so etwas tun zu müssen. Außerdem war es ein bißchen demonstrativer Genuß, bei dem sie in der Lage waren zu sagen: “Schaut her, ich habe Zeit für diese Beschäftigung übrig.”

Frage: Wann kam der nächste Fortschritt?

Mark: Vom 17. Jahrhundert an schaust Du auf ein beständiges Fortentwickeln den ganzen Weg entlang. Es war noch immer ein Untergrundsport, aber es war ein sehr gut bekannter Untergrundsport. Es war ziemlich so wie das, was heute mit der NHB-Gemeinschaft vor sich geht. Für diejenigen Leute, die es kennen und lieben, ist es eine gewaltige Sache; es ist ganz oben auf ihrer Skala. Aber die durchschnittliche Person weiß nicht, was vor sich geht. Im 17. und 18. Jahrhundert war es die selbe Sache. Und schrittweise, wenn Du zum 19. Jahrhundert kommst, gewinnt es an Popularität.

Frage: Laß uns zurückkehren zum Kämpfen am Anfang des 20. Jahrhunderts, als sie noch immer schmutzig kämpften. Ich nehme an, Du hast einige dieser Techniken wieder eingegliedert.

Mark: Ja, wir haben den Kopfstoß (drei verschiedene Arten), den freien Kopfstoß, den Kopfstoß aus dem Clinch und den falschen Clinch zurückgebracht, den Ellenbogen, wir haben Fußstampftritte wieder hineingebracht, wir haben Drehschläge, welches Schläge mit den Unterarmen sind, hineingebracht, außerdem Hackschläge, Axtschläge und Guillotinenschläge – welches kein Guillotinenwürgegriff ist –, ein Schlag namens Zerhacker, und es gibt da einige Armreißtechniken, die sich innerhalb des Clinches ergeben können. Wir haben diese Schritte für die Selbstverteidigung wieder integriert, und es ist einfach nur eine Menge an Spaß, und wir arbeiten es in unser Sparring mit ein. Wir machen eine Menge an aufrechtstehendem Boxen in unserem Sparring, und dann werden wir uns für die Verbesserung der Werkzeuge etwas stärker abpolstern und einige der verbotenen Schläge dort hineinwerfen. Was sehr so aussieht wie das frühe UFC und Vale Tudo, bevor sie es zu säubern hatten, um es am Kongreß vorbeischlüpfen zu lassen.

Frage: Du machst also zuerst reguläres Sparring, nimmst dann Schutzausrüstung und fügst illegale Techniken hinzu. Setzt Du zu dieser Zeit die Stampftritte ein?

Mark: Ja, absolut.

Frage: Wie machst Du das, ohne jemand seinen Fuß zu verletzen?

Mark: Bei dieser Art von Sache hängt es von dem Niveau Deines Sparrings ab. Manchmal werden wir den Stampftritt zurückhalten. Wir verwenden eine Abstufungsskala von 1 bis 10. Also 1 ist eine freundliche Umklammerung, und 10 ist ein totaler Vollkontaktkrieg. Falls wir also auf Stufe 5 oder 6 trainieren und ich einen Stampftritt einsetzen würde, kannst Du einen Stampftritt mit voller Kraft zur Außenseite oder Innenseite des Fußes starten, und falls er Kontakt mit der Matte macht, wird er zugeben: “Okay, Du hast mich erwischt.” Genauso wie Du nicht wirklich Kopfstöße voll trainieren oder Ellenbogen mit vollem Rohr einsetzen kannst. Andernfalls werden Dir die Leute zum Trainieren ausgehen. Wenn Du Dich auf einen Wettkampf vorbereitest, an dem Du teilnehmen möchtest, werden wir Schienbeinschützer einsetzen, die tatsächlich den Spannschutz mit angebaut haben.

Frage: Beschreibe die Kopfstöße ein wenig mehr.

Mark: Nun, es ist wirklich schwierig, sie mit Worten zu erklären. Falls Du die Extreme Boxing-DVDs hast, sind die Kopfstöße auch darauf zu finden.

Frage: Welche Art von Kopfschutz tragt ihr Typen, um den Kopf und den Kiefer zu schützen?

Mark: Ich liebe die Ausrüstung von Ringside. Ich verwende ihre Gesichtsschützer für das Boxen, und ich verwende auch ihre Gesichtsschützer mit Plexiglas-Schild. Wir verwenden diese für Kopfstöße.

Frage: Wenn ihr Typen also sparrt, sind die einzigen Dinge, die fehlen, die Knie und Tritte?

Mark: Wir setzen die Knie etwas ein, aber wir verwenden keine anderen Tritte über die Schienbeintritte mit der Fußinnenseite hinaus, die der Rede wert sind. Da wir Boxer mit einer starken Vergangenheit im Ringen sind, trainieren wir unsere Schüler darauf, sich gegen den Beintritt zu verteidigen und gehen volles Rohr bei den Handangriffen. Ich halte die Leute lieber auf einer guten zweibeinigen Basis und bin vorbereitet darauf, hart und schnell vorzuschießen. Manchmal sehe ich in einem guten NHB-Wettkampf jemand, der einen anderen ziemlich hart durchrüttelt und mit den Händen an die Arbeit geht, 4 bis 5 gute Schläge schlägt und sich selbst dann so manövriert, daß er einen Tritt in die Kombination mit einarbeiten kann. Manchmal ist das erfolgreich, und manchmal funktioniert es nicht, und ich wundere mich: Warum bleiben sie nicht einfach bei den Kombinationen? Höre nicht nach 4 oder 5 Schlägen auf. Anstatt die Zeit dafür zu nehmen, Dein Gleichgewicht für einen Tritt neu zu konfigurieren, bleibe da drinnen mit weiteren 6 bis 7 Schlägen und beende ganz einfach die Sache.

Frage: Ich habe einige Wettkämpfe gesehen. In vielleicht einem von zwanzig hat der Typ zum richtigen Zeitpunkt zugetreten und den anderen Typ einfach k.o. getreten. Aber in den meisten Fällen habe ich Beintritte gesehen, die überhaupt keine Wirkung gezeigt haben.

Mark: Wir haben das, was wir eine 90%-Strategie nennen. Wir probieren aus und spielen herum mit Werkzeugen und Taktiken, die in mindestens 90 Prozent ihrer praktischen Anwendung erfolgreich sind. Wir wissen, daß falls wir bei einer guten Boxdeckung bleiben, wir den Oberkörper schützen werden, und wir sind uns voll bewußt von dem, was bei dem Unterkörper zur Verfügung steht. Wir finden, daß falls wir uns hauptsächlich gegen das abgeduckte Vorstürzen (den “Shoot”) verteidigen und eine aggressive Strategie mit dem Jab als ein Entfernungsknacker bei dem Tritt einsetzen, wir entweder gegen den Tritt hinein vorwärtsschießen können oder das Knie in den Tritt hineinzeigen lassen und daß dies erheblich weniger an Training erfordert, als jemandem beizubringen, wie man erfolgreich tritt. Ich versuche, Leute dazu zu bringen, sich gegen einen Tritt zu verteidigen, ihre Hände schnell zu machen, ihren Shoot auf Schnelligkeit zu bringen und sicherzustellen, daß sie den Beinspreizer können, sich flach wie ein Pfannkuchen machen oder gegen alles, was auf sie zukommt, kontern können.

Frage: Machst Du viel Clincharbeit?

Mark: Oh, absolut. Falls Du zu uns kommen und mit uns trainieren würdest, würdest Du tatsächlich sehen, wie Leute 7 bis 8 Runden boxen und die Prinzipien einsetzen, über die wir gesprochen haben. Direkt hineingehen in 7 bis 8 Runden an Clincharbeit, Vorwärtsschießen, Verteidigung gegen das Vorschießen, 7 bis 8 Runden an Bodenarbeit ohne irgendwelche Arbeit am Zwingen zur Aufgabe. Wir versuchen bloß sicherzustellen, daß diese Typen Ringen können, und dann gehen sie in 7 bis 8 Runden im Durchlaufen von Hebel- und Würgetechniken, um den Gegner zur Aufgabe zu zwingen und 7 bis 8 Runden am Boden mit Schlagen, um sicherzugehen, daß Du schlagen kannst, während Du auf der Matte bist. Dann stehst Du wieder auf und fängst den Kreislauf wieder von vorne an.

Frage: Ist Dein Training hauptsächlich für den Ring oder für die Straße oder für beides gedacht?

Mark: Ich denke, es kommt tatsächlich dabei heraus, für beides zu sein. Wann immer es sich um Straßenarbeit dreht, habe ich zwei Ansichten. Ich sage den Leuten grundsätzlich, falls Du auf der Straße kämpfen wirst, lauf, lauf, lauf. Verbrechen ist zu 90 Prozent eine Sache der günstigen Gelegenheit, also kommt es hierbei auf Vermeidung an. Falls Du die Gelegenheit entfernst, verringert es die Chancen dafür, daß Du so etwas wie dies hier einzusetzen hast. Ich bin ein großer Befürworter dafür, ein Feigling zu sein. Lauf weg, Du brauchst nicht zu kämpfen. Dies ist also wirklich für eine große Menge an Spaß und Sport gedacht. Für die Selbstverteidigung triff die Augen. Falls Du tiefer gehst, brich die Finger, beiß, wo Du kannst und versuche nicht, so technisch zu sein. Das NHB-Zeug ist nicht für das Kneipenhandgemenge gedacht oder für Leute unter Testosterondrang, die zu beweisen versuchen, wer der mieseste Mann ist. Ich bin nicht daran interessiert. Ich möchte bloß nach Hause gehen und trainieren.

Frage: Waffen außen vor gelassen, hat es da eine Menge an Leuten in der Selbstverteidigung gegeben, die sagen, daß Kämpfen auf der Straße nicht so wie Sport ist. Aber sie reiten so sehr darauf herum, daß sie nicht glauben, daß ein Top-Kämpfer in großartiger Form sich überhaupt irgendwie verteidigen kann. Und Leute haben mir gesagt: “Nun, ich kann dem Typ in das Auge stechen und ihm in den Unterleib treten und dies und das tun.” Aber all die Jahre der Entwicklung von Kondition, Schnelligkeit, Methoden des Austeilens sind nicht vergebens. Und sie werden nicht einfach nur so dastehen, wenn Du in sie hineinstichst und ihnen in den Unterleib trittst.

Mark: Absolut richtig, ich stimme dem vollkommen zu. Bei dem Gesichtspunkt der Selbstverteidigung unterstütze ich die Philosophie: Zisch ab. Lauf weg. Vermeidung ist der Schlüssel. Und das meiste von diesem Zeug hat auch genauso mit der Umgebung zu tun, wenn die Leute mir sagen: “Mann, ich bin letzte Nacht in einen Kampf geraten.” “Nun, wo warst Du?” “Ich war in einer Kneipe.” “Nun, was erwartest Du? Falls Du morgen zur Sonntagsschule gehst, erwartest Du etwa, in einen Kampf zu geraten? Nein. In einer Kneipe, ja.” Viel von der Selbstverteidigung hat mit der Umgebung und der Einstellung zu tun.

Frage: Beim Boxen habe ich bemerkt, daß wenn Du mit Handschuhen und ohne Handschuhe trainierst, es da einen himmelhohen Unterschied gibt. Trainierst Du mit verschiedenen Arten von Handschuhen?

Mark: Oh ja, wir werden 16 Unzen-Handschuhe zum Schutz und für Kraft einsetzen, dann die 8 Unzen-Grappling-Handschuhe und dann Training mit keinerlei Handschuhen für den Rest des Weges. Bei großen Handschuhen gibt es da so viel Polsterung, daß die Wettkämpfe länger andauern. Falls es da keine Handschuhe gibt, wird dieser Kampf nicht all zu lange andauern.

Frage: Welche Art von Handschuhen verwenden Profis im Ring?

Mark: Es hängt von den Verträgen der Kämpfer ab. Die kleinsten, die Du haben kannst, sind 10 Unzen-Handschuhe und 16 Unzen in Amateurkämpfen.

Frage: Wie vermeidest Du Kopfverletzungen, falls Du nicht daran interessiert bist, ein Profi zu werden?

Mark: Wir verwenden das volle Aufgebot an Kopfschutz und 16 Unzen-Handschuhen, wir setzen die Gesichtsschützer ein, um die Nase zu schützen, und von Anfang an setzen wir immer kontrolliertes Sparring ein. Es gibt da keinerlei Möglichkeit, daß Du jemanden nimmst, der gerade erst anfängt und ihm sagst: Okay, Du bist bereit für Vollkontakt. Es sollte da eine Resonanz als Rückmeldung geben, aber er kann auch nicht unterdrückend sein. Wir tun unser bestes, was wir nur können, um die Technik eines Schülers auszubilden, und dann drehen wir schrittweise das Sparring sehr langsam höher. Du weißt, daß Du an all den Techniken auf der Welt arbeiten kannst, und das erste Mal, bei dem ein Schlag hindurchkommt, selbst mit nur 50 Prozent an Kraft, ist es: “Oh Scheiße, was war das?”

Frage: Also wie bringst Du die Schüler auf der Leiter nach oben?

Mark: Wir arbeiten mit Schülern an fließenden Ketten. Zuerst sieht es so aus wie Sparring mit fünf Schritten, aber nach einer Weile kannst Du nicht mehr den Unterschied erkennen zwischen den fließenden Serienketten und tatsächlichen Sparring-Wettkämpfen. Bevor Du eine Chance bekommst zum Sparring, mußt Du mindestens 50 dieser fließenden Ketten in der Tasche haben, und falls Deine Aufmerksamkeit für einen Sekundenbruchteil zurückbleibt, wirst Du mit einem Schlag erwischt werden. Hast Du erst einmal die fließenden Schlagserien gemacht, bringen wir Dich durch Konterschlagen, damit all die Fertigkeiten zusammenkommen, aber trotzdem noch immer in einer kontrollierten Umgebung. Zu diesem Zeitpunkt bist Du bereit zum Sparring.

Frage: Worin unterscheidet sich Dein Training für jemand, der in irgendeine andere Boxschule geht und ein Kämpfer werden möchte?

Mark: Nun, falls Du Dir den boxerischen Gesichtspunkt anschaust, bloß das Schlagen, haben wir mehr Werkzeuge für uns zur Verfügung stehen, die Ellenbogen, Kopfstöße usw. Wir können hacken, mit kurzen Rippenstößen treffen, und wir setzen Drehschläge ein u.ä., und selbstverständlich ringen wir wie die Verrückten. Es gibt einige Tage, an denen wir nicht die verbotenen Techniken behandeln werden und wir nicht viel anders aussehen als ein gutes Golden Gloves-Gym.

Frage: Habt ihr Profiboxer, die zu euch ins Training kommen?

Mark: Wir haben Golden Gloves-Boxer, aber keine Profis.

Frage: Seid ihr die einzigen Leute, die diese Art von Arbeit machen oder gibt es da noch andere?

Mark: Das wissen wir nicht. Wir haben seit so Langem in einem Vakuum operiert, daß wir es ganz einfach nicht wissen. So weit, von dem was wir hören, hat noch keiner die Kombinationen der Dinge gesehen, die wir machen und behandeln. Aber wir denken, daß noch jemand anderes da draußen dies auch tun muß. Es ist Boxen, es ist Ringen, es ist Stoff der alten Schule.

Frage: Gibst Du Seminare?

Mark: Oh ja, wir waren erst kürzlich auf einem Karate College in Virginia. Renzo Gracie und Joe Lewis gaben dort ebenfalls Unterricht.

Frage: Also ist Dein Unterrichten grundsätzlich persönlicher Einzelunterricht, DVDs und Lehrgänge. Hast Du eine Anzahl von Ausbildern, die unterrichten?

Mark: Ich habe zwei Ausbilderassistenten, Kory Hays und Paul Molnar. Wir werden bald ein Seminar in Kalifornien mit Paul Vunak abhalten. Bei unseren Seminaren haben wir eine Richtlinie, “bis zum letzten Mann” zu gehen, d.h. wir werden solange trainieren, wie noch jemand da ist, selbst Stunden nach dem normalen Lehrgangsende.

Frage: Du bist in Tennessee.

Mark: Ja, in Knoxville.

Frage: Dein Training hört sich nach einer Menge Spaß und sehr fortschrittlich, sehr unterschiedlich von traditionellem Training an. Wie sieht Dein aerobes Training aus?

Mark: Wir verwenden das Gladiator Conditioning-Programm; wir haben zwei DVDs darüber.

Frage: Trainierst Du mit Gewichten?

Mark: Wir halten uns von Gewichten fern. Wir arbeiten mit dem Körpergewicht und mit Ausdauerübungen. Kämpfen ist nicht aerobisch oder langsam mit einer beständigen Geschwindigkeit. Es ist vollkommen anerobisch, es sind tonnenweise Hochspringen aus der Hocke, Tonnen von Variationen an Liegestütz, Kniebeugen usw.

Frage: Folgst Du dem Matt Furey-System?

Mark: Ich mag diese Dinge wirklich. Ich stieß ursprünglich 1981 auf diese Ideen in The Original Martial Arts Encyclopedia von Larry Winderbaum. Er hatte einen wirklich großartigen Artikel über die Hindu-Ringer und die Trainingsprogramme, all das, wovon Furey spricht. Das war offensichtlich sehr einflußreich. Aber wir haben ein paar Änderungen, die wir mit eingebunden haben, wie beispielsweise synergetisches Verketten und Dinge wie diese, und wir verwenden außerdem Sandsacktrainingseinheiten, und wir haben ungefähr 50 verschiedene Übungen, die wir Gewürz-Übungen nennen. Dies sind Übungen, die wir jeden Tag verwenden, nach dem wir das Haupttraining beendet haben. Wie Du weißt, gewöhnt sich Dein Körper schrittweise an die Anforderungen eines jeden Übungsprogramms, das Du mit Deinem Körper machst, und Du hörst auf, Dein System zu schocken. Also geben wir Dir jeden Tag eine Übung zur Abwechslung, um Dein System kontinuierlich zu erschüttern.

Frage: Läufst Du, fährst Du Rad oder machst Du andere Sachen?

Mark: Nein, mache ich nicht. Ich bin ein sehr großer Fan von spezifischem Training. Ich denke, Laufen und all diese Dinge sind sehr gut, aber nichts bereitet Dich so auf das Kämpfen vor wie das Kämpfen selbst. Wir versuchen, ein kompaktes Training zu nehmen und fahren die Umdrehungen hoch und beenden Deine Übungen in 30 Minuten und beenden Dein Training mit Technikkultivierung. Die Art und Weise, in der wir bei unseren Drills trainieren, ist ziemlich kampflustig; wir gehen die ganze Zeit lang immer hart zur Sache. Zu dem Zeitpunkt, an dem Du damit durch bist, solltest Du ausgelaugt sein, und falls irgend jemand Dir gegenüber Laufen erwähnt, wirst Du es nicht mehr in Dir haben.

Frage: Irgendwelches Seilspringen?

Mark: Ja, ich habe es gemacht, aber wenn es um Zeitaufwand geht, würde ich es vorziehen, zu boxen.

Frage: Wie ist es mit Gewichten?

Mark: Ich persönlich habe mit Gewichten trainiert, aber ich ziehe Körpergewichtsübungen durch alle Bewegungsspielräume vor. Manchmal werde ich eine Gewichtsweste verwenden. Falls Du mit Gewichten trainierst, mag ich es, ungewöhliche Gewichte zu benutzen. Ich mag Fässerheben, zu versuchen, einen unhandlichen Gegenstand zu ergreifen und ihn zu bewegen, etwas, das nachahmt, was Du im realen Leben finden wirst. Weißt Du, wann immer Du jemand zu ergreifen versuchst, bleiben sie nicht in einer netten, unbeweglichen Bankdrückposition oder Langhantelkniebeugeposition für Dich. Es ist nun nichts verkehrt mit Gewichten. Ich bin bloß vollkommen von der alten Schule, wenn es um die Kampfvorgehensweisen geht, und die alten Hasen fanden sehr wenig Anwendung in ihrer Erfahrung mit Gewichten, und ich habe es in meiner ebensowenig gefunden.


von und mit Mark Hatmaker bieten wir im Onlineshop an:

DVDs:

The ABCs of NHB: High-Speed Training for No-Holds-Barred Fighting

Clean Sweeps: A Grappler's Guide to Getting from the Guard to the Top Game

Busting the Legs: Going Offensive inside the Guard

Submission Prism: Multiple Entries for High-Percentage Submission Work.

Ground and Pound

Dirty Boxing

Street Self-Defense System 3: Outer Limits Drills

Masters & Styles

Down & Out

Street Self-Defense System Set

Street Self-Defense System 2: “X” Weapons Techniques against Armed Attackers

Street Self-Defense System 1: Unarmed Techniques and Tactics

Below the Belt Set

Gladiator & Mega-Gladiator Conditioning Kits

Below the Belt Volume 2: A Complete Arsenal of Knee Strikes for MMA and the Street

Silent Partner Set

Great Escapes: Beating the Grappler at His Own Game

Modern Knives 7: The Grappling Arts

Below the Belt: A Complete Arsenal of Low Kicks for MMA and the Street

Extreme Boxing: Hardcore Boxing for Self-Defense

The Complete Pugilist: The Definitive Guide to Old-School Boxing, Dirty Boxing, and the Sweet Science

Beyond Brazilian Jujitsu: Redefining the State of the Art in Combat Grappling

Beyond Brazilian Jujitsu II: Escaping, Countering, and Defeating a Formidable Combat Art

Beyond Brazilian Jujitsu Set

The Submission Encyclopedia: The Ultimate Guide to the Techniques and Tactics of Submission Fighting, Volume 1

The Complete Grappler: The Definitive Guide to Fighting and Winning on the Ground

Armor Plated: The Encyclopedia of Defensive Skills for NHB and the Street

Gladiator Conditioning Course: Fitness for the Modern Warrior

Mega-Gladiator Conditioning Set: The Next Level of Combat Fitness

The Floor Bag Workout: The Ultimate Solo Training for Grapplers and Groundfighters

Silent Partner: A Video Guide to Solo Training with a Throwing Dummy